Davos gewinnt in Langnau 4:1. Aber HCD-Trainer Arno Del Curto schleicht davon wie ein Dieb in der Nacht. Dem TV-Interview kann er sich nicht entziehen. «MySports» zahlt für die Übertragungsrechte gut und gerne 30 Millionen Franken pro Jahr. Da muss zum Gespräch antraben, wer dazu aufgefordert wird.

Auf dem Weg vor die TV-Kamera macht er den wartenden Chronisten im Kabinengang klar: «Heute rede ich nicht.» Und weil er weiss, dass dort alle auf seine Rückkehr warteten, schleicht er durch den Hintereingang zurück in die Kabine. Er tut es wohlweislich. Denn im medialen «Kreuzverhör» redet sich der 62-Jährige auch in seiner 23. HCD-Saison nach wie vor ins Feuer und liefert den Stoff, aus dem Polemiken gewoben werden.

Das Bild des davonschleichenden Trainers passt gut zu diesem Spiel. Der HCD hatte nur noch eine einzige seiner acht letzten Partien gewonnen. 2:1 nach Penaltys gegen das Schlusslicht Rapperswil-Jona. Der Meister von 2015 ist in die grösste Krise seit dem Wiederaufstieg von 1993 gerutscht. Ein Sieg in Langnau schien eigentlich unmöglich. Noch am Vorabend war der HCD von Zug mit 1:8 gedemütigt worden und Anders Lindbäck war ein «Lottergoalie» mit einer miserablen Abwehrquote von 78,95 Prozent.

Goalie mit tausend Händen

Aber der HCD gewinnt 4:1. Oder besser: Anders Lindbäck stiehlt Langnau den Sieg. Selbst mit einem guten Torhüter hätte der HCD mit fünf, sechs Toren Differenz verloren. Dem schwedischen NHL-Riesen gelingt ein «Jahrhundertspiel». Er stoppt 47 Pucks, als habe er tausend Hände. Was hätte da Arno Del Curto sagen sollen? Hebt er den Goalie in den Himmel, wertet er die Leistung seiner Vorderleute ab. Hätte er etwas von Taktik erzählt, wäre er ausgelacht worden. Es war besser, einfach davonzuschleichen. Sieg ist Sieg.

Kein Ende der Krise

Dieses 4:1 in Langnau bedeutet nicht das Ende der HCD-Krise. Der Abstand zum letzten Playoffplatz beträgt nach wie vor zehn Punkte. Aber dieses 4:1 ermöglicht eine etwas ruhigere Nationalmannschaftspause. WM-Silberheld Enzo Corvi hat verkündet, während dieser Nationalmannschafts-Pause seine Zukunft zu regeln. Nach der WM hätte er wohl im Unterland einen neuen Vertrag mit gut und gerne 700 000 Franken Jahreslohn unterschreiben können.

Inzwischen ist er in der HCD-Krise zum Mitläufer geschrumpft. In 16 Spielen hat er gerade mal zwei Tore erzielt. Die Offerten aus Zug, Bern, Lugano und Lausanne sind trotzdem nicht nach unten korrigiert worden. Selbst wenn er beim HCD verlängert, wird er zum meistüberbezahlten Spieler der Liga und sozusagen bei jedem Zahltag ein Dieb in der Nacht.