Eishockey-WM 2017

2:3 nach Verlängerung gegen Finnland: Trotzdem ist die Schweiz nahe an den Viertelfinals dran

Das Schweizer Nationalteam verliert an der WM in Paris das Spiel gegen Finnland nach einer 2:0-Führung noch mit 2:3 nach Verlängerung. Der Einzug in den Viertelfinal ist aber nahe.

Die Schweiz verlor zwar gestern gegen Finnland nach einer 2:0-Führung noch mit 2:3 nach Verlängerung. Eine ärgerliche Niederlage. Doch der Schmerz des Punktverlusts wurde gedämpft. Denn dank des sensationellen 3:2-Siegs gegen Kanada (ebenfalls nach Verlängerung) vom Samstag dürfen die Eisgenossen unter normalen Voraussetzungen mit dem Einzug in die Viertelfinals rechnen. Normal heisst: Wenn Norwegen das heutige Duell gegen Kanada (16.15 Uhr) verliert, dann ist den Schweizern der Platz unter den Top 4 nicht mehr zu nehmen. Und selbst wenn die Norweger eine Sensation schaffen sollten, dann würde den Schweizern im letzten Vorrundenspiel gegen Tschechien (Dienstag, 16.15 Uhr) ein Punkt reichen, während die Norweger auch noch die Weissrussen besiegen müssten. Kurz: Es müsste also schon sehr viel schieflaufen, dass die Eisgenossen am kommenden Donnerstag nicht um den Einzug in die Halbfinals spielen dürfen.

Die Emanzipation Fischers

In Paris wurde man an diesem Wochenende Zeuge der Emanzipation von Patrick Fischer. Der Triumph gegen Kanada war eine Art Befreiungsschlag für einen Mann, dem von verschiedenen Seiten immer wieder die Qualität abgesprochen wurde, ein fähiger (National-)Trainer zu sein. Er schaffte es, seinen Kritikern, die auch jetzt wieder Gewehr bei Fuss standen, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Fischer hat bewiesen, dass er und sein (umfangreicher) Staff in der Lage sind, diese Mannschaft im kommenden Februar auch an die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang zu führen.

Switzerland - Finland | Highlights | #IIHFWorlds 2017

Die Highlights des Spiels im Video

Wie es ihm gelang, die Mannschaft nach dem alles anderen als optimalen Start mit dem ärgerlichen Punktverlust gegen Aufsteiger Slowenien (5:4 nach Penaltyschiessen nach 4:0-Führung) wieder auf Kurs zu bringen, verdient grossen Respekt. Er hat es geschafft, in dieser kritischen Phase die Ruhe zu bewahren. Sein Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Mannschaft blieb unerschüttert. Dennoch hat er sich nicht davor gescheut, den einen oder anderen Wechsel vorzunehmen. Sein Coaching war flexibel. Schwachstellen versuchte er mit Personalrochaden auszumerzen. Gegen die physisch starken Kanadier musste der einzige NHL-Spieler im Team der Schweizer, Denis Malgin, zuschauen. Dafür durfte Fabrice Herzog endlich als «regulärer» Stürmer ran und dankte das Vertrauen des Trainers mit zwei herrlichen Treffern gegen die Kanadier. Darunter auch das Traumtor in der Verlängerung zum 3:2.

Sowieso war das Spiel gegen die Kanadier so etwas wie die «Coming-Out-Party» der Schweizer. Sie zeigten ihr wahres Gesicht. Wie sie sich nach dem schlechten Start und dem frühen 0:2-Rückstand wieder zu sammeln vermochte und nicht komplett auseinanderfiel, spricht für den «guten Charakter der Mannschaft», wie es Patrick Fischer bezeichnet. Guter Charakter deshalb, weil die Spieler immer an ihre Chance glauben. Sicher: Unter anderen Umständen hätten die Eisgenossen gegen Kanada auch eine Kanterniederlage kassieren können. Aber auf so ärgerliche Art und Weise sie gegen Slowenien und auch Frankreich (3:4 nach Penaltyschiessen nach 3:2-Führung) Punkte verschenkten, so sehr verdienten sie sich den Coup gegen die Kanadier mit ihrer optimistischen Spielweise.

Neben Patrick Fischer und Fabrice Herzog, diesem kräftigen ZSC-Stürmer mit dem tollen Schuss, gehörte auch Leonardo Genoni zum grossen Gewinner des Wochenendes. Nicht, dass seine Fähigkeiten als Goalie jemals angezweifelt worden wären. Aber Genoni und die Nationalmannschaft, das war bisher eine Beziehung, die nie so richtig funktionieren wollte. In Paris ist er nun erstmals die unumstrittene Nummer Eins. Gegen Kanada lieferte er unter schwierigen Bedingungen sein Meisterstück ab. Er kam in der 7. Minute für den unglücklichen Jonas Hiller ins Spiel und «schloss fortan die Türe», wie es Kanadas Trainer Jon Cooper treffend ausdrückte.

Déjà-vu der negativen Sorte

Gegen die Finnen erlebten die Schweizer ein Déjà-vu der negativen Sorte. Diesmal gingen sie früh mit 2:0 in Führung. Diesmal wechselte der Gegner den Goalie früh aus. Und diesmal verloren sie nach Verlängerung. Aber Fakt ist auch, dass die Fischer-Truppe auch nach ihrem sechsten Vorrundenspiel nach 60 Minuten ungeschlagen ist. Auf diese Konstanz hätte vor dem WM-Turnier kaum jemand gewettet. Und diese Konstanz verleiht auch die Hoffnung, dass die Mission dieses Teams nicht zwingend schon am kommenden Donnerstag zu Ende sein muss. Die Schweizer und ihr Trainer haben in den letzten acht Tagen bewiesen, dass man sie ernst nehmen muss. Endgültig.

Telegramm:

Schweiz - Finnland 2:3 (2:1, 0:0, 0:1, 0:1) n.V.

Paris. - 10'860 Zuschauer. - SR Gofman/Öhlund (RUS/SWE), Dedjulja/Suchanek (BLR/CZE). - Tore: 5. Herzog (Richard, Untersander) 1:0. 11. Genazzi (Loeffel) 2:0. 20. (19:01) Hietanen (Savinainen, Aho/Ausschluss Ambühl) 2:1. 48. Rantanen (Ville Lajunen, Aho/Ausschluss Diaz) 2:2. 63. Filppula (Savinainen, Hietanen) 2:3. - Strafen: 5mal 2 plus 10 Minuten (Ambühl) gegen die Schweiz, 6mal 2 Minuten gegen Finnland.

Schweiz: Genoni; Diaz, Furrer; Untersander, Kukan; Loeffel, Genazzi; Marti; Praplan, Haas, Hollenstein; Rüfenacht, Almond, Schäppi; Ambühl, Malgin, Suter; Herzog, Richard, Bodenmann; Suri.

Finnland: Korpisalo/Säteri (ab 11.); Honka, Ohtamaa; Jaakola, Ville Lajunen; Hietanen, Lehtonen; Kukkonen, Järvinen; Hännikäinen, Jani Lajunen, Osala; Aho, Filppula, Rantanen; Pyörälä, Kemppainen, Aaltonen; Pihlström, Sallinen, Savinainen.

Bemerkungen: Schweiz ohne Hiller (angeschlagen) Schlumpf, Brunner (beide überzählig) und Schlegel (Ersatzgoalie). - Furrer zu Beginn des zweiten Drittels ausgeschieden. - 62. Pfostenschuss Rantanen. - Schweiz 27 (13-8-6-0); Finnland 27 (4-13-9-1). - Powerplay-Ausbeute: Schweiz 0/4; Finnland 2/4.

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