Eishockey
Der Aargauer Kostovic fristet in Zagreb ein trauriges Profidasein

Dario Kostovic sitzt strahlend in der Davoser Vaillant-Arena. Er geniesst es, im hohen Eishockeyalter von 34 Jahren noch in den Genuss einer Spengler-Cup-Teilnahme zu kommen. Der gebürtige Kroate geriet aufs sportliche Abstellgleis.

Marcel Kuchta
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Seinen Wohnsitz hat Dario Kostovic weiterhin in Wettingen.

Seinen Wohnsitz hat Dario Kostovic weiterhin in Wettingen.

bier

«Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch erleben würde», sagt er lächelnd. «Das ist ein Karrierehöhepunkt für mich.» Dabei hat er in seinem Eishockey-Alltag bei Medvescak Zagreb ansonsten wenig bis gar nichts zu lachen. «Sportlich ist für mich die Situation eine Katastrophe», redet der Aargauer in Diensten des kroatischen KHL-Teams Klartext, «aber ich muss mich damit abfinden.»

Ganze viermal kam er in der laufenden Saison zum Einsatz – in 42 Meisterschaftsspielen. Am 14. Oktober, am 5. und 7. November sowie am 10. Dezember – im Schnitt also ein Einsatz pro Monat. Wie schon in der letzten Spielzeit, als er ebenfalls nur vier Partien bestreiten durfte, fristet Dario Kostovic ein trauriges sportliches Dasein auf dem Abstellgleis. Er ist dabei auch ein Opfer politischer Begleitumstände.

Sportliche Ziele zweitrangig

Zagreb, eine der KHL-Organisationen mit dem kleinsten Budget (4 Millionen Euro), wird vom russischen Gasgiganten «Gazprom» alimentiert. Dabei steht beim Team aus der kroatischen Hauptstadt offenbar nicht der sportliche Erfolg im Vordergrund, sondern primär die Begrenzung des finanziellen Schadens. Die meist kanadisch-stämmigen Profis (viele davon mit kroatischen Wurzeln) haben zumeist Klauseln in ihren Verträgen, die dem Klub bei einem Transfer einen bestimmten Betrag in die Kasse spülen würden. «Zagreb forciert andere Spieler, um sie weiterzuverkaufen. Wir hatten etwa 40 Spieler in dieser Saison, das muss man sich mal vorstellen», schildert Kostovic die vertrackte Situation.

Auch Trainer Doug Shedden – der ehemalige Zug-Headcoach stiess im Oktober zur Mannschaft – erklärte Kostovic bald einmal, dass er leider nicht mehr für ihn tun könne, da ihm die Hände gebunden seien. Kommt erschwerend dazu, dass der Stürmer in einem Kader voller Kanadier als Kroate (oder Schweizer) ein Aussenseiter ist. «Man muss sich das vorstellen, wie wenn in der Schweiz ein Team Canada an der Meisterschaft teilnimmt. Wie will ein Schweizer da zum Einsatz kommen? Da hat man keine Chance.»

Immerhin konnte Kostovic Doug Shedden das Zugeständnis abringen, ihn im gestrigen Abendspiel gegen den HC Davos einzusetzen. Umso erstaunter war der 1,90-Meter-Hüne, dass er bereits im ersten Turnierspiel seiner Mannschaft gegen das Team Canada am Samstag (1:3) zum Aufgebot gehörte. Typisch war aber dafür, dass er als 13. Stürmer nur zu einer Handvoll Einsätzen kam.

Kostovic kehrt in den Aargau zurück

Der Spengler-Cup lenkt den in Neuenhof aufgewachsenen Kostovic derzeit von seinen Sorgen um die berufliche Zukunft ab. Eigentlich wäre er schon im vergangenen Sommer gerne in die Schweiz zurückgekehrt, nachdem bereits die letzte Saison eine zum Vergessen gewesen war. Die bestehenden Kontakte mit den EHC Basel Sharks brachen aber abrupt ab, als der Klub Ende August Konkurs anmelden musste. Danach hatte Dario Kostovic nur noch eine Option: die Rückkehr in das Heimatland seiner Eltern. Den Schweizer Wohnsitz in Wettingen hat er jedoch behalten. Seine Frau Jasna und die beiden Söhne Darian und Marko sind immer noch dort gemeldet. Im kommenden Sommer wird die ganze Familie auf jeden Fall in die Schweiz zurückkehren. Marko kommt dann in den Kindergarten.

Niemand hat auf ihn gewartet

Gedanken über einen möglichen Rücktritt hat sich Dario Kostovic noch nicht gemacht. «Ich fühle mich fit und möchte auf jeden Fall noch eine Saison spielen», zeigt er sich entschlossen. Sein Agent André Rufener wird darauf warten müssen, dass sich irgendwo ein Türchen auftut. Die Möglichkeiten sind begrenzt – selbst in der NLB. Und auch dem Captain der kroatischen Nationalmannschaft ist nicht verborgen geblieben, dass viele Klubs vermehrt auf jüngere Spieler setzen. Auf einen wie ihn, der vier Jahre im für Eishockey-Verhältnisse exotischen Kroatien gespielt hat, wartet niemand.

Den Wunsch nach einer letzten aktiven Saison auf höherem Level verbindet Kostovic mit der Ambition, seine Trainerausbildung zu beenden. Er, der vor 15 Jahren eine KV-Lehre abgeschlossen hat, sieht seine berufliche Zukunft auf den Eisbahnen der Schweiz. «Ich bin für alles offen», sagt er. Der Blick in die wunderschöne Davoser Eiskathedrale, bestätigt ihn in seinem Vorhaben. Es entbehrt übrigens nicht einer gewissen Ironie, dass der 34-Jährige vor zwölf Jahren beinahe beim HC Davos gelandet wäre. Er entschied sich im letzten Moment gegen einen Wechsel und für den Verbleib in Kloten. Wer weiss, wohin ihn sein Weg geführt hätte, hätte er sich damals unter die Fittiche von Arno Del Curto begeben?

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