Olympia-Diskussion

Das internationale Hockey steht im luftleeren Raum

Entscheiden bald, wer ins Rennen um die Nachfolge von Jacques Rogge (links) steigt: René Fasel (rechts) und Denis Oswald.

Entscheiden bald, wer ins Rennen um die Nachfolge von Jacques Rogge (links) steigt: René Fasel (rechts) und Denis Oswald.

Keine geregelte Freigabe der NHL-Spieler für die WM, keine NHL-Zusage für Olympia 2014: Dr. René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF), steht vor seiner grössten Herausforderung.

Die National Hockey League (NHL) ist nicht Mitglied des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF). Das bedeutet, dass für alles und jedes separate Verhandlungen nötig sind. Und Druckmittel hat die IIHF gegenüber der NHL keine. Alles hängt letztlich am Verhandlungsgeschick von IIHF-Boss René Fasel.

Bei der Ausarbeitung des neuen Gesamtarbeitsvertrages zwischen der NHL-Spielergewerkschaft und der NHL ist gemäss Fasel die WM- und Olympia-Teilnahme der NHL-Profis ausgeklammert worden. Damit hängt das internationale Hockey sozusagen im luftleeren Raum. Der ehemalige Zahnarzt und Schiedsrichter aus Fribourg sagt, die NHL werde ein sogenanntes internationales Komitee mit Liga- und Gewerkschaftsvertretern bilden und mit der IIHF eine Lösung aushandeln. Er sagt auch: «Ich will vor der WM eine Lösung für die Olympischen Spiele in Sotschi. Entweder ein Ja oder ein Nein. Wir wollen nicht ständige Diskussionen um dieses Thema während der WM.» Die WM 2013 wird vom 3. bis 19. Mai in Schweden und Finnland ausgetragen. Die Olympischen Spiele vom 7. bis 23. Februar 2014 in Sotschi.

Für eine Olympia-Freigabe muss die NHL ihren Spielbetrieb im Februar 2014 unterbrechen – und dafür möchte die NHL Geld vom IOC. Mit dem Argument, dass die TV-Rechte durch die Teilnahme der NHL-Profis mehr wert seien. Doch Fasel ist kategorisch gegen jede finanzielle Beteiligung der NHL an den TV-Einnahmen. Also hängt es an Fasels Verhandlungsgeschick, ob er in den nächsten Wochen eine Lösung findet.

Die WM-Teilnahme der NHL-Profis ist hingegen eher Formsache. Wegen dieser WM-Teilnahme muss die NHL ihren Spielbetrieb nicht unterbrechen. Zur WM fahren die Spieler jener Teams, die aus den Playoffs ausgeschieden bzw. nicht für die Playoffs qualifiziert sind. Fasel sagt: «Auch wenn wir noch keine Regelung ausgearbeitet haben, ist die WM-Teilnahme der NHL-Spieler an der nächsten WM nicht in Frage gestellt.»

Ziel: Erschliessung des chinesischen Marktes

Fasel möchte in den nächsten Wochen und Monaten nicht nur Klarheit über die WM- und Olympiafreigabe der NHL. Profis. Er sucht mit der NHL Lösungen für

- eine Neuauflage des Weltcups. Das Turnier mit allen NHL-Spielern mit den besten Nationen im Herbst als Nachfolgeturnier des Canada Cup ist 1996 (Sieger: USA) und 2004 (Kanada) bereits zweimal ausgetragen worden und soll wieder belebt werden.

- eine Neuauflage des Victoria Cup. Diese Trophäe zwischen dem Sieger des europäischen Klubwettbewerbes und einem NHL-Team ist bis heute zweimal ausgespielt worden. 2008 gewannen die New York Rangers in Bern gegen Magnitogorsk, 2009 die ZSC Lions in Zürich gegen Chicago. Weil es nach dem Scheitern der Champions League keinen europäischen Wettbewerb mehr gibt, kann nicht mehr um den Victoria Cup gespielt werden. Deshalb will Fasel bis im Juni dieses Jahres definitiv einen Entscheid über einen neuen europäischen Wettbewerb ab der Saison 2014/15.

- ein neues Transferabkommen. Einzelne Länder (wie Schweden und Finnland) haben mit der NHL ein Transferabkommen geschlossen. Die Klubs erhalten pro Spieler, der in die NHL wechselt, rund 200000 Franken. Die Schweiz hat kein solches Abkommen. Unsere Klubs gehen leer aus, wenn ein Spieler in die NHL wechselt. Fasel möchte ein Gesamtabkommen, das für alle Landesverbände gilt.

- eine Erschliessung des chinesischen Marktes. Er sagt: «China dürfte sich 2026 oder 2030 für die Olympischen Winterspiele bewerben. Die Entwicklung des Wintersportes in diesem riesigen Markt ist wichtig und kann auch der NHL nützen.»

- eine klare Regelung der NHL-Präsenz in Europa. Die NHL hat in den letzten Jahren (nicht diese Saison, weil keine Zeit dazu war) immer wieder zum Saisonstart Spiele in Europa ausgetragen. Fasel will hier eine klare Regelung.

René Fasel steht vor der grössten Herausforderung als IIHF-Präsident. Er führt den Eishockey-Weltverband seit 1994 und gilt bereits jetzt als erfolgreichster Präsident in der IIHF-Geschichte.

Für ihn gibt es nur noch einen möglichen Karriere-Schritt: Das Präsidium des IOC. Der Nachfolger von Jacques Rogge wird in diesem Jahr gewählt, eine Kandidatur muss bis zum 6. Juni eingereicht werden. Zwei Schweizer haben Chancen: Die IOC-Mitglieder René Fasel und Denis Oswald. Fasel sagt nur, dass es ausgeschlossen sei, dass beide antreten. Also geht es noch darum, ob sich Fasel oder Oswald um das höchste Sport-Funktionärsamt der Welt bewerben werden. Die beiden «Alphatiere» werden in den nächsten Wochen ganz alleine unter sich ausmachen, wer ins Rennen steigt.

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