Eishockey

Davoser haben Titel-Ambitionen: Sie gewinnen Auftaktspiel mit 5:1

Mit dem HC Davos ist auch beim 87. Spengler-Cup zu rechnen. Der 15-fache Turniersieger bezwang Vitkovice diskussionslos 5:1. Die Bündner gingen innerhalb von 21 Sekunden mit 2:0 in Führung. Das brach den Tschechen das Genick.

Für einmal löste das Vorprogramm bedeutend mehr Emotionen aus als der eigentliche Geschehen im Rink. Die vom HCD-Präsidenten Gaudenz Domenig würdig inszenierte und moderierte Verabschiedung Josef Marhas bewegte nicht nur die Anhängern. Auch der Tscheche mit 13-jähriger Vergangenheit und fünf NLA-Titeln weinte. Zum Dank für seine bedingslose Identifikation mit dem Klub beschenkten ihn seine langjährigen Weggefährten mit einem 5:1-Erfolg.

In der Abendsession ist damit am 3. Tag der "Exhibition" ein "Derby" mit sportlicher Brisanz programmiert: Davos peilt gegen das Team Canada den Sieg in der Gruppe Cattini an. Der Vorjahres-Halbfinalist Vitkovice hingegen kämpft am Sonntag gegen Servette oder ZSKA Moskau gegen das vorzeitige Out. Die dreijährige Spengler-Cup-Bilanz der Tschechen ist dürftig - sechs von bislang acht Partien im Kurort endete für die "Steels" mit einem Fehltritt.

Die zweite Equipe aus dem osteuropäischen Raum ist von einer anderen Güteklasse. ZSKA Moskau erfüllte bei der Rückkehr nach dem Erfolg 1991 gegen die punktelosen Rochester Americans zwar nur die Pflicht, deutete seine Klasse indes in mehreren Szenen an. Servette wird im "Torriani-Duell" um die direkte Halbfinal-Qualifikation auf ein internationales Top-Team treffen.

Der gelungene Auftakt des 32-fachen russischen Champions war ohnehin nur zweitrangig: Das temporäre Comeback des dreifachen Stanley-Cup-Siegers Sergej Fedorow (44) überstrahlte alles. Der frühere NHL-Superstar und General-Manager der Moskauer liess sich zwanzig Monate nach seinem Rücktritt in Magnitogorsk einen Assistpunkt notieren.

2:0-Führung innert 21 Sekunden

Mit einer Tor-Doublette innerhalb von 21 Sekunden verschaffte sich der HCD frühzeitig den kursweisenden Vorteil. Die 2:0-Führung der Bündner verdaute der tschechische Vertreter im zweiten Einsatz innert 24 Stunden nicht. Bei beiden Treffern wurde die Abwehr der "Steels" dem Klubnamen nicht gerecht - schon der ersten Druckwelle der Einheimischen hielt das fragile Ensemble nicht stand. Die Kommunikationsprobleme waren eklatant: Um den Offensiv-Verteidiger Beat Forster kümmerte sich keiner der zu Beginn völlig desorientierten Osteuropäer. Und in der vierten Minute genügte Bürgler eine Finte, um Dino Wieser den zweiten Treffer zu ermöglichen.

Eine Reaktion auf den Fehlstart blieb nahezu aus. Das Team von Arno Del Curto hingegen drosselte das Tempo nicht und erhöhte bis zur 44. Minute auf 5:0. Mit einem Gala-Abend in dieser Form hatte im Vorfeld kein HCD-Vertreter gerechnet. Angesichts der langen Absenzenliste - der Gastgeber musste aus diversen Gründen auf sechs Stammspieler sowie die beiden Rapperswiler Leihgaben Persson und Danielsson verzichten - befürchtete der Rekordsieger einen wesentlich ungemütlicheren Abend.

Aber Viktovice, in der tschechischen Extraliga abermals nur im Mittelfeld klassiert und in den Playoffs zuletzt zweimal in Folge bereits in den Viertelfinals gescheitert, kam gegen den jeglicher Beziehung überlegenen HCD partout nicht auf Touren. Die Auswahl von Peter Oremus bemühte sich zwar, aber die Qualität reichte selbst gegen einen personell dezimierten Kontrahenten nicht einmal zur Beschönigung des Resultats aus.

Im Team der Bündner erfüllten die Hauptdarsteller die hohen Ansprüche - speziell der Keeper. Leonardo Genoni, in seinem zweiten Einsatz nach zweimonatiger Verletzungspause bereits wieder stilsicher wie in besten Tagen, stoppte mit Ausnahme von Roman Szturc alle Vitkovice-Stürmer souverän. Das Tor des Abends markierte Gregory Hofmann. Das Talent erzwang das 3:0 mit einem wunderbaren Schlenzer. "Ich hoffe, wir nehmen den Drive mit ins Spiel gegen Kanada", kommentierte Genoni. Seine eigene Leistung mochte er nicht überbewerten: "Ich fühle mich noch nicht in bester Form."

Nur eine Personalie trübte den Abend: Gregory Sciaroni erlitt bei einem Zusammenprall in der 26. Minute erneut eine muskuläre Verletzung im linken Oberschenkel. Der Tessiner dürfte für den Rest des Turniers ausfallen und wird wohl auch nach dem Jahreswechsel in der Meisterschaft zunächst nicht zur Verfügung stehen.

Das Telegramm

Davos - Vitkovice 5:1 (2:0, 2:0, 1:1)

Vaillant. – 6303 Zuschauer (ausverkauft). – SR Massy/Olenin (Sz/Russ), Arm/Kohler. – Tore: 3. (2:51) Forster (Guggisberg, Ambühl) 1:0. 4. (3:12) Dino Wieser (Reto von Arx, Bürgler) 2:0. 23. Back (Samuel Walser, Grossmann) 3:0. 27. Hofmann (O'Connor/Ausschluss Valcak) 4:0. 44. (43:26) Koistinen (Bürgler/Ausschluss Kucsera) 5:0. 45. (44:16) Szturc (Michal Hlinka) 5:1. – Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Davos, 6mal 2 Minuten gegen Vitkovice.

Davos: Genoni; Schneeberger, Forster; Grossmann, Koistinen; O'Connor, Back; Kutlak; Guggisberg, Corvi, Ambühl; Bürgler, Reto von Arx, Dino Wieser; Hofmann, Sciaroni, Samuel Walser; Sejna, Aeschlimann, Paulsson; Sven Ryser.

Vitkovice: Malek; Kudelka, Sloboda; Stehlik, Gian-Andrea Randegger; Hruska, Bail; Pastor, Dudas; Huna, Roman, Svacina; Strapac, Huzevka, Nemec; Szturc, Michal Hlinka, Vandas; Kucsera, Valcak, Kolouch.

Bemerkungen: Davos ohne Lindgren, Jan von Arx, Samuel Guerra, Rizzi, Schommer (alle verletzt), Persson und Danielsson (beide überzählig). Sciaroni verletzt ausgeschieden (26.). – Pfostenschuss Kolouch (35.).

Rangliste: 1. Davos 1/3 (5:1). 2. Team Canada 1/3 (5:4). 3. Vitkovice 2/0 (5:10).

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