Vor der Finalserie gegen den SC Bern waren die Zuger gelobt worden für ihr Tempospiel, ihre Energie und ihre Ausgeglichenheit über vier Linien. Nun ist plötzlich alles anders. In den ersten 20 Minuten des dritten Vergleichs am Dienstag wurden die Zentralschweizer exakt mit jenen Eigenschaften entzaubert, die sie eigentlich so stark machen sollten. Bern spielte schneller, brachte mehr Energie auf das Eis, war ausgeglichener besetzt und in allen Bereichen eine Spur besser und abgeklärter als der EVZ.

Vor dem vierten Duell der beiden besten Mannschaften dieser National-League-Saison in Zug liegen die Vorteile klar auf Seiten der Berner. Der EVZ ist 1:2 im Rückstand und befindet sich damit in einer für ihn ungewohnten Situation. Eine weitere (Heim-)Niederlage heute würde wohl die Vorentscheidung im Kampf um den Meistertitel bedeuten.

Berns Leader in Topform

In der entscheidenden Phase der Meisterschaft in Bestform gekommen sind die Berner Leistungsträger. PostFinance-Topskorer Mark Arcobello erzielte am Dienstag zwei Tore und einen Assist und Captain Simon Moser (ein Tor) stellte die Zuger mit seiner Präsenz vor dem gegnerischen Tor ebenso vor unlösbare Probleme wie Tristan Scherwey (Torschütze zum 3:1) mit seinem Tempo und Verteidiger Ramon Untersander (zwei Assists) mit seiner Übersicht an der blauen Linie.

Anders bei Zug, von dem einzig von der ersten Formation mit Garrett Roe und dem schwedischen Duo Klingberg/Everberg regelmässig Gefahr ausging. Lino Martschini tauchte nach dem ersten Finalspiel regelrecht ab, Captain und Abwehrchef Raphael Diaz wartet weiter auf seinen ersten Skorerpunkt im Final und Reto Suri kam nach seiner unfreiwilligen Pause (verständlicherweise) im dritten Spiel noch nicht wieder auf Touren.

Suri: "Machten nicht alles falsch"

Suri hatte nach dem hässlichen Check von Adam Almquist im ersten Spiel in den letzten Tagen mehr Zeit beim Zahnarzt verbracht als auf dem Eis. "Glücklicherweise sind alle Zähne wieder drin", sagte der Stürmer. "Ich hatte zu Beginn Mühe, in den Rhythmus zu kommen. Aber das sind alles Ausreden. Ich werde mein Bestes geben, dass ich der Mannschaft im vierten Spiel wieder mehr helfen kann."

Gegen Bern scheiterte Suri kurz vor der zweiten Pause am Pfosten. Es wäre der Anschlusstreffer zum 2:3 gewesen. "Wenn ich den reinmache, dann sind wir wieder im Spiel", so der 30-Jährige, der in seiner siebten Saison bei Zug steht und den Klub im Sommer in Richtung Lugano verlässt. "Wir machten nicht alles falsch, im zweiten und dritten Drittel waren wir ebenbürtig. Wir hatten unsere Chancen."

Suri sagte aber auch, dass seine Mannschaft zu Beginn nicht bereit gewesen ist: "Bern war frischer, wir hatten den Rhythmus und die Beine nicht. Wir mussten deshalb Strafen nehmen, kassierten gleich zwei Gegentore und rannten diesen dann die ganze Partie nach." So weit dürfe es gegen eine so starke Mannschaft wie Bern gar nicht erst nicht kommen.

Bern kehrte mehrmals zurück

Hoffnung schöpfen dürfen die Zuger, dass auch Bern in diesen Playoffs nach Rückschlägen (mehrmals) den Tritt wieder gefunden hat. "Wir müssen wieder einen Gang hochlegen können", so Suri. "Wenn uns dies gelingt, dann bin ich zuversichtlich. Es ist eine Challenge für uns, die wir aber gerne annehmen. Ich bin überzeugt, dass wir reagieren können."