Die Winterlandschaft, die sich derzeit im Landwassertal präsentiert, ist märchenhaft. Bereits Ende Oktober wird Davos von einer halben Meter dicken Schneedecke verhüllt. Märchenhaft ist auch der Saisonstart des HC Davos. Der Rekordmeister führt die NLA-Tabelle nach 17 Runden an. Damit haben selbst im Lager der Davoser nur die allergrössten Optimisten gerechnet. Der HCD gehörte auf dem Papier zu den Transferverlierern des Sommers. Die Abgänge von gestandenen
(National-)Spielern wie Dario Bürgler, Peter Guggisberg oder Robin Grossmann wurden mit Ausnahme von Nationalverteidiger Félicien DuBois lediglich durch «Projektspieler» ersetzt. Unter anderem kamen mit Dario Simion (20) von Lugano und Mauro Jörg (24) von den Rapperswil-Jona Lakers zwei talentierte Stürmer, die in ihren Klubs aber in eine Sackgasse geraten waren.

Noch nie so richtig eingeschlagen

Der Churer Jörg wurde 2010 sogar von den New Jersey Devils gedraftet, schaffte den Durchbruch in seinen bisher vier NLA-Saisons aber weder beim HC Lugano noch in den vergangenen beiden Jahren in Rapperswil. Bei den Lakers sammelte er im Vorjahr zwar ordentliche 15 Skorerpunkte (5 Tore), welche im Vergleich zu seinem Output in den ersten 17 Spielen im HCD-Dress aber geradezu lächerlich anmuten. Achtmal hat Jörg bereits ins Schwarze getroffen und zusätzlich noch vier Assists geliefert. Fast noch eindrücklicher fällt die Bilanz bei Dario Simion aus. Der Tessiner kam in seinen drei bisherigen NLA-Saisons beim HC Lugano nie über sechs Skorerpunkte hinaus. Beim HC Davos sind es nach 17 Spielen schon deren 15 (6 Tore)!

Davoser Jugend forscht

Das Erstaunliche an dieser Entwicklung ist, dass bisher weder Simion noch Jörg in den Genuss kamen, regelmässig mit den ausländischen Stars der Davoser zu stürmen. Im Gegenteil: Die Beiden bildeten grösstenteils eine Flügelzange, welche mit Samuel Walser (22) und Enzo Corvi (21) zwei ebenso junge Mittelstürmer hatte.

Doch wie lässt sich dieser Exploit erklären? Primär mit dem Vertrauen, das HCD-Trainer Arno Del Curto seinen beiden Neulingen schenkt. Sowohl Simion als auch Jörg werden regelmässig im Powerplay eingesetzt. Sowieso hinterlässt der legendäre Davoser Coach bei beiden Spielern einen nachhaltigen Eindruck: «Arno erklärt einem immer offen und ehrlich, was man besser machen muss. Ich habe von meinen Tessiner HCD.-Kollegen vorher gehört, dass er sehr gerne mit jungen Spielern zusammenarbeitet und sie auch entsprechend einsetzt.» Hilfreich für den 1,90-Meter-Mann, der in Locarno geboren wurde, ist auch die Tatsache, dass er sich nach seinem Schulabschluss nun vollständig aufs Eishockey konzentrieren kann: «Vorher hatte ich am Nachmittag immer Unterricht, was die Erholung erschwerte.»

Krönung: Nationalmannschaft

Nun ist der Knopf aufgegangen. So sehr, dass Dario Simion am Freitag vom neuen Nationaltrainer Glen Hanlon sogar für den Deutschland-Cup aufgeboten wurde. «Damit habe ich nach meiner letzten Saison nicht gerechnet. Das Aufgebot freut mich, aber ich kann mich deswegen nicht zurücklehnen, sondern muss weiter hart arbeiten», sagt Simion pflichtbewusst.

Weiter hart arbeiten möchte auch Mauro Jörg. Das HCD-Hoch soll so lange wie möglich anhalten. Wie es dazu kam, ist für den Bündner, der in seine Heimat zurückgekehrt ist, klar: «Das Sommertraining hat uns sehr geholfen. Wir haben schon im Juli mit einem Schlittschuhtrainer und einem Schusstrainer (ex-HCD-Goalgetter Michel Riesen, Anm. d. Red.) zusammengearbeitet. Auch die Intensität der Trainings war hilfreich, dass wir jetzt so gut in Form sind.» Und natürlich unterstreicht auch Jörg den Einfluss von Arno Del Curto: «Er hat mir gesagt, dass er auf mich setzt und mir eine Chance geben wird. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Diese Chance musste ich packen.» Es sieht so aus, als ob er und Dario Simion die Gelegenheit frühzeitig gepackt haben. Auch wenn die Saison noch lang geht und der frühe Davoser Schnee wohl wieder schmelzen wird, ehe es wirklich Winter wird.