Investoren aus dem kanadischen Winnipeg wollen die Atlanta Trashers kaufen, die finanziell am Abgrund stehen. Damit würde in der nächsten Saison aus dem Mutterland des Eishockeys ein siebtes NHL-Team um den Stanley Cup spielen. Die Winnipeg Jets spielten bereits von 1976 bis 1990 in der NHL. Dann wurden sie in einem Franchise-Deal in die Wüstenstadt nach Phoenix verkauft.

Noch ist der Deal aber nicht gefixt: Die Teambesitzer aller NHL-Vereine müssen dem Franchise-Deal, der bei den beiden betroffenen Teams bereits beschlossene Sache ist, noch zustimmen. Dies sollte grundsätzlich nur noch Formsache sein und wird am 21. Juni über die Bühne gehen.

In Kanada ist das NHL-Eishockey wieder im Aufschwung, nachdem man seit 1993 als Mutterland des Eishockeys die Erfolge jeweils den amerikanischen NHL-Teams überlassen musste. 1993 gewann zum letzten Mal ein kanadisches Team den Pott – die Montreal Canadiens. Nun schnuppern die Vancouver Canucks so nahe am Titel, wie noch nie in der Vereinsgeschichte: Sie führen im diesjährigen Final gegen die Boston Bruins mit 2:0 und benötigen nur noch zwei Siege.

Ausverkauftes Stadion für die nächsten drei bis fünf Jahre

Doch noch viel wichtiger und mehr zu diskutieren gibt tatsächlich der Franchise-Deal zwischen Atlanta und Winnipeg. Denn Stanley-Cup-Champion kann man schliesslich jedes Jahr werden, so die Meinung vieler Kanadier. Wird Kanada hingegen um ein neues NHL-Team bereichert, dann ist das der grösste Erfolg für das Mutterland des Eishockeys in den letzten beiden Jahrzehnten.

Dass Winnipeg definitiv wieder NHL-Eishockey will, hat das vergangene Wochenende gezeigt: Gerade mal 17 Minuten dauerte es, da waren in Winnipeg alle angebotenen 13000 Saisonkarten für die Saison 2011/12 abgesetzt worden.

Noch mehr: In weiteren 90 Minuten wurden über 8000 Fans auf eine Warteliste gesetzt, die ebenfalls noch eine Saisonkarte haben möchten. «Eigentlich haben wir für die nächsten drei bis fünf Jahren ein ausverkauftes Haus in Winnipeg», sagte Jim Ludlow von der Winnipeg-Organisation stolz gegenüber nhl.com. «Die Leidenschaft für NHL-Hockey kann kaum mehr übertroffen werden», sagt er weiter.

Übernahme kommt für NHL gelegen

Dieser rekordverdächtige Saisonkarten-Verkauf ist auch eine Bestätigung der kanadischen Hockeyfans gegenüber der NHL-Organisation. Denn seit Jahren ist NHL-Commissioner Gary Bettman Fan und Förderer von NHL-Eishockey in amerikanischen Wüstenstädten wie Phoenix oder Florida. Doch genau diese Vereine stehen nun finanziell am Abgrund und sind marode.

Die NHL konnte erst kürzlich mit dem amerikanischen TV-Anbieter Comcast einen exklusiven TV-Vertrag über 10 Jahre abschliessen. Dieser bringt der NHL zwei Milliarden Dollar ein. Bettman musste für den Abschluss dieses Vertrages beim TV-Anbieter die Abdeckung der NHL von Ost nach West und Nord nach Süd vorgaukeln. Da kommt ein Teamwechsel nach Kanada für die NHL gelegen.

Am 21. Juni entscheiden die NHL-Vereine über die Übernahme Winnipegs. Bis dann hat Kanada zum ersten Mal nach 18 Jahren (!) ohne Stanley-Cup-Titel wieder einmal die Chance, den Kübel zu holen. Stanley-Cup-Sieger aus Kanada sowie ein neues Team in Kanada. Ein derweil positiver Schritt im Mutterland des Eishockeys im Machtkampf mit den Vereinigten Staaten.