Eishockey-WM
Die unheimliche Leichtigkeit des Siegens

So einfach, wahr und klar haben die Schweizer auf diesem Niveau noch nicht oft gewonnen. Dank des 6:0 an der WM gegen ein völlig chancenloses Weissrussland ist man weiterhin auf Viertelfinalkurs.

Klaus Zaugg
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Die Schweizer bei der Hymne nach dem 6:0-Sieg gegen Weissrussland.

Die Schweizer bei der Hymne nach dem 6:0-Sieg gegen Weissrussland.

Freshfocus

Sogar bei den offensiven Festspielen gegen die Slowakei (8:1) ging es nicht so zügig voran. Das 1:0 fällt gegen die Slowaken erst nach 9:47 Minuten und nach dem ersten Drittel steht es bloss 1:0. Gegen die Weissrussen erzielt Christoph Bertschy hingegen bereits nach 36 Sekunden das 1:0 und schon in der ersten Pause gibt es keine Zweifel am Ausgang der Partie: Die Schweizer führen 2:0.

Der Sieg wird mit einer schier unheimlichen Selbstverständlichkeit eingefahren. Um es etwas poetischer zu formulieren: Es ist eine unheimliche Leichtigkeit des Siegens.

Starkes Quartett, Fragezeichen bei Torhütern

Die Schweizer werden von Patrick Fischer so gut gecoacht, dass die Gefahr eines Schwindelanfalles infolge Höhenfluges minimal ist. Zu keinem Zeitpunkt sind seine Spieler bisher in Riga überheblich oder arrogant aufgetreten. Ganz im Gegenteil. Sie erwecken mit ihrem Auftreten den Eindruck einer verschworenen Gemeinschaft auf einer Mission. Sie sind konzentriert bei der Sache. Sie lassen sich nicht einschüchtern und setzen sich auch durch, wenn es mal rumpelt. Inzwischen ist ihnen gegen Weissrussland sogar ein Tor in Unterzahl gelungen (zum 6:0).

Die Schweizer sind offensiv eher spektakulärer als die Silberteams von 2013 und 2018. Über vier Linien zumindest nominell eher besser besetzt. Aber Dänemark hat nur einen Treffer zugelassen, Schweden gar keinen. Die bange Frage ist also, ob uns die Gegner auf dem Weg weiter nach oben zu stoppen vermögen, wenn es gelingt, beispielsweise Nico Hischier, Grégory Hofmann, Sven Andrighetto und Timo Meier weitgehend zu neutralisieren. Das Quartett hat 12 der bisher 21 Treffer erzielt. Vier von zwölf Stürmern für die Hälfte der Tore.

Die Torhüter Reto Berra und Leonardo Genoni haben je ein Spiel ohne Gegentreffer überstanden. Berra gegen Dänemark, Genoni nun gegen Weissrussland. Aber es waren eher sturmschwache Gegner: Berra musste gegen Dänemark nur vier Schüsse abwehren und Genoni gegen Weissrussland 20. Ohne Bosheit können wir von der schier unheimlichen Leichtigkeit des Shutouts sprechen. Wir haben gefühlt noch kein Spiel vor allem dank des Goalies gewonnen. Wer ist nun besser? Reto Berra oder Leonardo Genoni?

Reto Berra im Schweizer Tor gegen Russland.

Reto Berra im Schweizer Tor gegen Russland.

Keystone

Das letzte Gruppenspiel am Dienstag (11.15 Uhr) gegen Grossbritannien wird Trainer Patrick Fischer keine Antwort auf diese wichtigste WM-Frage liefern. Es ist, wie es ist: Weiter nach oben als in den Viertelfinal kommen wir nur mit einem grossen Torhüter.