Bern und Biel treffen zum vierten Mal in den Playoffs aufeinander. Die ersten drei Duelle entschied allesamt der SCB für sich - zuletzt 2017 im Viertelfinal mit 4:1 Siegen. Zwar ist der 15-fache Schweizer Meister auch diesmal zu favorisieren, die Seeländer sind allerdings deutlich weiter als vor zwei Jahren.

Ausserdem hinterliessen die Berner im Viertelfinal gegen Genève-Servette (4:2) einen zwiespältigen Eindruck. Zu denken geben muss ihnen insbesondere, dass sie gleich viermal einen 2:0-Vorsprung verspielt und so unnötig viel Energie verpufft haben. Vier Spiele gingen in die Verlängerung, das letzte war erst nach der Schweizer Rekordmarke von 117:43 Minuten entschieden. SCB-Sportchef Alex Chatelain sprach deshalb von einigen Baustellen, die es zu beheben gebe. Dazu gehören die "Special Teams". Im Powerplay brachte es der Qualifikationssieger lediglich auf eine Erfolgsquote von 9,09 Prozent, und auch das Boxplay war mit 73,68 Prozent ungenügend.

Positiv ist für die Berner, dass sie sich gegen Servette durchsetzten, obwohl viele Leistungsträger weit unter ihren Möglichkeiten blieben. Der Kanadier Andrew Ebbett beispielsweise verzeichnete in den sechs Partien gerademal einen Assist. Für sechs der 14 Tore zeichneten die nominellen Viertlinien-Stürmer Daniele Grassi und André Heim (je 3 Treffer) verantwortlich. Insofern gibt es beim SCB noch viel Raum zur Steigerung.

Das Berner Derby ist auch ein Duell zwischen den routinierten Torhütern Leonardo Genoni und Jonas Hiller. Beide überzeugten in den Viertelfinals mit Abwehrquoten von 94,49 respektive 94,38 Prozent. Zwar benötigen die Bieler einen starken Hiller, sie verfügen aber dank einer geschickten Transferpolitik auch sonst über viel Qualität und stehen nicht von ungefähr zum zweiten Mal in Folge im Halbfinal. Vom 29. September bis 20. November führten sie die Tabelle gar ununterbrochen an. Eine besondere Affiche ist es für den Bieler Trainer Anti Törmänen, der den SCB 2013 zum Meistertitel führte, ehe er in der darauffolgenden Saison am 22. November entlassen wurde. Er würde es dem ehemaligen Arbeitgeber nur allzu gerne heimzahlen.

Grössere Ausgeglichenheit beim EVZ

Zug und Lausanne spielten in den Playoffs noch nie gegeneinander. Die Waadtländer stehen nach dem 4:3 gegen die SCL Tigers zum ersten Mal überhaupt in der höchsten Spielklasse im Halbfinal. Es ist die logische Folge davon, dass sie dank dem amerikanischen Milliardär Ken Stickney über enorme finanzielle Möglichkeiten verfügen und sich in den letzten zwei Jahren mächtig verstärkt haben. Stickney will aus dem LHC nichts weniger als den besten Klub Europas machen.

Nimmt man die Qualifikation als Massstab, sind die Chancen der Lausanner auf den Finaleinzug gut, gewannen sie doch drei von vier Direktduellen gegen den EV Zug, der sonst einzig noch gegen die ZSC Lions eine negative Bilanz in dieser Saison aufweist. Dennoch spricht mehr für die Zentralschweizer, die Lugano im Viertelfinal 4:0 abgefertigt haben.

Das grösste Plus der Zuger ist die Ausgeglichenheit. Bei Lausanne hängt vieles von der Toplinie mit Joël Vermin, Dustin Jeffrey und Christoph Bertschy ab; das Trio zeichnete in der Serie gegen Langnau für zwölf der 22 Tore verantwortlich. Wie breit die Zuger aufgestellt sind, zeigt die Tatsache, dass Sven Senteler lediglich Center der vierten Linie ist, obwohl er in der Qualifikation 17 Tore und neun Assists erzielt hat. Insofern sagte EVZ-Trainer Dan Tangnes: "Wir haben verschiedene Spieler, die den Unterschied ausmachen können."

Tangnes verteilte die Einsatzzeit im Viertelfinal besser als sein Antipode bei Lausanne, Ville Peltonen. Das könnte umso mehr ins Gewicht fallen, als die Waadtländer drei Partien mehr in den Beinen haben als die Zuger. Findet beim EVZ auch noch Goalie Tobias Stephan, der ab der kommenden Saison für den LHC tätig ist, zur Topform, dürfte der Cupsieger nur schwer zu bezwingen sein.