Eishockey
Chris Baltisberger nimmt Kollegen wie Gegner in den Schwitzkasten

Der 23-jährige Baltisberger von den ZSC Lions hat eine erstaunliche Entwicklung gemacht. Vom Rollenspieler in der vierten Linie zum verlässlichen, regelmässigen Torschützen an der Seite von Topskorer Roman Wick.

Etienne Wuillemin
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Chris Baltisberger ist im Dress der ZSC Lions zur festen Grösse geworden.

Chris Baltisberger ist im Dress der ZSC Lions zur festen Grösse geworden.

KEYSTONE

Eigentlich ist es nur eine scherzhafte Szene im ZSC-Training. Chris Baltisberger nimmt seinen Teamkollegen Jonas Siegenthaler kurzerhand in den Schwitzkasten, weil ihm dieser zuvor bei einer Übung den Puck abgenommen hat. Beide lachen. Aber vielleicht verbirgt sich dahinter mehr. Nach dem mittlerweile gewohnt peinlichen Fehlstart in eine Serie schlägt das ZSC-Imperium zurück. Und es ist Baltisberger, der den EHC Biel in den Schwitzkasten nimmt.

Ein Mann für die Nati

Die Entwicklung Baltisbergers ist auch dem Nationaltrainer nicht verborgen geblieben. «Es würde mich überraschen, wenn Chris an der WM fehlen würde», sagt ZSC-Trainer Marc Crawford.

Baltisberger übernahm die Rolle des in die NHL zu Vancouver gewechselten Ronalds Kenins als Aggressivleader. Es ist also kaum Zufall, dass er auch jetzt in den Playoffs voranschreitet. Roman Wick lobt: «Für einen wie mich sind Spieler wie Chris extrem wichtig. Er macht Räume frei und fährt manchmal einfach in einen Spielerhaufen. Ich bin sicher, er schafft es bald in die NHL.»

Schnupperlehre bei den Edmonton Oilers

Erste NHL-Luft schnupperte Baltisberger bereits im letzten Sommer. Erst bestritt er Ende Juli das Talent-Camp der Edmonton Oilers. Im September durfte er – während der NLA-Qualifikation – noch einmal gehen, ins «echte» Vorbereitungs-Camp. Darüber waren nicht alle seine Konkurrenten erfreut. «Ich hörte manche innere Stimme der anderen Jungen , die sagte: ‹Was macht denn der schon wieder da?›»

Es war eine lehrreiche Zeit, nicht nur wegen des Eishockeys, auch aus sozialer Sicht. «Ich bin ein sensibler Mensch und musste mich erst einmal an die Art dort gewöhnen. Jeder schaut nur für sich selbst. Es ist, als gehe es um Leben und Tod. Ich führte nicht viele Gespräche, aber wenn, dann hatte ich immer das Gefühl, mit einem Superstar zu sprechen. Es geht vor allem darum, dass man sich gut verkauft. Auf dem Eis konnte ich problemlos mithalten.»

Und am Donnerstagabend? Da will Baltisberger wieder den EHC Biel in den Schwitzkasten nehmen.