Eishockey
Danny Kurmann: Unser bester Ref wird Beamter

Unser Eishockey leidet unter einem «Braindrain». Mit Danny Kurmann verlässt der beste Schweizer Schiedsrichter der Neuzeit unser Hockey zum Ende der nächsten Saison. Er wird der neue Schiedsrichterchef des Internationalen Eishockey Verbandes (IIHF).

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
Danny Kurmann hängt seine Schlittschuhe an den Nagel.

Danny Kurmann hängt seine Schlittschuhe an den Nagel.

Keystone

Auf allen Ebenen geht laufend Fachwissen verloren. Pius-David Kuonen, der Verwaltungsrat, der seine Hand einst schützend über Sean Simpson hielt und das Silber-Wunder von Stockholm ermöglichte, ist längst zurückgetreten. Peter Lüthi, mit einem Beziehungsgeflecht wie das Wurzelwerk eines tausendjährigen Eichenbaumes im internationalen Hockey, müht sich bei der Reorganisation Klotens ab. Manuele Celio hat sein Amt als U-18-Nationaltrainer aufgegeben und arbeitet heute bei den ZSC Lions. Einzelrichter Reto Steinmann hat nach 13 Jahren sein Amt niedergelegt und Liga-Direktor Ueli Schwarz hat das Handtuch per Ende Saison geworfen. Und nun verlieren wir auch noch das ganze Fachwissen des besten Schiedsrichters.

Per Ende der nächsten Saison wird Danny Kurmann als Nachfolger des Russen Konstantin Komissarow neuer IIHF-Schiedsrichterchef. IIHF-Boss René Fasel sagt: «Ich bin mit Danny Kurmann seit langer Zeit im regelmässigen Kontakt. Für mich ist er der beste Mann für uns. Er hat Charisma, sehr viel Erfahrung und ein grosses Fachwissen.» Für den Zuger ist es eine «Lebensstelle». «Es spricht nichts dagegen, dass er seinen Job bis zu seinem Pensionsalter machen kann» sagt René Fasel. Danny Kurmann wird also vom Profi-Schiedsrichter zum Beamten mutieren.

Ende der nächsten Saison wird er die Schlittschuhe an den Nagel hängen und seine Arbeit am IIHF-Hauptsitz in Zürich aufnehmen. Seit 1997 ist Danny Kurmann Profi-Schiedsrichter. Der letzte aus der Generation der Aufrechten und Gerechten im Verband ist nun Spielplanchef und Cup-General Willy Vögtlin. Der Weinhändler arbeitet allerdings nur im Nebenamt für den Verband.

Sein Schiedsrichterproblem hat René Fasel gelöst. Aber nach wie vor hat er mit NHL-Chef Gary Bettman keine Lösung fürs Olympische Turnier von 2018 gefunden. Kommen die NHL-Profis zu den Spielen im südkoreanischen Pyeongchang? Der IIHF-Boss gibt sich durchaus zuversichtlich. «Es ist nicht einfach. Aber aufgeben werde ich nicht.»

Es fehlt an Geld

Primär geht es ums Geld. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) als Schirmherrin der Spiele will die Kosten, wie Versicherungen und Transport, für die NHL-Stars nicht vollumfänglich übernehmen. Es ist ein Machtkampf des neuen deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach und René Fasel, der als IIHF-Boss ebenfalls im IOC sitzt und als Präsident der Wintersportarten ein grosser Gegenspieler Bachs ist. Der Schweizer hatte bei der IOC-Präsidentenwahl kein Geheimnis daraus gemacht, dass er gegen Bach war. Nun folgt für Fasel die Retourkutsche. Für die Finanzierung der Teilnahme der NHL-Stars fehlen rund 10 Millionen Franken. «Wir könnten das aus der IIHF-Kasse bezahlen – aber dann müssten wir unsere Entwicklungsprogramme empfindlich kürzen. Und das kommt nicht infrage.»

Das Olympische Turnier in Pyeongchang kann problemlos auch ohne NHL-Profis gespielt werden. René Fasel sagt, man müsste nicht einmal den Modus ändern. Aber eine Nicht-Teilnahme der NHL-Spieler, die seit 1998 (Nagano) immer dabei waren, wäre eine Schwächung der sportpolitischen Macht von René Fasel. Die Lösung, die er nun anstrebt: Die 10 Millionen auf die Nationalen Olympischen Komitees und Sponsoren aufteilen. Und dabei wird ihm auch ein Schweizer helfen, der sein Fachwissen nicht dem Schweizer Verband, sondern der IIHF zur Verfügung stellt. IIHF-Marketing-Direktor Christian Hofstetter, früherer Captain bei Fribourg-Gottéron.

Aktuelle Nachrichten