Eishockey
Der arme Hockey-Wolf und dreimal sieben Geisslein

Lakers-Torhüter Tim Wolf ist der verlorene Held beim 0:5 gegen die Slowakei – sieben Spieler bekommen eine Chance in der WM-Vorbereitung

Klaus Zaugg, Slowakei
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Glen Hanlon verlor mit der Nati 0:5.

Glen Hanlon verlor mit der Nati 0:5.

KEYSTONE

Von Banska Bystrica im Herzen bis nach Rapperswil am Obersee sind es gut und gerne 1500 Kilometer. Doch Nationaltorhüter Tim Wolf (23) durfte sich bei der 0:5-Niederlage gegen die Slowaken wie zu Hause bei seinen Lakers fühlen. Vor ihm ein tapferes, weitgehend aus Nobodies zusammengestelltes Team, das schon nach wenigen Minuten weiss, dass ein Sieg nicht möglich ist, und trotzdem unverdrossen kämpft und schliesslich ruhmlos verliert. So geht es diese Saison meist auch bei den Lakers zu und her.

Die jungen, flinken, mutigen Schweizer hatten am Freitag wenig Mühe gehabt, das tumbe preussische Infanterie-Hockey der Deutschen zu durchschauen und mit 4:1 auszukontern. Dem sausenden und brausenden Husaren-Hockey der läuferisch und technisch starken Slowaken waren sie gestern hingegen nicht mehr gewachsen. Sie wehrten sich tapfer, überstanden alle vier Strafen ohne Gegentreffer und hatten bei ein paar Kontern gute Chancen. Aber die Unterlegenheit war bei 13:35 Torschüssen zu gross. So ist es logisch, dass daraus ein 0:5 und damit die höchste Niederlage gegen die Slowaken seit dem 19. April 2002 in Biel (1:6) geworden ist. Das mag auch zeigen, wie viel Arbeit Torhüter Tim Wolf hatte. Und damit sind wir wieder beim Thema.

Lakers-Torhüter Tim Wolf ist der verlorene Held in dieser nominell drittklassigen Schweizer Auswahl. Eine Rolle, die er auch bei den Lakers spielt und ihm das Nationalmannschafts-Aufgebot beschert hat. Nationaltrainer Glen Hanlon sagt: «Ich habe ihn oft beobachtet. Er gibt bei den Lakers auch dann nie auf, wenn ein Spiel verloren ist. Das gefällt mir sehr. Er hat gegen die Slowaken einige sehr gute Paraden gezeigt.» Tim Wolf hat tatsächlich viel besser gespielt, als es die Statistik (85,71 Prozent Fangquote) vermuten liesse – ja, wenn er in den verbleibenden beiden Partien der Qualifikation gegen die Kloten Flyers so hext wie gegen die Slowaken, dann kann er das Rennen um den letzten Playoff-Platz entscheiden. Gegen Kloten.

Keine bessere Abwehr in der Nati

Eigentlich kann ja ein Torhüter des NLA-Schlusslichts erwarten, dass er in der Nationalmannschaft eine bessere Verteidigung vor sich hat. Aber das war für Tim Wolf nicht der Fall. Die Abwehr der Schweizer war gegen die Slowaken eher noch stärker überfordert als jene der Lakers in einem gewöhnlichen NLA-Spiel. Er mag den Vergleich mit den Lakers nicht und sagt: «Die Abwehr der Nationalmannschaft hat sicherlich mehr Talent. Das Problem war, dass es gegen die Slowaken nicht gelungen ist, unser System zu spielen. Das Niveau ist international einiges höher.» Er habe lange an eine Wende geglaubt. «Ich hatte auch nach dem 0:2 noch das Gefühl, dass wir das Spiel wenden könnten.» Es ist nichts aus einer Wende geworden. Wie meistens auch bei den Lakers.

4:1 gegen Deutschland mit dem besten Benjamin Conz der letzten 5 Jahre im Tor und 0:5 gegen die Slowakei mit dem armen Wolf und dreimal sieben Geisslein – die Schweizer haben die Erwartungen beim Slowakei-Cup durchaus erfüllt. Aber zu einer Revolution hat es nicht gereicht. Die Hierarchie der für die WM infrage kommenden Spieler hat sich nicht verändert. Nicht einer hat in diesen zwei Partien gegen Deutschland und die Slowakei so gespielt, dass nun ein neutraler Beobachter ultimativ einen Platz im WM-Team fordern könnte.

Glen Hanlon sagt, er habe einige Spieler gesehen, die immerhin in der WM-Vorbereitung eine weitere Chance bekommen werden. Torhüter Benjamin Conz, Verteidiger Dean Kukan («ich wusste, dass er gut ist, aber er ist noch besser, als ich gedacht habe»), Cédric Hächler und Joël Genazzi sowie die Stürmer Etienne Froidevaux, Gaetan Haas und Reto Schäppi. Keine WM-Chance hat hingegen Ambris Inti Pestoni, der offensive Held beim 4:1 gegen Deutschland. Aber Glen Hanlon sagt: «Er ist zu stark von einem kreativen Center abhängig.»