Die Rapperswil-Jona Lakers befinden sich auf einer schwierigen Bergtour. Vor dem Aufbruch ist allen klar, dass es eine mühevolle Sache wird. Anstrengend und entbehrungsreich. Und doch sind alle voller Hoffnung. Geschäftsführer Markus Bütler mag diesen Vergleich und fügt an: «Wie bei einem schwierigen Aufstieg gibt es keinen Weg mehr zurück.»

Anzufügen wäre noch: In der Felswand ist es nicht mehr möglich, den Anführer der Seilschaft (den Bergführer) auszutauschen. Bei den Lakers wäre es hingegen kein Problem, den Bergführer (den Trainer) zu wechseln.

Wenn wir nur harte Faktoren berücksichtigen – die Anzahl Siege und Niederlagen, Tore und Gegentore und alle sonstigen Statistiken – dann ist der Aufsteiger auf dem Weg in den sportlichen Untergang. Die Lakers stehen statistisch gesehen ungefähr so da wie in der Abstiegssaison (2014/15) und befinden sich in einer ähnlich besorgniserregenden herbstlichen Verfassung wie Basel oder Kloten, weitere Absteiger der letzten Jahre.

Für Rapperswil-Jona gibt es keinen Weg zurück.

Für Rapperswil-Jona gibt es keinen Weg zurück.

Die weichen Faktoren – die Gelassenheit der Führung, die Stimmung in der Kabine – deuten hingegen nicht auf Absturzgefahr. Ein Trainerwechsel steht nicht zur Debatte. Es gibt nicht die üblichen Sprüche wie: «Der Trainer ist kein Thema.» Oder: «Wir stehen hinter dem Trainer.»

Markus Bütler sagt: «Die Frage ist, ob der Trainer die Spieler erreicht und ob die Spieler an das glauben, was der Trainer sagt. Das ist bei uns ganz klar der Fall. Jeff Tomlinson hat sich in den vergangenen drei Jahren eine starke Position erarbeitet und wird respektiert.» Sportchef Roger Maier sagt sogar: «Es ist erstaunlich, wie gut bei uns die Stimmung ist.» Nach dem Motto: Wir sind letzte – na und?

Rapperswil wie Kloten?

Die Frage ist, wie lange Tomlinson von diesem «Vorrat» zehren kann. Niederlagen entwickeln in eine destruktive Dynamik. Wird die Führung davon erfasst wie letzte Saison in Kloten, dann wird es kritisch. Aber Markus Bütler hat mehr als zehn Jahre für die Lakers gespielt und lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen. Er bleibt gelassen: «Wir waren uns immer bewusst, wie schwierig es wird.

Natürlich haben wir auf einen guten Saisonstart und ein bisschen Euphorie gehofft. Wir haben ja letzte Saison im Cup mehrere höherklassige Teams besiegt. Aber ich habe immer wieder gewarnt: Das waren einzelne Events und etwas ganz anderes als der Alltag in der höchsten Liga.» Und dieser Alltag hat dem Cupsieger noch kein Glück gebracht – knappe Niederlagen und mehrere verletzte Schlüsselspieler.

Wenigstens ist die wirtschaftliche Situation – anders als vor einem Jahr in Kloten – stabil. Im Kassenhäuschen kommt keine Panik auf. «Wir haben konservativ budgetiert», sagt Markus Bütler. Kommen weiterhin zwischen 3000 und 4000 Fans, geht die Rechnung einigermassen auf. Zurzeit liegt der Schnitt bei 4049.

Keine Schweizer Spieler

Eine Kriegskasse gibt es auch. «Wir sondieren den Ausländermarkt» sagt Sportchef Roger Maier, der Architekt des sportlichen Wiederaufbaus. «Wenn es Schweizer Spieler gibt, die uns helfen können, dann sind wir interessiert. Aber es gibt keine», ergänzt Markus Bütler.

Agnet Dani Giger ist gerade dabei, den Preis für den bei Servette kriselnden Juraj Simek in die Höhe zu treiben. Langnau bietet noch zu wenig. Ein Spielchen, auf das die Lakers nicht hereinfallen. Inzwischen winkt Chris McSorley ab: «Wir werden ihn wohl behalten.»

Wie die Bergtour enden wird, ist offen.Ein Traumszenario gibt es allerdings: die Lakers werden auf den letzten Metern zum Gipfel des Klassenerhaltes in der Liga-Qualifikation gegen Kloten von Kevin Schläpfer begleitet.