NHL-Star John Tavares behauptet, Verteidiger Clarence Kparghai habe ihn im Spiel vom 22. Dezember gegen Biel gebissen (der SCB verlor 3:4 n.P.). Kparghai sagte, er habe nicht gebissen. SCB-Sportchef Sven Leuenberger lancierte mit einem Handy-Föteli der angeblichen Bissverletzung ein Verfahren bei Einzelrichter Reto Steinmann.

Der Einzelrichter hat Clarence Kparghai nun wegen unsportlichem Verhalten zu einer Busse von 900 Franken und zur Übernahme der Verfahrenskosten in der Höhe von 1250 Franken verdonnert.

Es gibt keine direkten Beweise und kein Geständnis. Ist dieses Urteil also der Kniefall des Einzelrichters vor dem NHL-Weltstar und Millionär weil dessen Wort mehr gilt als jenes eines einfachen Schweizer Verteidigers?

Reto Steinmann bestreitet diese Interpretation und erklärt, wie er zu diesem bemerkenswerten Urteil gekommen ist. Es gebe zwar tatsächlich keinen direkten Beweis (z.B. TV- oder Video-Bilder) dafür, dass Clarence Kparghai gebissen habe. Aber es gebe vier indirekte Beweise.

1. John Tavares haben bereits zehn Sekunden nach dem Vorfall Headschiedsrichter Stephane Rochette gesagt, er sei gebissen worden.

2. Der Gerichtsmediziner Dr. Rudolf Hauri hat die Verletzungen auf dem Handy-Föteli von SCB-Sportchef Sven Leuenberger als Bisswunden erkannt.

3. Jim Thorn, der Teamarzt Team Canada hat beim Spengler Cup die Wunde von John Tavares untersucht und ebenfalls als Bissverletzung taxiert.

4. Bei der Konfrontations-Einvernahme während des Spengler Cups, bei der Clarence Kparghai und John Tavares gemeinsam befragt wurden, habe Kparghai sinngemäss erklärt, seine Zähne könnten im Spiel gewesen sein ohne aber zu sagen, er habe gebissen.

Aufgrund dieser vier indirekten Beweise ist der Einzelrichter zum Schluss gekommen, dass der unbedeutende Bieler Verteidiger Clarence Kparghai den grossen NHL-Star und Multimillionär John Tavares gebissen habe.

Eigentlich hätte Reto Steinmann Biels Verteidiger sperren können - oder, wenn er zum Schluss kommt, dass gebissen worden ist, sperren müssen. Aber nun kommt noch etwas ins Spiel: Notwehr.

John Tavares hat nämlich Clarence Kparghai in den Schwitzkasten genommen und damit hatte Clarence Kparghai das Recht, sich zu wehren. Der Biss ist daher juristisch eine Notwehr und so müsste der Bieler eigentlich freigesprochen werden. Aber eine Notwehr muss angemessen sein. Clarence Kparghai hätte sich beispielsweise angemessen mit den Händen oder Füssen wehren können, die er noch frei hatte. Der Einzelrichter taxiert den Biss in dieser Situation als sog. «Notwehrexzess». Also als übertriebene Notwehr. Deshalb wird Clarence Kparghai doch bestraft. Nicht mit einer Sperre, sondern eben mit der saftigen Busse von 900 Franken und der Übernahme der Verfahrenskosten in der Höhe von 1250 Franken. Diese Kosten sind wegen des Gutachtens von Dr. Hauri so hoch.

Teamarzt Dr. Jim Thorn hat übrigens noch während des Spengler Cups aufgrund der von ihm festgestellten Bissverletzung John Tavares gegen Starrkrampf geimpft.