National League
Das Ende der Hockey-Romantik: Nach dem Trainerwechsel wird aus Biels Hockey-Familie ein Hockey-Unternehmen

Es ist nach dem 3:0 vom 8. September in Kloten erst Biels zweiter «Shutout» in dieser Saison. Der Verwaltungsrat hat nach dem 0:3 gegen Kloten zügig mit 5:0 Stimmen beschlossen, Trainer Mike McNamara des Amtes zu entheben.

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
Letzter Abgang als Biel-Trainer: Mike McNamara nach dem 0:3 gegen Kloten.

Letzter Abgang als Biel-Trainer: Mike McNamara nach dem 0:3 gegen Kloten.

Keystone

Er wird vorerst durch Martin Steinegger ersetzt. Mit dem Sportchef an der Bande gewannen die Bieler am nächsten Tag in Langnau 2:1 nach Penaltyschiessen.

Wie geht es weiter? Martin Steinegger sagt: «Ich hoffe, dass wir am Wochenende einen neuen Trainer haben.» Mike McNamara hatte das Amt vor gut einem Jahr von Kevin Schläpfer übernommen. Martin Steinegger: «Er macht jetzt ein paar Tage Pause, und dann suchen wir mit ihm eine Lösung. Wir sind sehr daran interessiert, dass er in unsere Nachwuchsorganisation zurückkehrt.»

McNamaras Absetzung ist speziell

Die Absetzung eines Trainers ist eigentlich so banal wie ein Radwechsel am Auto. Doch dieser Trainerwechsel ist speziell. Er beendet in Biel eine Ära. Der EHC Biel ist ein aussergewöhnliches Hockeyunternehmen.

Mike McNamaras Zeit in Biel ist vorbei.

Mike McNamaras Zeit in Biel ist vorbei.

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Sozusagen ein «Hybrid-Hockeyclub»: Auf wundersame Art und Weise ist es gelungen, die Professionalität des 21. Jahrhunderts mit der im Sport-Business längst verschwundenen Romantik einer grossen Hockeyfamilie zu verbinden.

Biels ganz besondere Stärke war immer der enge Zusammenhalt zwischen Spielern, Trainern, Management und Verwaltungsrat. Biel war im besten Sinne eine Hockeyfamilie. Und wie in einer richtigen Familie sind alle Konflikte und Herausforderungen familienintern gemeistert worden.

Als nach dem Wiederaufstieg vor gut zehn Jahren die sportliche Not in der Liga-Qualifikation am grössten war, hat mit Sportchef Kevin Schläpfer der «Adoptivsohn» der Bieler Hockeyfamilie die Rettung gebracht. Fortan war er ein «Hockey-Gott».

Das Ende des «Modells Hockeyfamilie»

Als das Undenkbare – die Entlassung von Kevin Schläpfer – getan werden musste, hat wieder einer aus der Familie das Problem gelöst. Mike McNamara stieg vom Junioren- zum Cheftrainer auf und geleitete die Mannschaft im letzten Frühjahr auf wundersame Weise in die Playoffs. Das Scheitern des Kanadiers steht für das Ende des «Modells Hockeyfamilie.»

Das Scheitern des Kanadiers steht für das Ende des «Modells Hockeyfamilie.»

Das Scheitern des Kanadiers steht für das Ende des «Modells Hockeyfamilie.»

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Das freundliche Miteinander hat nicht mehr funktioniert. Daniel Villard sagt: «Keiner hat gegen den Trainer gearbeitet. Aber es gab so etwas wie passiven Widerstand.» Kultspieler Mathieu Tschantré (32), seit der Rückkehr in die NLA Captain, sagt es so: «Passiver Widerstand ist etwas krass ausgedrückt.

Es war so, dass wir zuletzt verunsichert waren. Wir kamen mit dem Spielsystem nicht mehr zurecht und auch Mike ist unsicher geworden und hat uns gefragt, was er besser machen könne. Diese Verunsicherung war fatal. Wir gewinnen nur, wenn bei uns alles stimmt.»

Eine neue Ära beginnt

Mit Sportchef Martin Steinegger hat zwar vorerst in bester Bieler Tradition ein langjähriges Familienmitglied den Posten des Cheftrainers eingenommen – wie damals Kevin Schläpfer. Aber Martin Steinegger ist kein neuer Kevin Schläpfer. Biel kann es sich nicht mehr leisten, den Sportchef zum Trainer zu machen. Biel braucht Martin Steinegger als Sportchef. Sonst laufen die Spieler davon wie in Langnau.

Interims-Coach Martin Steinegger feierte bei seiner Premiere mit Biel gleich einen Sieg.

Interims-Coach Martin Steinegger feierte bei seiner Premiere mit Biel gleich einen Sieg.

KEYSTONE/MARCEL BIERI

Damit ist erstmals seit dem Wiederaufstieg von 2008 der Zeitpunkt gekommen, einen Fremden in die Bieler Hockeyfamilie aufzunehmen. Biel braucht als neuen Trainer eine starke, charismatische Persönlichkeit «von aussen». Ohne Bieler «Stallgeruch». Die Zeit ist reif für neue Ideen, neue Denkmuster, neue Herausforderungen. Für frischen Wind im wunderschönen Hockeytempel. Eine neue Ära beginnt.

Aktuelle Nachrichten