NHL
Denis Malgin setzt sich in der NHL mit Talent und Unbekümmertheit durch

Für den 19-jährigen Oltner hat sich ein ganz grosser Traum erfüllt. Denis Malgin ist in der NHL angekommen. Nicht viel nachdenken und einfach frei aufspielen, dass ist Malgins Erfolgsrezept.

Marcel Kuchta
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Denis Malgin mischt im NHL-Team der Florida Panthers mit den ganz Grossen mit.

Denis Malgin mischt im NHL-Team der Florida Panthers mit den ganz Grossen mit.

Keystone

So stellt man sich das schöne Eishockey-Leben vor: Raus aus der Eishalle, gekleidet in T-Shirts und kurzen Hosen, an den Füssen Flip-Flops. Draussen 30 Grad, blauer Himmel und Sonnenschein. Palmen, Strand und Meer. Denis Malgin muss sich in Florida, genauer in der Stadt Sunrise, derzeit vorkommen wie im Paradies. Nicht nur wegen des Wetters, sondern vor allem deshalb, weil der 19-jährige Oltner derzeit erlebt, wie sich sein Traum, dereinst in der NHL, der besten Eishockey-Liga der Welt zu spielen, erfüllt. In der Nacht auf heute bestritt Malgin bereits sein fünftes NHL-Spiel im Dress der Florida Panthers.

Lehrling und Meister beisammen: Denis Malgin (l.) lauscht ehrfürchtig den Worten des 44-jährigen Superstars Jaromir Jagr.

Lehrling und Meister beisammen: Denis Malgin (l.) lauscht ehrfürchtig den Worten des 44-jährigen Superstars Jaromir Jagr.

Hätte man den Schweizer Junioren-Internationalen vor einem Monat gefragt, ob er sich überhaupt nur schon einen NHL-Einsatz vorstellen könnte, so hätte er abgewinkt. Der Sohn des ehemaligen EHC Olten-Söldners Albert Malgin (der inzwischen Sportchef beim B-Ligisten Martigny Red Ice ist) findet deshalb kaum Worte, um seine derzeitige Gefühlslage zu beschreiben.«Es ist ganz einfach wunderschön», sagt er. Inden ersten beiden Spielen sei er noch nervös gewesen. «Inzwischen habe ich mich aber an das ganze Drumherum gewöhnt.»

Dass Denis Malgin unerwartet früh zu seinen ersten NHL-Einsätzen kam, hatte zwei Hauptgründe: Einerseits machte er schon im Trainingslager der Nachwuchsspieler der Panthers mit starken Leistungen auf sich aufmerksam und ging mit viel Selbstvertrauen ins richtige Trainingslager, wo viele Spieler um ein paar wenige freie Plätze im Kader des NHL-Teams kämpften. Andererseits hatte er das Glück, dass sich unmittelbar vor dem Saisonstart mit Nick Bjugstad und Jonathan Huberdeau zwei Stammkräfte verletzten und sich so unverhofft Lücken im Mannschaftsgefüge auftaten.

Malgin überzeugte den Trainerstaff der Panthers derart, dass er sämtliche Kaderschnitte überstand und bisher in jedem Spiel zum Einsatz kam. In seiner zweiten NHL-Partie gegen die Detroit Red Wings durfte er sich auch schon seinen ersten Skorerpunkt (Assist) gutschreiben lassen.

Unbekümmertheit und Talent

Die NHL, so erzählt er, sei eine ganz andere Welt. «Man muss als Spieler nur eines: spielen. Um alles andere wird sich gekümmert.» Das heisst für ihn, den Junioren, dass er nicht mal mehr seine Tasche selber packen, geschweige denn tragen muss. Auch auf dem Eis bewegt sich Denis Malgin selbstredend in anderen Sphären.

Der Panthers-Center Denis Malgin (M.) im Zweikampf in der eigenen Zone mit Sam Brittain.

Der Panthers-Center Denis Malgin (M.) im Zweikampf in der eigenen Zone mit Sam Brittain.

Keystone

«In der NHL geht alles viel schneller. Man hat kaum Zeit und Platz auf dem Feld.» In diesenMomenten kommen ihm zwei Eigenschaften zugute: einerseits seine Unbekümmertheit, andererseits sein Talent. Die Unbekümmertheit deshalb, weil er sich die wenigen Worte, die der Headcoach der Florida Panthers, Gerard Gallant, mit ihm gewechselt hat, zu Herzen nimmt: «Er hat mir gesagt, dass ich nicht zu viel nachdenken und einfach mein Spiel spielen soll.»

Ein Spiel, in dem die Fähigkeiten des 1,75 Meter grossen Centers zum Tragen kommen: Denis Malgin besitzt die Spielintelligenz, die man in der NHL benötigt, um auf engstem Raum innert kürzester Frist die richtigen Entscheidungen zu treffen. Am überraschendsten ist vielleicht die Tatsache, dass er trotz seiner für NHL-Verhältnisse geringen Körpergrösse auf physischer Ebene recht gut mitzuhalten vermag. Er steht durch seinen tiefen Schwerpunkt sehr stabil auf den Schlittschuhen und bringt sich durch seine gute Übersicht nur selten in verwundbare Positionen.

Und dann hat er auch noch Vorbilder in der Garderobe, von denen er bis vor kurzem nur zu träumen wagte: der inzwischen 44-jährige tschechische Weltstar Jaromir Jagr ist Denis Malgins berühmtester Teamkollege. «Ich schaue ihm bei allem zu, was er macht, und lerne jeden Tag von ihm», zeigt sich der Jungspund begeistert von dem Mann, der locker sein eigener Vater sein könnte und der am vergangenen Donnerstag mal eben sein 750. NHL-Tor erzielt hat. Daran, dass der Traum jeden Tag zu Ende sein kann und plötzlich die vermutlich unumgängliche Rückversetzung ins Farmteam ansteht, mag Denis Malgin nicht denken. «Daran verschwende ich keinen Gedanken», sagt er. «Ich geniesse jeden Tag, den ich hier sein darf.» Man glaubt es ihm aufs Wort.