Eishockey
Damien Brunner: «Jaromir Jagrs Spielvorbereitung ist ein Spektakel»

Jaromir Jagr ist auch mit 43 noch der grosse Star des WM-Gastgeber Tschechien. Sein ehemaliger Teamkollege Damien Brunner spricht über den tschechischen Superstar. Und ein anderer Schweizer Nationalspieler entpuppt sich als grosser Jagr-Fan.

Marcel Kuchta, Prag
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43 Jahre alt und noch immer kein bisschen müde: Jaromir Jagr.

43 Jahre alt und noch immer kein bisschen müde: Jaromir Jagr.

Keystone

Wenn Damien Brunner über Jaromir Jagr spricht, dann zaubern ihm die Gedanken an den tschechischen Superstar ein Lächeln ins Gesicht. «Er ist ein ganz feiner Typ», sagt Brunner, der zusammen mit Jagr während eineinhalb Jahren bei den New Jersey Devils gespielt hat und sich dabei mit dem bisweilen schrulligen und etwas exzentrischen Altstar bestens verstanden hat.

Die beiden waren so etwas wie Brüder im Geiste und bildeten bei der konformistischen Organisation vor den Toren New Yorks eine Art Schicksalsgemeinschaft. Ihre Wege trennten sich im vergangenen Dezember, als Brunner in die Schweiz zurückkehrte.

Jagr wurde inzwischen nach Florida transferiert und hat dort bereits einen neuen Vertrag für die kommende Saison erhalten. Auch mit 43 ist der Mann immer noch eine Wucht. Das hat er auch an dieser WM wieder einige Male eindrücklich unter Beweis gestellt.

Filmreife Spielvorbereitung

Hier in Prag haben sich nun Brunners und Jagrs Wege erneut gekreuzt. Das Wiedersehen in der O2-Arena war herzlich. Der Schweizer erinnert sich gerne an die gemeinsame Zeit in New Jersey und erzählt noch heute lachend von den Kuriositäten, die zum Alltag der tschechischen Legende gehören. Etwa seine berühmten, nächtlichen Trainingseinheiten, wenn alle anderen Spieler schon längst zu Hause waren.

Oder Jagrs Spielvorbereitung, die Damien Brunner als «Spektakel» bezeichnet: «Er zieht die Schlittschuhe an, bindet Gewichte dran. Dann legt er drei Hitzekissen auf den Boden, setzt sich drauf und liest zehn Minuten in der Bibel, steht wieder auf, macht seine Übungen, lockert die Beine. Dann muss der Masseur kommen, um die Beine noch mehr zu lockern.»

«Dann macht er mit dem Stock – er hat acht Stöcke in seinem Garderobenspind mit jeweils zwei verschiedenen Gewichten dran – bestimmte Bewegungen. Dann zieht er die Schlittschuhe wieder aus», fährt Brunner fort. An Jagr bewundere er auch, wie dieser «die Charaktere der Menschen einschätzen kann und weiss, wie man mit ihnen umgehen muss».

Ein Talent trifft auf sein Idol

Nicht nur für Damien Brunner ist Jaromir Jagrs Präsenz in Prag erfreulich. Für einen anderen Schweizer Spieler erfüllte sich sogar ein Traum: Kevin Fiala hatte dank Brunner die Chance, sein Idol persönlich kennen zu lernen. Als Jagr 1990 zum ersten Mal an einer WM teilnahm, da war der 18-Jährige noch nicht einmal auf der Welt. Und vor nicht allzu langer Zeit klebten an den Wänden in Fialas Zimmer noch einige Poster vom Mann mit der Nummer 68.

Auf Youtube schaute er sich regelmässig Clips von seinem grossen Vorbild an. Nun stand er plötzlich vor ihm, der junge Fan traf den alten Mann. Und wie wars? «Es war ein wunderbares Erlebnis für mich. Aber ich war schon etwas nervös», erzählt Fiala, dessen Eltern aus Tschechien stammen und der selber auch tschechisch spricht.

Trotzdem schlägt sein Herz primär für die Schweiz: «Ich bin dort geboren und aufgewachsen.» Auch die Grossmutter, die in Tschechien lebt, wird am Dienstag Abend in der O2-Arena auf der Tribüne sitzen und selbstverständlich der Mannschaft ihres Enkels die Daumen drücken.

Wiedersehen auf dem Eis

Noch liegen zwischen Kevin Fiala und Jaromir Jagr Welten. Hier der aufstrebende Junior, dort der Weltstar, der in seiner Karriere schon alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt und der in seiner Heimat verehrt wird. Die unterschiedlichen Dimensionen liessen sich gestern beim Abschlusstraining wunderbar beobachten.

Während der Schweizer Jungspund nach dem freiwilligen Training mitsamt seiner Ausrüstung wieder in den Bus stieg, kreuzte Jagr wenig später mit einem Privatauto samt Chauffeur vor der grossräumig abgesperrten Trainingshalle auf.

Am Dienstag Abend werden sich Kevin Fiala und Jaromir Jagr auf dem Eis bekämpfen. Dort wird sich der 18-Jährige aus nächster Nähe überzeugen können, wie gut man auch mit 43 noch sein kann.

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