Spengler-Cup
Bei Jokerit sitzt der grosse Star in der Teppichetage

Die finnische NHL-Legende Jari Kurri hat Jokerit Helsinki als General Manager bereits in der ersten KHL-Saison zum Spitzenteam gemacht.

Dean Fuss
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Gefragt: Jokerit Helsinkis General Manager Jari Kurri an der gestrigen Pressekonferenz in Davos.

Gefragt: Jokerit Helsinkis General Manager Jari Kurri an der gestrigen Pressekonferenz in Davos.

swiss-image.ch

54 Jahre ist er mittlerweile alt. Als kongenialer Partner von Wayne Gretzky hat er Legenden-Status erreicht. Die Rede ist von Jari Kurri. Insgesamt fünfmal durfte der Finne bei den Edmonton Oilers – die ersten vier Mal an der Seite von «The Great One» – den Stanley-Cup in die Höhe stemmen. Mit 1398 Punkten war er lange Zeit der erfolgreichste europäische Skorer in der NHL.

Aushängeschild Kurri

Ebendiese Skorerqualitäten fehlten Jokerit Helsinki, dessen Geschicke Kurri als General Manager leitet, gestern im zweiten Auftritt am Spengler-Cup. Nach der Niederlage gegen Servette müssen die Finnen heute Abend (20.15) den Viertelfinal gegen Team Canada, den Zweiten der Gruppe Cattini, bestreiten. Im Vorfeld des diesjährigen Spengler-Cups war Jokerit Helsinki als heisser Favorit auf den Titel gehandelt worden.

Dass dem so war, ist in erster Linie der Verdienst des charismatischen Kurri. Nach seinem Rücktritt 1998 und zwölf Jahren in verschiedenen Funktionen bei der finnischen Nationalmannschaft kehrte er im vergangenen Jahr als General Manager zu seinem Stammklub Jokerit Helsinki zurück. «Als man mich für das Projekt anfragte, war für mich sofort klar, dass ich diese Herausforderung annehmen werde», sagt Kurri.

Eine starke Debütsaison

Mit «Projekt» meint er die Etablierung von Jokerit in der Kontinental Hockey League (KHL), wo der Klub mit einem Budget zwischen 15 und 17 Millionen Euro seit dieser Saison spielt. Und wie: Jokerit liegt hinter CSKA Moskau und SKA St. Petersburg auf dem dritten Tabellenrang – hat sich als Spitzenteam etabliert. Die kritischen Stimmen, die nach Bekanntwerden der Angliederung Jokerits an die KHL in der Heimat aufgekommen waren, sind grösstenteils verstummt. Die Heimspiele in der Hartwall- Arena in der finnischen Hauptstadt normalerweise gut besucht.

«Wir spüren im ganzen Land grosse Unterstützung. Jokerit steht jetzt nicht mehr nur für Helsinki, sondern für Finnland.» Mit Jokerit ist ein erster Klub aus einer der zahlungskräftigeren europäischen Ligen ein Auslands-Engagement in der KHL eingegangen. Weil das ganz offensichtlich so gut funktioniert, stellt sich die Frage, wann die KHL Klubs aus weiteren Ligen wie Schweden, Deutschland oder der Schweiz hinzugewinnen kann. «Das ist aktuell kaum vorherzusehen. Aber wir sind natürlich stolz, wenn wir als gutes Beispiel dienen können», sagt Kurri.

Aussetzer mit italienischem Essen

Wie unberechenbar der Alltag im Eishockey sein kann, zeigt eine Episode aus Kurris Leben. Als er sich 1990 unmittelbar nach seinem fünften Stanley-Cup-Gewinn eine Auszeit von der NHL gönnen wollte, wäre er beinahe beim HC Lugano gelandet. Kurz vor der Unterschrift scheiterte der Transfer. Kurri wechselte stattdessen zu den Devils Milano. «Die Qualität des Eishockeys hatte in diesem Moment nicht Priorität», erinnert er sich an einen ganz offensichtlich angenehmen Winter mit «ausgedehnten Essen in Italien».

Hingegen spielt die Qualität für ihn heute sehr wohl eine Rolle. In der KHL kann nur bestehen, wer einen guten Job macht. Und das gelingt Kurri nun auch auf der Teppichetage.

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