Eishockey

Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer will am Patchwork-Prinzip festhalten

Nationaltrainer Patrick Fischer will nicht auf die NHL-Stars verzichten. Im Bild: Roman Josi (l.).

Nationaltrainer Patrick Fischer will nicht auf die NHL-Stars verzichten. Im Bild: Roman Josi (l.).

Der Schweizer Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer lehnt es ab, bei der WM die Olympischen Spiele zu simulieren.

Ist der charismatische Kommunikator Patrick Fischer am Ende halt doch ein in der Wolle gefärbter Konservativer? Ist er bloss ein Maulheld der Erneuerung? Das sind gar boshafte Gedanken. Aber sie drängen sich auf. Die Schweiz muss, wenn sie 2018 um olympische Medaillen spielen will, einen eigenen Weg gehen. Die NHL hat offiziell die Freigabe der Spieler für das olympische Turnier 2018 abgelehnt.

Deshalb wäre der perfekte Start zur olympischen Expedition ein WM-Verzicht auf alle in Nordamerika tätigen Spieler. So wäre es möglich, die Winterspiele bereits bei der WM im Mai (ab 5. Mai) zu proben. Und das Nationalteam würde bis im nächsten Februar wohl zu einer so perfekt funktionierenden HockeyMaschine werden wie der meisterliche SC Bern.

Doch davon will der Nationaltrainer nichts wissen. Das Prinzip einer im letzten Moment durch NHL-Zuzüge ergänzten «Patchwork-Nationalmannschaft» wird beibehalten. Patrick Fischer sagt, warum er diese Philosophie auch vor seiner zweiten WM vertritt. «Wir gehen zu jedem Titelturnier mit der bestmöglichen Mannschaft. Das tun die anderen Nationen auch. Ein Verzicht auf gute Spieler kommt nicht infrage.» Und er ergänzt: «Wir werden nächste Saison bei einem Heimturnier und durch die Teilnahme am Spengler-Cup ausreichend Gelegenheit zur Mannschaftsbildung haben.»

Support von René Fasel

Fischer bekommt dabei Support von prominenter Seite. Von René Fasel (67), als Präsident des Welteishockey-Verbandes (IIHF) und Mitglied des IOC der ranghöchste Schweizer Sportfunktionär. Er sagt: «Im Sport gilt der Grundsatz: Lebe den Tag, packe die Chance. Das bedeutet, dass die Schweiz alles daransetzen muss, bei jedem Turnier mit der bestmöglichen Mannschaft anzutreten. Wer sagt denn, dass nicht auch in Paris eine Überraschung möglich ist?»

Kommen die NHL-Stars doch?

René Fasel nennt noch einen Grund, warum sich ein WM-Experiment ohne Nordamerikaner nicht lohnen würde. Die NHL hat zwar offiziell verkündet, die Spieler für die Winterspiele 2018 nicht freizugeben.

Doch nun wird erstmals von allerhöchster Stelle offiziell bestätigt, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. René Fasel sagt nämlich: «Wir halten alle Türen offen und eine Einigung ist immer noch möglich. Wir haben uns auch vor dem Turnier von 2006 in Turin erst im Juni 2005 geeinigt.» Nur gibt es eben einen grossen Unterschied: Damals hatte es vorher kein offizielles «Nein!» der NHL gegeben.

«Wer sagt denn, dass nicht auch in Paris eine Überraschung möglich ist?»

IIHF-Präsident René Fasel

«Wer sagt denn, dass nicht auch in Paris eine Überraschung möglich ist?»

René Fasel sollte eigentlich in der Öffentlichkeit keine Hoffnungen auf eine Olympia-Teilnahme der NHL wecken. «Gary Bettman hat mich inständig darum gebeten, die Sache nun ruhen zu lassen.» Eine Bitte, die Fasel ignoriert. Weil er sie als Zeichen der Nervosität der Gegenseite in diesem grandiosen Hockey-Poker wertet. Bettman (64) ist der NHL-General, der mit Fasel bereits die NHL-Olympiateilnahmen von 1998, 2002, 2006, 2010 und 2014 ausgehandelt hat.

Kann es sich Bettman überhaupt ohne Gesichtsverlust leisten, auf seinen Entscheid zurückzukommen und doch noch grünes Licht für die Olympischen Spiele 2018 geben? René Fasel sagt: «Warum nicht? Die Lage könnte sich so entwickeln, dass er vielleicht ganz froh sein wird, seinen Entscheid ändern zu können.»

Fasel sieht nämlich eine politische Eiszeit im nordamerikanischen Hockey heraufziehen: «Die Geschäfte der NHL brummen, inzwischen ist es ein Vier-Milliarden-Business geworden. Und doch ist offensichtlich eine erspriessliche Zusammenarbeit zwischen der Liga und der Spielergewerkschaft weiterhin nicht möglich.»

René Fasel führt aus, das «Nein» zu den Winterspielen habe zu einer tiefgreifenden Verstimmung bei den NHL-Spielern geführt. «Die Gefahr, dass die Spielergewerkschaft die erste Möglichkeit zur Aufkündigung des Gesamtarbeitsvertrages nützen wird und dass die NHL erneut in einen noch gewaltigeren Lock-out steuert, ist sehr gross.» Gibt es einen letzten möglichen Termin für eine Zusage der NHL? «Ein Datum gibt es nicht. Aber sagen wir es so: Wenn die Meisterschaften in Europa im September beginnen müssen wir Klarheit haben.»
Affaire à Suivre.

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