NHL
Aufregende Tage fürs Schweizer Eishockey: Streit holt den Stanley Cup, Hischier beim NHL-Draft als Topkandiat

Am Wochenende hat Mark Streit als erster Schweizer Feldspieler den Stanley Cup gewonnen und beim NHL-Draft könnte Nico Hischier gar die Nummer eins werden. Die Schweizer sorgen in der besten Eishockey-Liga für Wirbel.

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
Drucken
Teilen

Zugegeben: Es fällt schwer, angesichts von 30 Grad und Dauersonnenschein an Eishockey zu denken. Und doch kommt man dieser Tage nicht darum herum, sich mit dem spektakulären Sport auf der rutschigen Unterlage auseinanderzusetzen. Zu positiv sind die Eindrücke, welche uns in den letzten Wochen aus Übersee, aus der NHL erreicht haben. Zu verlockend sind die Aussichten selbst jetzt, da mit dem Abschluss der Stanley-Cup-Finals und dem Triumph der Pittsburgh Penguins das sportliche Geschehen auf dem Eis für ein paar Wochen ruht.

Blicken wir zuerst zurück. Dass im Stanley-Cup-Final zwischen Pittsburgh und den Nashville Predators vier Schweizer Spieler (mehr oder weniger) involviert waren, ist ausserordentlich. Mark Streit durfte zwar nur in drei von insgesamt 25 Playoff-Spielen der Penguins auflaufen. Das war für ihn, den 40-jährigen NHL-Veteranen, einerseits unglaublich schwierig. Auf der anderen Seite hatte er das Privileg, als erster Schweizer Feldspieler den begehrten Stanley-Cup in die Höhe stemmen zu dürfen.

Pittsburgh gewinnt das Final gegen Nashville und holt sich den Stanley Cup.
5 Bilder
Mark Streit ist der dritte Schweizer Stanley-Cup-Sieger.

Pittsburgh gewinnt das Final gegen Nashville und holt sich den Stanley Cup.

Keystone

Und Streit kam nicht etwa als 25. Spieler, so wie es ungefähr der Hierarchie auf dem Eis entsprochen hätte, dran, mit dem riesigen Pokal eine Ehrenrunde drehen zu dürfen. Er durfte ihn bereits als vierter Pittsburgh-Crack in Empfang nehmen. Das ist ein Zeichen grosser Wertschätzung. Wer sich auch in der undankbaren Rolle als Ersatzmann so professionell verhält wie Streit, der erntet in der nordamerikanischen Eishockey-Kultur automatisch Anerkennung.

Auch deshalb ist dieser Stanley-Cup-Triumph ein Meilenstein in der grossen Karriere dieses Schweizer NHL-Pioniers – ungeachtet seines sportlich minimen Einflusses. Bleibt zu hoffen, dass die Penguins nun noch Mittel und Wege finden, dass Streits Name auch auf dem Pokal eingraviert wird – obwohl er die Voraussetzungen (41 Quali-Spiele für Pittsburgh oder mindestens ein Einsatz in der Finalserie) nicht erfüllt hat.

Roman Josi und der ultimative Weltklasse-Beweis

Mit Nashville bestätigte Roman Josi während der Playoffs, dass er zu den fünf besten Verteidigern der Welt gehört. Nicht, dass es darob vorher grosse Zweifel gegeben hätte. Aber die Tatsache, dass er in der entscheidenden und härtesten Meisterschaftsphase der besten Liga der Welt ebenfalls eine prägende Rolle spielte, war so etwas wie der ultimative Beweis für das ausserordentliche Talent Josis, der nach dem verlorenen Stanley-Cup-Final selbstredend untröstlich war.

Yannick Weber ist weitaus weniger talentiert als sein Berner Verteidigerkollege bei den Predators. Doch der zweite Schweizer, der bei Nashville regelmässig zum Einsatz kam, bewies, was man mit unbändigem Willen und Einsatz erreichen kann. Für Weber waren diese Playoffs eine eigentliche «Coming-out-Party». Er wurde in der breiten Öffentlichkeit als zuverlässiger Arbeiter wahrgenommen und wird deshalb keine Mühe haben, im Sommer einen neuen NHL-Arbeitgeber zu finden – wenn er in Nashville keinen neuen Vertrag unterschreibt.

Kevin Fiala hätte, wenn er sich nicht im Viertelfinal schwer verletzt hätte, sicher auch im weiteren Verlauf der Playoffs eine wichtige Rolle im Sturm der Predators spielen können. Vielleicht war es gerade der Spielwitz, die Frechheit und der Mut Fialas, welcher Nashville in den letzten beiden Finalspielen (0:6, 0:2) in der Offensive gefehlt hat. Fiala gehört jedenfalls zu der Generation von Schweizer Stürmern, die in der NHL in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen können. Zusammen mit Nino Niederreiter (Minnesota), Sven Bärtschi (Vancouver), Denis Malgin (Florida), Timo Meier (San Jose) und natürlich Nico Hischier.

Von Streit zu Hischier: der Kreis schliesst sich

Ja, Nico Hischier. Das Walliser Supertalent könnte in knapp zwei Wochen bereits für das nächste Highlight für das Schweizer Eishockey sorgen. Die Chancen stehen sehr gut, dass der 18-Jährige bei der NHL-Talentziehung in Chicago als erster Schweizer überhaupt an erster Stelle ausgewählt wird.

Es wäre ein echter Meilenstein und würde das hiesige Eishockey-Schaffen auf ein neues Level heben. Man kann schon fast sagen, dass sich dieser Tage der Kreis schliesst für das Schweizer Eishockey. Was um die Jahrtausendwende begann mit Pionier Streit, der sich als erster Schweizer Feldspieler in der NHL durchsetzte und nun als erster Schweizer Feldspieler den Stanley-Cup gewann, könnte mit Hischiers Nummer-Eins-Draft gekrönt werden.

Der Sommer steht an. Das Eis schmilzt. Aber cool bleiben, fällt angesichts all dieser positiven Entwicklungen schwer. Der Eishockey-Saisonstart kann nicht früh genug kommen.

Aktuelle Nachrichten