Nashvilles Roman Josi dürfte in der Nacht auf Freitag in Phoenix nach überstandener Gehirnerschütterung wieder in den NHL-Spielbetrieb eingreifen. Zum selben Zeitpunkt geht das Warten höchstwahrscheinlich auch für den nächsten Schweizer Nationalverteidiger in der besten Eishockey-Liga der Welt zu Ende: Luca Sbisa. Der 23-Jährige kehrt nach einer hartnäckigen Bänderverletzung am Fuss entweder am Freitag (1 Uhr MEZ) in Boston oder am Sonntag (1 Uhr) in Buffalo in die Mannschaft der Ducks zurück. In Philadelphia, wo die Ducks in der Nacht auf gestern spielten, konnte er erstmals wieder richtig mit dem Team trainieren. Seine Bilanz fiel zwiespältig aus: «Der Fuss fühlt sich einigermassen gut an. Aber ich merke, dass ich seit Ewigkeiten keinen Ernstkampf mehr bestritten habe. Ich fühle mich noch ein wenig eingerostet und muss erst wieder den Rhythmus finden.»

Ein paar Tage, zwei, sechs Wochen

Ähnlich wie bei Roman Josi kamen die letzten Wochen auch für Luca Sbisa einer Geduldsprobe gleich. Während Josi nach seiner Verletzung «nur» drei Wochen pausieren musste, dauerte die Leidensgeschichte des Zugers in Diensten Anaheims doppelt so lange. Und kam in diesem Ausmass viel unerwarteter. Sbisa verletzte sich im allerersten Vorbereitungsspiel der Ducks Mitte September nach einer Verkettung unglücklicher Bewegungen am linken Fuss. Was zuerst nach einem harmlosen «Übertreten» aussah, erwies sich einige schmerzhafte Stunden und eine gründliche Untersuchung später als gerissenes Syndesmose-Band. Aus ursprünglich ein paar Tagen wurden erst zwei Wochen, später dann sechs Wochen Zwangspause.

«Es gibt für einen Eishockeyspieler kaum eine schlimmere Verletzung», erklärt Luca Sbisa. «Und zwar deshalb, weil der verletzte Teil des Fusses genau in dem Bereich des Schlittschuhs liegt, der starr ist. Da tut jede Bewegung höllisch weh.» Die ersten «Gehversuche» auf dem Eis waren nach wenigen Sekunden wieder zu Ende, so wie es ihm die Teamkollegen, die bereits Erfahrungen mit dieser Verletzung gemacht hatten, prophezeit haben. «Ich wollte das natürlich nicht wahrhaben. Aber der erste Schritt hat sich so angefühlt, als ob Dir jemand in den Fuss geschossen hat.» Sbisa sagt, dass es eigentlich bessere gewesen wäre, wenn der Knöchel «glatt gebrochen» wäre. «Da weiss man, dass man sechs Wochen ausfällt, dafür aber nachher wieder schmerzfrei spielen kann.» Nicht so bei seiner aktuellen Verletzung. «Auch wenn ich wieder im Einsatz stehe, werde ich die Blessur noch lange spüren. Und werde den Fuss auch immer tapen müssen.»

Luca Sbisa gilt in der NHL als harter Junge.

Luca Sbisa ist – Schmerzen hin oder her – nun aber einfach froh, dass er endlich wieder ins Geschehen eingreifen darf. Beim Gastspiel der Ducks in Philadelphia sass er dort, wo er während des insgesamt zwei Wochen dauernden Roadtrips Anaheims bisher immer sass: Weit oben auf der Pressetribüne, elegant gekleidet mit Anzug und Krawatte – und weit entfernt vom Spielgeschehen. Tröstlich war aus seiner Sicht bisher zumindest die Tatsache, dass die Mannschaft auch ohne ihn erfolgreich spielt. Wie beim 3:2-Sieg bei den Flyers. «Wenn ich hätte zuschauen müssen, wie wir ein Spiel nach dem anderen verlieren, dann wäre das noch viel härter gewesen», sagt Sbisa. Angst, dass er seinen Stammplatz innerhalb der derzeit so gut funktionierenden Truppe verloren hat, hat er keine. Auch wenn mit dem Finnen Sami Vatanen (22) und dem Schweden Hampus Lindholm (19) zwei aufstrebende Jünglinge erfolgreich in die Bresche gesprungen sind. Mit dem für ihn typischen Selbstbewusstsein wischt Sbisa solche Bedenken lächelnd weg und sagt: «Ich habe meinen Platz in dieser Mannschaft. Und ich möchte die Ziele erreichen, die mir das Trainerteam vor der Saison gesetzt hat». Will heissen: Sbisa soll in der Ducks-Defensive eine tragende Rolle als Verteidiger Nummer eins oder zwei spielen.

Volle Energietanks für lange Saison

Auch wenn der kräftige Innerschweizer mit italienischen Wurzeln primär seinen ersten Meisterschaftseinsatz herbeisehnt, hat er auch den weiteren Saisonverlauf im Blickfeld. Und denkt, dass ihm seine Verletzung letztlich vielleicht sogar zugute kommen wird, weil die Energietanks länger voll sind. Denn da sind nicht nur die immer noch verbleibenden, knapp 70 Qualifikationsspiele mit den Ducks, sondern – wenn es alles nach Plan läuft – die Olympischen Spiele in Sotschi und «hoffentlich möglichst lange Playoffs», wie Sbisa lächelnd bemerkt. Er möchte dabei eine tragende Rolle spielen – auch wenn der Fuss schmerzt.