Spengler Cup
Arno Del Curto einfach nur ein Hockey-Trainer? Nein, er ist viel mehr: Komponist, Dirigent, Rockstar

Er wird beim Spengler Cup in den nächsten Tagen der meistinterviewte und -abgebildete Schweizer sein. Eine Annäherung an Davos-Kulttrainer Arno Del Curto (60), die charismatischste Persönlichkeit unseres Hockeys.

Klaus Zaugg
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HCD-Trainer Arno Del Curto ist immer mit vollem Einsatz dabei

HCD-Trainer Arno Del Curto ist immer mit vollem Einsatz dabei

Keystone

Wer ist Arno Del Curto? Ein Eishockeytrainer mit abgeschlossener kaufmännischer Lehre natürlich. Doch er ist auch schon als Rocker, Therapeut, Seher, Freund, Berater, Motivator, Bandengeneral, Stratege, Antreiber, Sozialromantiker, Motivator, Feuerkopf, Ausbildner oder Rebell bezeichnet worden. Was nun? Am ehesten werden ihm die Bezeichnungen Komponist, Dirigent und Rockstar gerecht.

Der Rockstar

Arno Del Curto weigert sich, älter zu werden. Er steht vor dem Stadion und ist soeben gefragt worden, ob er mit 60 eigentlich noch genug Energie für diesen Beruf habe, der doch bedingt, Rocker, Therapeut, Seher, Freund, Berater, Motivator, Bandengeneral, Stratege, Antreiber, Sozialromantiker, Motivator, Feuerkopf, Ausbildner oder Rebell zu sein.

Wie so oft, wenn er provoziert wird, spricht Arno Del Curto von sich in der dritten Person. «Niemand stellt Arno diese Frage! Niemand! Niemand! Niemand! Ich kann nichts dafür, aber ich habe immer noch Energie, als ob ich zwanzig wäre. Wenn mir befohlen wird, da hinaufzurennen» – er blickt nach oben Richtung Schatzalp, die 440 Meter höher liegt – «dann renne ich sofort hinauf und ich werde nicht zusammenbrechen.» Der «ewige» HCD-Trainer fasziniert auch in seiner 21. Saison durch seine Energie und seine Präsenz. Er lebt bedingungslos im Augenblick. Er ruht und rastet nicht und tigert in Davos seit 1996 über die Bühne. Eine Ewigkeit. Wie Mick Jagger. Wie ein Rockstar.

Der Komponist

Arno Del Curto sagt, manchmal könne er nicht einschlafen. Dann setze er sich vor den Computer und sehe sich ein Konzert von ... Leonard Bernstein an. Ein Hockeytrainer und der weltberühmte Pianist, Komponist und Dirigent? Geht das? Ja. Wir können Leonard Bernstein sogar als den Arno Del Curto der klassischen Musik bezeichnen. Der HCDTrainer spürt eine Seelenverwandtschaft mit dem grossen amerikanischen Impresario. Del Curto sagt, ein Spieler sei erst perfekt, wenn er Hockey ganzheitlich denke. Nur dann sei es möglich, das schnelle, präzise, «totale» Hockey zu spielen.

«Ah, diese Leidenschaft, die bei Bernstein zu spüren ist. Zu sehen, wie er und seine Musiker zu einer Einheit verschmelzen und seine Musik leben und nicht bloss spielen, ist so faszinierend.» Arno Del Curto kopiert nicht einfach Spielsysteme, die andere vor ihm schon eingeübt haben. Taktisches Playback ist nicht seine Sache. Es geht ihm um das perfekte Spiel und weil diese Perfektion unerreichbar bleibt, ist er ein ewig Suchender. Ein Mann auf einer Mission, die nie endet. Er ist dazu verurteilt, das Spiel immer wieder neu zu komponieren.

Der Dirigent

Arno Del Curto sagt, der HCD werde nur ein weiteres Mal Meister, wenn es gelinge, eine neue Stufe der Schnelligkeit und der Präzision zu erreichen. Seit seinem Amtsantritt im Sommer 1996 lässt er Kondition bolzen und hat eine Hockey-Dauerrenner-Kavallerie geformt, die ihre Gegner in den besten Zeiten förmlich unters Eis geritten hat. Inzwischen hat die Konkurrenz konditionell nachgerüstet und lässt sich von Arnos Tempo-Kavallerie nicht mehr einfach über den Haufen rennen. Und vor allem fehlt ihm ein grosser «Reitergeneral» der das wilde Spektakel auf dem Eis zu lenken vermag. Ein Dirigent. Ein neuer Reto von Arx oder Sandro Rizzi.

Also muss Arno Del Curto selber dirigieren. Er geht durch die Kabine. «Ein neuer Reto von Arx? Nein, ich sehe keinen.» Er schreitet die Spielerkästchen ab, sagt die Namen halblaut zu sich selbst. «Enzo Corvi? Nein. Marc Wieser? Nein. Samuel Walser? Nein.» So geht das rundherum und der HCD-Trainer redet sich langsam wieder ins Feuer. «Nein, nein, nein, kein neuer Reto von Arx.» Er macht niemandem einen Vorwurf. Er mag seine Jungs. Er sucht keine Ausreden. Er liefert Erklärungen. «Wir leben in einer anderen Zeit. Ich muss meine Anweisungen ständig wiederholen. Immer wieder. Sie hören einfach nicht mehr zu wie früher.» Kaum habe er seinen Vortrag beendet, wende sich jeder wieder anderen Dingen zu. Ja, es ist nicht einfach, in der neuen Zeit ein Dirigent zu sein und das wilde, junge HCD-Orchester so zu dirigieren, dass es nicht aus dem Takt fällt.

Arno Del Curto rockt, komponiert und dirigiert. Es ist nicht die Frage ob, sondern nur wann der HCD wieder Meister wird. Aber für einen weiteren Sieg am Spengler Cup reicht es heuer wohl noch nicht.

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