Eishockey
Die ZSC Lions und ein Problem, das sie verschweigen müssen – und was Legende Ari Sulander damit zu tun hat

Die Zürcher haben vier der letzten fünf Spiele und den Cupfinal verloren – aber diesmal gibt es keine Polemik gegen den Trainer.

Klaus Zaugg
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Die ZSC Lions scheinen aktuell ein Goalieproblem zu haben. Hier Lukas Flüeler, dreifacher Meistergoalie der Zürcher.

Die ZSC Lions scheinen aktuell ein Goalieproblem zu haben. Hier Lukas Flüeler, dreifacher Meistergoalie der Zürcher.

Keystone

Die Bibel mag das Buch der Bücher sein. Aber Eishockey-Analysen finden wir darin nicht. Und doch vermittelt uns der Prophet Daniel in einem Traumbild ziemlich genau das Problem der ZSC Lions. Es geht um einen Koloss mit einem Haupt aus Gold, einem Rumpf aus etwas weniger guten Materialien und Füssen aus zerbrechlichem Ton. So ist der Spruch vom Koloss auf tönernen Füssen in die Welt gekommen.

Die ZSC Lions gehören zu den grössten Hockey-Firmen Europas, also ein Koloss. Die jüngsten Resultate sind allerdings weniger kolossal: Vier Niederlagen in den letzten fünf Qualifikationsspielen und den Cup-Final auf eigenem Eis verloren. 24 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Zug. Eine Ehrenrunde durch die Pre-Playoffs ist nicht mehr auszuschliessen. Eine Krise zieht herauf.

Rikard Grönborg.

Rikard Grönborg.

Keystone

Populär ist in Zürich die Polemik gegen den Trainer. Keiner ist in den vergangenen Jahren glücklich geworden. Hans Wallson wird im Dezember 2017 entlassen. Hans Kossmann darf nach dem Titelgewinn von 2018 nicht bleiben, Serge Aubin muss im Januar 2019 gehen und sein Nachfolger Arno Del Curto am Ende der Saison. Aber der weltmeisterliche Rikard Grönborg mit Vertrag bis Frühjahr 2022 steht nicht zur Debatte. Die ZSC Lions haben kein Trainerproblem. Sie haben auf hohem Niveau ein Goalieproblem.

Auf Dauer geht es nicht ohne einen Titanen im Tor

Im Hallenstadion hängt ein Dress mit der Nummer 31 – zu Ehren des grossen Torhüters Ari Sulander. Und als Mahnung für die Gegenwart: Es geht auf Dauer auch in Zürich nicht ohne einen Titanen als letzten Mann. Um beim eingangs erwähnten Bild zu bleiben: Vorne, im Angriff, besteht der Koloss ZSC Lions aus Gold. Dahinter finden wir in der Abwehr zwar nicht mehr Gold, aber noch immer solides «Material». Die Goalieposition ist hingegen so zerbrechlich geworden wie Ton: Der Koloss ZSC Lions steht auf tönernen Füssen.

Der grosse Ari Sulander.

Der grosse Ari Sulander.

Freshfocus / Urs Lindt

Mit einem grossen Torhüter, einem, der in jeder Partie über 92 Prozent der Schüsse abwehrt, wären die Zürcher mindestens der erste Verfolger der Zuger. Aber weder Ludovic Waeber, 24, noch Lukas Flüeler, 32, beide mit Vertrag bis Ende der nächsten Saison, sind grosse Goalies. Waeber ist es noch nicht und Flüeler ist es nicht mehr. Waeber kann es noch werden, Flüeler höchstens noch für ein paar Partien in den Playoffs. Er ist ein meisterlicher Held. Aber der zerbrechliche Riese (192 cm/ 103 kg) war noch nie ein Mann für dauerhafte Höchstleistungen während der Qualifikation. Und so kommt es, dass Sportchef Sven Leuenberger ein Torhüterproblem hat und so tun muss, als habe er keines.

Denn die Personalie Lukas Flüeler ist klubpolitisch hochheikel. Popularität und Verdienste des Meisters von 2012, 2014 und 2018 sind kolossal, und er ist im Unternehmen sehr gut vernetzt. Aber die Zweifel wachsen, ob Flüeler noch einmal meisterliche Wunder vollbringen kann. Endet diese Saison enttäuschend, könnte es sein, dass sich die Zürcher an ihre Geschichte erinnern und nach dem nächsten Ari Sulander Ausschau halten werden.