Eishockey-Vorschau-Serie
Meisterkandidaten im Check: Zug, Lausanne und die ZSC Lions können den Titel gewinnen – aber nur in der Innerschweiz ist der Trainer unumstritten

Drei Teams haben das Geld und das Talent um Meister zu werden. Von Zug wird die Titelverteidigung erwartet, von den ZSC Lions wird der Gewinn der Meisterschaft verlangt und Lausanne tanzt auf einem meisterlichen Vulkan.

Klaus Zaugg
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Die Spieler des EV Zug jubeln.

Die Spieler des EV Zug jubeln.

Martin Meienberger / freshfocus

Wer Meister werden will, braucht einen Meistertrainer. Logisch. Aber von den drei Titelanwärtern aus Zürich, Zug und Lausanne haben nur die Zuger einen Meistertrainer.

Gegen Zugs nahezu perfekte Mischung aus Talent, Taktik und Tempo, Kraft, Kreativität und Kaltschnäuzigkeit wird es an einem guten Abend schwierig sein, ein Gegenmittel zu finden. Aber der Weg zum Gipfel des Ruhmes wird diesmal etwas steiniger und steiler sein als in der vergangenen Saison. Wenn es darum geht, aus einer guten Mannschaft ein Meisterteam zu formen oder einen Titel zu verteidigen, wenn genug Geld und Talent vorhanden sind, um alle Ziele zu erreichen, spielt der Trainer erst recht eine zentrale Rolle: Er muss dafür sorgen, dass die Stars nicht zu lange in der Komfortzone verweilen, und darf trotz hohen Erwartungsdrucks die Förderung der jungen Talente nicht vernachlässigen.

Zug-Trainer Dan Tagnes ist ein kluger und geduldiger Kommunikator.

Zug-Trainer Dan Tagnes ist ein kluger und geduldiger Kommunikator.

Urs Flüeler / Keystone

Dan Tangnes ist in Zug zu einem charismatischen Meistertrainer gereift. Mehr kluger und geduldiger Kommunikator als autoritärer Bandengeneral trifft der 42-jährige Norweger in jeder Situation die richtige Tonlage und versteht es, alle für seine Sache zu begeistern. Er lässt attraktives, schnelles und gut strukturiertes Hockey spielen und hat nun erstmals eine Meisterschaft gewonnen.

Es gibt gute und es gibt erfolgreiche Trainer. Dan Tangnes ist nun beides: gut und erfolgreich. Sein Sportchef Reto Kläy hat mit regem Transfer-Umsatz dafür gesorgt, dass keine trügerische Ruhe einkehrt. Die Abgänge mögen spektakulär sein (Diaz, Hofmann, Alatalo) – die sportliche Substanz ist durch geschickte Neuanstellungen bewahrt worden. Dan Tangnes braucht wohl ein paar Wochen, bis er die Hierarchie neu sortiert und das Spiel wieder so justiert hat, dass er auch die ZSC Lions oder Lausanne im Schach halten kann. Eine Aufgabe, der nur ein Meistertrainer gewachsen ist.

Ein meisterlicher Bandengeneral in Zürich

Die ZSC Lions stehen vor ihrer letzten Saison im Hallenstadion. Im Sommer 2022 ziehen sie in ihre neue Arena in Altstetten um. Wie kann der Abschied am würdigsten gefeiert werden? Mit einem weiteren Titel natürlich. Aber eigentlich passt zur wunderbaren Hockey-Geschichte des Hallenstadions eine Saison, in der alles ein wenig drunter und drüber geht. Das bedeutet: Trainer Rikard Grönborg, im Wesen und Wirken «bandengeneralisch», steht vor seiner grössten Herausforderung. Die Magie seiner ersten Saison (ein Weltmeistercoach in Zürich! Gleich Qualifikationssieger!) ist entschwunden. Im zweiten Jahr hat der 53-jährige Schwede nichts gewonnen und fast alle wichtigen Spiele verloren: vier von sechs Partien gegen Zug, den Cupfinal in der eigenen Arena gegen den SCB und den Halbfinal gegen Servette.

Ein meisterlicher Bandengeneral: ZSC-Trainer Trainer Rikard Groenborg.

Ein meisterlicher Bandengeneral: ZSC-Trainer Trainer Rikard Groenborg.

Marc Schumacher / freshfocus

Grönborg war mehrmals Weltmeister und sein erklärtes Ziel ist die NHL. Aber mit einem Profiteam hat er noch keine Landesmeisterschaft gewonnen. Per Ende Dezember kann er seinen weiterlaufenden Vertrag auflösen, um in der kommenden Saison in die NHL zu wechseln. Ein Trainer, der die NHL im Kopf und Schweden im Herz hat, aber auf dem schwankenden Boden des Hallenstadions steht. Weckt das den Zorn der Hallenstadion-Geister?

Eine meisterliche Marionette in Lausanne

Kann ein Marionetten-Theater meisterlich sein? Wir sollten es nicht ausschliessen. Der HC Lausanne wird in der Deutschschweiz oft als Krisenklub wahrgenommen. Aber gerne wird übersehen, dass aus Lausanne inzwischen ein Meisterkandidat geworden ist. Lausanne hat in der letzten Saison 14 Millionen Franken verloren. Na, und? Investoren sichern den Klub ab. Eine Strategie des allmächtigen Managers Petr Svoboda ist nicht ersichtlich und ab und zu irrt er sich. Na, und? Er muss nur darauf achten, dass ihn die beiden Investoren und (angeblichen) Milliardäre Zdenek Bakala und Gregory Finger nicht auf einmal auch als Irrtum sehen.

Lausanne-Trainer John Fust weiss, was es braucht: bedingungslose Loyalität zum Chef.

Lausanne-Trainer John Fust weiss, was es braucht: bedingungslose Loyalität zum Chef.

Pascal Muller / Freshfocus

Nun hat er mit einer ganz besonderen Trainerlösung angerichtet für meisterliche Unterhaltung. John Fust (noch nicht gefeuert) ist nach Craig MacTavish (gefeuert) und Ville Peltonen (gefeuert) schon der dritte Cheftrainer in drei Jahren. Der Kanadaschweizer war in fünf Jahren in Lausanne Sportchef, Ausbildungschef und Assistenztrainer und hat gelernt: Bedingungslose Loyalität zu Petr Svoboda ist die einzige Jobgarantie.

Was die Beweglichkeit dem Spieler, das ist Lausannes neuem Trainer die Biegsamkeit des Rückgrates: Der 49-jährige Fust, bisher in der höchsten Liga nur in Langnau als Trainer erfolgreich (Playoffs 2011), ist nicht viel mehr als eine Marionette von Petr Svoboda. Viele Niederlagen kann er sich nicht leisten. Aber das unruhige Umfeld kann eine stimulierende Wirkung haben. Die Gefahr von beschaulicher Selbstzufriedenheit ist klein. John Fust tanzt auf einem meisterlichen Vulkan. Wenn er heil durch die Qualifikation kommt, dann ist der Meistertitel möglich. Schon letzte Saison hat Lausanne drei von vier Partien gegen Zug gewonnen. Aus der Marionette kann ein Meistertrainer werden.

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