Eishockey
Del Curto: «Diesen Mist habe ich nun zur Genüge gesehen»

Nach einem Auswärts- und Heimsieg ist Davos gegen den SC Bern auf Finalkurs – doch Trainer Del Curto hebt den Mahnfinger. «Es ist knapp. Und es wird knapp bleiben. Bern ist imstande, vier Spiele hintereinander zu gewinnen.»

Marcel Kuchta, Davos
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Traut dem Frieden noch nicht: HCD-Trainer Arno Del Curto.

Traut dem Frieden noch nicht: HCD-Trainer Arno Del Curto.

Keystone

Die Stimmung ist am Tag nach dem 6:2-Sieg gegen den SC Bern gelöst. Auf dem Eis der Davoser Vaillant-Arena lässt HCD-Trainer Arno Del Curto seine Spieler ein paar Runden drehen, ordnet ein paar kurze, lockere Übungseinheiten an, schaut zu und verabschiedet sich dann wieder in Richtung Garderobe.

Die während der Playoffs typische, aktive Erholung ist angesagt. Zumal nicht mal alle Akteure präsent sind: Die Gebrüder Marc und Dino Wieser sowie Captain Andres Ambühl fehlen beispielsweise, weil sie ihr Jagd-Patent machen.

Solche auf den ersten Blick erstaunliche Ausnahmen kann man in Davos derzeit locker gewähren. 2:0 führen die Bündner in ihrer Halbfinal-Serie gegen den SC Bern und sind somit nur noch zwei Siege vom Einzug in den Final entfernt. Am Dienstag bezwangen sie ihren Kontrahenten mit einer beeindruckendem Mischung aus Wucht und Effizienz.

Es wäre ein durch und durch zufriedenstellender Auftritt gewesen – wenn da nur nicht die Schwächephase im zweiten Drittel gewesen wäre, in welcher der SCB den Rückstand von 0:4 auf 2:4 verkürzte und sogar Chancen hatte, noch näher an die Davoser heranzukommen.

«Wir hatten in diesem Winter 30 Spiele, in denen wir führten und plötzlich aufhörten, zu spielen. Wir glichen auf dem Feld einem Hühnerhaufen. Alle standen nur noch herum und versuchten, schön zu spielen», bemängelt Arno Del Curto. Aber das sei normal für eine junge Mannschaft, unterstreicht der Davoser Übungsleiter.

Der Vergleich mit Juventus

Del Curto verzichtete trotz der schweren Rücklage, in welche seine Mannschaft zwischenzeitlich geriet, darauf, ein Time-out zu nehmen. In der Hoffnung, dass man sich ohne weitere Verluste in die zweite Drittelspause retten würde, wo er sich sein Team dann wieder zur Brust nehmen konnte: «Ich habe den Spielern gesagt: Diesen Mist habe ich nun zur Genüge gesehen. Irgendwann müsst ihr es mal lernen, auch wenn ihr noch jung seit. Ich habe ihnen erzählt, wie Juventus am Mittwoch in der Champions League gegen Dortmund aufgetreten ist.

Die Juve-Spieler traten so auf, als ob sie Stierenblut getrunken haben. Das war beeindruckend. Diese Entschlossenheit wollte ich von meinen Jungs auch sehen.» Das Resultat war dann ebenso beeindruckend. Mit zwei schnellen Toren zu Beginn des letzten Drittels machten die Davoser alles klar und erstickten sämtliche Berner Hoffnungen auf die Fortsetzung der Aufholjagd, im Keime.

Der Lernprozess hält an

Arno Del Curto lässt keine Gelegenheit aus zu betonen, dass sich seine junge Mannschaft weiterhin in einem Lernprozess befindet. Der Umbruch, der nach dem Abschied von jahrelangen Teamstützen wie Sandro Rizzi und Josef Marha und der Abwesenheit des derzeit verletzten Reto von Arx – er dürfte am kommenden Donnerstag sein Comeback geben – eingeläutet wurde, läuft immer noch auf vollen Toren.

Daran habe auch die gewonnene Playoff-Serie gegen Zug – die erste seit dem Meistertitel 2011 – nichts geändert. «Die Mannschaft hat den Schritt noch nicht gemacht, aber sie hat jetzt den Groove, gewinnen zu wollen. Ich hoffe, dass die zehn schwachen Minuten vom Dienstag die Letzten gewesen sind. Erst dann haben meine Spieler wirklich etwas gelernt.»

«Keine Ahnung, was passiert»

Arno Del Curto hebt den Mahnfinger. So schön der 2:0-Vorsprung seiner Mannschaft ist, so traut er dem Frieden noch nicht: «Es ist knapp. Und es wird knapp bleiben. Bern hat eine grossartige Mannschaft und ist imstande, vier Spiele hintereinander zu gewinnen.» Zumal die Gefahr bestehe, dass die HCD-Spieler denken, sie dürften nun auch eine Partie verlieren, ohne dass das gravierende Konsequenzen habe.

«Ich habe vor jedem Match grossen Respekt», betont Del Curto und zitiert damit Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola. «Denn man hat keine Ahnung, was passiert.»

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