Eishockey

Ambri will im «Polka-Stil» in die Playoffs vorstossen

Ersatzausländer Markus Nordlonder (Nr.80) ist Ambris neuer Verteidigungsminister.

Ersatzausländer Markus Nordlonder (Nr.80) ist Ambris neuer Verteidigungsminister.

Wie der neue Trainer Hans Kossmann versucht, mit einem Stilwechsel aus Ambri einen Playoff-Kandidaten zu machen. Verteidiger wie Markus Nordlund sollen zu Schlüsselspielern avancieren.

Manchmal hilft ein Trainerwechsel. Der neue Trainer Hans Kossmann ist drauf und dran, Ambris grösstes, Ambris ewiges Problem zu lösen. Er hat nicht einfach die Mannschaft umgestellt. Er verändert die Spielphilosophie. Ambri hatte – mit Ausnahme der «Belle Epoque» um die Jahrhundertwende mit dem Qualifikationssieg und der verlorenen Finalissima von 1999 gegen Lugano – nie spielerisch grosse Mannschaften. Grosse Einzelspieler hingegen schon. Von Andy Bathgate bis Inti Pestoni. Nicht Talent macht Ambri aus. Sondern Leidenschaft und Wille.

Ambri siegt im «Polka-Stil»

Deshalb ist Ambri dazu verurteilt, im «Polka-Stil» zu siegen. Will hiessen: Vollgas vorwärts. Die Polka ist ein Rundtanz im schnellen Zweivierteltakt. Eine Polka kann nicht langsam gespielt werden. So wie Carlo Brunner, Hans Muff und Jost Ribary durch rassige Melodien und nicht als Blueser berühmt geworden sind, so steht Ambri für emotionales Vorwärtsspiel und nicht für rationelles Resultat-Hockey.

Aber bei 50 Qualifikationsspielen, bei einem Modus mit zwei Runden in zwei Tagen, hat niemand mehr die Energie, um mit wildem «Puckeroberungshockey» fehlendes Talent während einer ganzen Saison zu kompensieren. Wer die Playoffs schaffen will, muss dazu in der Lage sein, auch mal berechnendes, taktisches Hockey zu spielen. Nicht immer Polka. Nicht immer Vollgas. Die Voraussetzung dazu: Disziplin, Konzentration, Spielorganisation, funktionierendes Box- und Powerplay sowie die Reduktion der Fehler und Missverständnisse. Was in einem so schnellen, auf einer glatten Unterlage ausgetragenen Spiel wie Eishockey schwierig ist. Auch deshalb rutschen die Trainer in Ambri immer wieder aus.

Hans Kossmann ist ein Anhänger des taktischen Hockeys. Des strukturierten, disziplinierten Spiels. Freihändige Offensive mag er nicht. Lieber langweilig siegen als wild und dramatisch verlieren. Er ist daran, Ambri nach und nach zu verändern und taktisch schlauzumachen.

Vier von sechs Spielen hat er gewonnen, zuletzt hintereinander in der Valascia gegen Langnau (4:2), Lausanne (4:1) und Biel (2.1). Und dabei hat die Mannschaft erstaunliches taktisches Hockey gespielt. Hans Kossmann sagt: «Wir haben gegen ein starkes Lausanne gewonnen, weil wir taktisch erstmals ebenso diszipliniert waren wie der Gegner. Gegen Biel waren wir in diesem Bereich noch besser und deshalb ist es uns gelungen, den Sieg über die Zeit zu retten.» Ja, das 2:1 gegen Biel war geradezu ein taktisches Meisterstück. Ambris taktische Fortschritte sind offensichtlich und erstaunlich.

Verteidiger als Schlüsselspieler

Grosse Teams wie die ZSC Lions, Davos oder Zug hält Ambri so nur in Ausnahmefällen im Schach – aber in den letzten Partien hat sich gezeigt, dass die Gegner aus der zweiten Tabellenhälfte mit taktischer Schlauheit besiegt werden können. Eine zentrale Funktion bei der Spielorganisation haben die Verteidiger. Deshalb wird Sportchef Ivano Zanatta den vorerst bis Jahresende abgeschlossenen Vertrag mit Ersatzausländer Markus Nordlund (30) bis Saisonende verlängern. Der sanfte schwedische Riese war gegen Biel ein grosser Verteidigungsminister.

Hans Kossmann sagt: «Wir haben jetzt sechs Ausländer. So viele brauchen wir, wenn wir die Playoffs erreichen wollen. Wir können es uns nicht leisten, einzelne Partien nur mit drei Ausländern zu spielen, weil einer verletzt ausgefallen ist.»

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