Playoff-Final

Darum gewinnt der HCD auch Spiele, die er eigentlich verlieren müsste

Freudentaumel bei den Davosern nach dem Sieg im Penaltyschiessen gegen den FCZ.

Freudentaumel bei den Davosern nach dem Sieg im Penaltyschiessen gegen den FCZ.

Obwohl der HC Davos den ZSC Lions bisher in der Finalserie spielerisch unterlegen waren, führen die Bündner mit 2:1-Siegen. Damit die Davoser auch solche Spiele gewinnen, sind sie auf starke Säulen angewiesen.

Der Duden sagt: «Etwas, worauf sich ein grösseres Ganzes gründet und ohne dass es keinen Bestand haben könnte.» So lautet die Definition des Begriffs «Säule». Der HC Davos ist während der laufenden Playoff-Finalserie gegen die ZSC Lions auf starke, tragende Säulen angewiesen.

Denn das HCD-Konstrukt ist trotz allem fragil. Viele junge Spieler, dementsprechend mangelnde Routine und neuerdings auch eine Portion Verletzungspech (neustes Opfer: Tyler Redenbach, der den Rest der Finalserie verpasst) sorgen dafür, dass das Gebilde immer wieder erschüttert wird.

Ganz zu schweigen von einem sehr starken Gegner: Die ZSC Lions sind das Beste, was das Schweizer Eishockey zu bieten hat. Dennoch liegen die Zürcher im finalen Duell mit den Davosern mit 1:2-Siegen im Rückstand. Das liegt einerseits am eigenen Unvermögen, andererseits aber hauptsächlich an den HCD-Säulen, die dem Sturm der Löwen bisher tapfer getrotzt haben.

Zum Beispiel Leonardo Genoni: Der Goalie des HC Davos hexte seine Mannschaft am Montag fast im Alleingang zum Sieg im Hallenstadion. 54 Schüsse und vier Penaltys wehrte der 27-Jährige beim 3:2-Erfolg ab. Wer derart unterlegen ist, wie es die Davoser in dieser dritten Endspiel-Partie waren, der muss sich auf einen gross aufspielenden Goalie verlassen können. Mit seiner Coolness und seinem herausragenden Stellungsspiel brachte Genoni die Zürcher fast zur Verzweiflung. Hält er in diesem Stil weiter, dann müssen sich die Lions im Abschluss etwas einfallen lassen. Da hilft wohl nur der Rammbock, um die Mauer im Davoser Tor zu durchbrechen.

Leonardo Genoni: Die Mauer.

Leonardo Genoni: Die Mauer.

Zum Beispiel Félicien DuBois: Er war der eigentliche Königstransfer der Davoser im vergangenen Sommer. Und dennoch wurde der Wechsel des Nationalspielers von Kloten ins Landwassertal nur am Rande wahrgenommen. Jetzt erweist sich der Zuzug des 31-Jährigen als Glücksgriff. DuBois ist neben Beat Forster der Patron der mit einigen sehr jungen Spielern gespickten HCD-Defensive. DuBois besticht nicht nur durch seine Coolness und seine Übersicht. Er kann auch zulangen, wenn es sein muss. Nimmt als Mann, der auch den Medien gerne und gut Auskunft gibt, viel Druck weg von den unerfahrenen Mitspielern.

Félicien DuBois: Der Coole.

Félicien DuBois: Der Coole.

Zum Beispiel Andres Ambühl: Es gab Beobachter, die zu Beginn des dritten Finalspiels monierten, dass man vom ansonsten so auffälligen HCD-Captain bisher noch gar nichts gesehen habe während der Endspielserie. Und dann war er plötzlich da: Ambühls Solo über das ganze Eisfeld und durch die gesamte ZSC-Defensive auf dem Weg zum ersten Davoser Treffer hat das Potenzial zum «Tor des Jahres». Der 31-Jährige war plötzlich da, als es ihn brauchte und untermauerte damit seinen Ruf als Mann für die wichtigen Spiele und Tore. In der Verlängerung, in welcher die Davoser kaum einen Stich hatten, vergab Ambühl die beste Chance, als er nach einem Konter nur den Pfosten des Zürcher Tores traf. So sehr der Bauernsohn aus dem Sertig auf dem Eis herumwirbelt, so gelassen gibt er sich daneben. Es hat schon fast Kult-Charakter, wenn er sein Wundertor in der für ihn typischen, bescheidenen Art als «hübsch» bezeichnet.

Andres Ambühl: Der Captain.

Andres Ambühl: Der Captain.

Zum Beispiel Dino Wieser: Seine Qualitäten lassen sich nicht in Toren und Assists messen. Der 25-Jährige wird nie ein Eishockeyspieler sein, den man für seine atmeberaubende Technik oder seinen Torinstinkt bewundert. Wieser gehört zu jener Sorte Spieler, die dem Gegner unter die Haut fahren. Er ist auf dem Eis ein Krieger, der mit seiner wilden Mähne und seiner Zahnlücke furchteinflössend aussieht. Seine Domänen sind krachende Checks, Unnachgiebigkeit in den Zweikämpfen und die Provokation der Kontrahenten. Und: Trotz seines noch relativ jungen Alters gehört der Flügelstürmer im Team der Davoser schon zu den Routiniers. Er bestreitet bereits seine neunten Playoffs für den HCD und feierte schon drei Meistertitel.

Dino Wieser: Der Krieger.

Dino Wieser: Der Krieger.

Bleibt die Frage: Reichen diese vier Säulen für ein Davoser Halleluja? Zweifel sind angebracht. Denn selbst das «Grosse Ganze» stürzt ein, wenn der Druck von oben zu heftig wird. Die ZSC Lions werden schon morgen in Davos alles daransetzen, dass es so weit kommt.

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