Eishockey
Starspielerin Lara Stalder: «Darum holen wir Schweizerinnen eine WM-Medaille»

Die Schweizer Eishockeyanerinnen starten gegen die USA in die WM. Starspielerin Lara Stalder hat hohe Ziele.

Raphael Gutzwiller
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Lara Stalder will die Schweiz zur WM-Medaille schiessen.

Lara Stalder will die Schweiz zur WM-Medaille schiessen.

Valentin Studerus/OYM

Es war die grosse Sternstunde des Schweizer Frauen-Eishockeys: 2014, Olympische Spiele in Sotschi, die Schweiz holte sensationell Bronze. Lara Stalder war damals 19 Jahre alt und ein absolutes Supertalent. «Wir haben uns eine Medaille zum Ziel gesetzt, auch wenn dies einige als unrealistisch betrachteten. Dieses Ziel haben wir auch in diesem Jahr an der WM.»

Inzwischen ist Stalder eine Anführerin des Schweizer Teams, das heute gegen die USA in die Eishockey-Weltmeisterschaft in Calgary startet. Der Zeitpunkt im August ist ungewohnt. Vor drei Monaten war der WM-Traum zwölf Stunden vor dem Abflug geplatzt. Die Vorfreude bei Stalder ist umso grösser. «Niemand sonst spielt derzeit Eishockey, alle Augen sind auf uns gerichtet.»

Zweimal nacheinander die beste Spielerin Schwedens

Hat ihr Sommertraining im OYM bestritten: Lara Stalder.

Hat ihr Sommertraining im OYM bestritten: Lara Stalder.

Valentin Studerus/OYM

Besonders sind die Augen auf die Luzernerin gerichtet. Stalder ist gemeinsam mit Alina Müller nicht nur die Starspielerin des Schweizer Ensembles, sondern auch einer der grössten Namen des Turniers. In Schweden, der besten Frauenliga Europas, ist sie ein Superstar.

Zweimal nacheinander wurde Lara Stalder der goldene Helm als beste Spielerin der Liga verliehen. In der letzten Saison erzielte sie für Brynäs IF in 36 Qualifikationsspielen 82 Skorerpunkte und pulverisierte damit den Ligarekord. Mit dem Meistertitel wollte es dennoch wieder nicht klappen. Stalder und ihr Team verloren die Playoff-Finalserie gegen Spitzenteam Lulea mit 0:3.

Die Enttäuschung ist längst abgehakt, dafür ist Lara Stalder an der WM umso motivierter. Die Schweiz mit Nationaltrainer Colin Muller, Meisterspieler Zugs von 1998, trifft in den Gruppenspielen auf die vier Besten der Welt: Kanada, USA, Russland und Finnland. Diese Topgruppe spielt in einer Round Robin die Setzreihenfolge für die Viertelfinals aus. Dabei geht es lediglich um die Klassierung, die Schweiz steht schon im Viertelfinal. «Es ist ein spezieller Modus, den wir uns auch nicht ausgesucht haben», sagt Stalder. «Wir haben es uns in den letzten Jahren erarbeitet, zu den fünf besten Teams zu gehören.»

Die Schweiz mit Lara Stalder zählt zu den Top 5 der Welt.

Die Schweiz mit Lara Stalder zählt zu den Top 5 der Welt.

Gian Ehrenzeller/Keystone

Besonders im Fokus steht dadurch das Viertelfinalspiel. «Wir müssen am Tag X unsere beste Leistung zeigen. Wenn wir dieses Spiel gewinnen, spielen wir um die Medaille», so Stalder. Dennoch hoffen die Schweizerinnen, sich in den Partien gegen die Topgegner bereits gut einspielen zu können.

Die zwei Gesichter von Lara Stalder

Stalder führt das Schweizer Team an; versucht, den jungen Spielerinnen ein gutes Vorbild zu sein. Ist sie auf dem Eis, ist sie superehrgeizig. «Ich habe zwei Gesichter», sagt sie. «Auf dem Eis will ich unbedingt gewinnen, verzeihe kaum Fehler. Daneben will ich eine nette Person sein, die mit allen gut auskommt.»

Heimische Umgebung für die Luzernerin Lara Stalder.

Heimische Umgebung für die Luzernerin Lara Stalder.

Roger Gruetter

Lara Stalder zog bereits früh aus der Innerschweiz weg, um ihren Traum von einer Eishockey-Karriere zu verwirklichen. Zu bescheiden ist die heimische Liga, wo Stalder mit 13 debütierte. 2013 wechselt sie ans College in Minnesota, 2017 folgt der Schritt nach Schweden zunächst zu Linköping, seit zwei Jahren ist sie in Brynäs. Dort spielt sie halbprofessionell, arbeitet 50 Prozent im Klub. «Das ist für mich perfekt. Es ist für mich ein sehr toller Ausgleich neben dem Eishockeyspielen», so Stalder.

Jammern darüber, dass die Superstars bei den Männern Millionen verdienen und sie haargenau auf ihre Ausgaben achten muss, will sie nicht. «Natürlich wäre es schön, wenn ich wüsste, dass ich immer meine Rechnungen bezahlen könnte», sagt sie. «Doch mir gibt die Arbeit auch viel», so Stalder, die Betriebswirtschaft studiert hat.

Crowdfunding für ein gutes Sommertraining

Wie gross der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist, zeigt sich daran, dass Stalder ihre Sommervorbereitung selber finanzieren musste. Täglich trainierte sie in diesem Sommer im OYM im zugerischen Cham. Die dafür nötigen 14000 Franken sammelte sie mittels eines Crowdfundings. «Ich bin so fit, wie noch nie», sagt Stalder. Das Rundumpaket mit Ernährungsberatung, Diätkoch, Gesundheitsmanagement, Physiotherapeuten sowie Tests und Messungen habe sich gelohnt. «Noch nie habe ich so gezielt trainieren können.»

Lara Stalder möchte an der WM viele Tore erzielen auf dem Weg zur Medaille.

Lara Stalder möchte an der WM viele Tore erzielen auf dem Weg zur Medaille.

Srdjan Suki/ EPA

Sie ist überzeugt, sich auch in dieser Saison wieder zu steigern, dennoch spielte sie schon mit dem Gedanken eines Rücktritts. Einst sagte sie, nach den Olympischen Spielen 2022 sei Schluss. «Doch es gehen so viele Türchen auf. Wir werden sehen.» In Nordamerika ist eine Profiliga geplant. Wird sie Realität, wäre sie für Stalder eine Option. Eine andere Möglichkeit wäre es, etwas in der Schweiz aufzubauen. «Ich will eine Pionierin sein», sagt sie. Beim EV Zug ein Frauenteam aufzubauen: Das wäre ein Ziel für die Luzernerin.

Zunächst aber die WM und der Traum von Edelmetall. Der Optimismus ist gross bei Stalder. «Wir spielen mit Herz, haben uns in den letzten Jahren kontinuierlich entwickelt. Und alle freuen sich darauf, sich mit den besten Spielerinnen zu messen.» Dass Lara Stalder selbst dazu zählt, erwähnt sie nicht.

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