Eishockey
Einzelrichter Reto Steinmann: «Ich bin nicht unfehlbar»

Eishockey-Einzelrichter Reto Steinmann (57) blickt ohne Zorn auf eine 13-jährige Amtstätigkeit zurück. Er sei in seiner Urteilsfindung stets frei gewesen, betont der Zuger.

Klaus Zaugg
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Reto Steinmann.

Reto Steinmann.

Reto Steinmann hat per Saisonende das Amt eines Eishockey-Einzelrichters ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit niedergelegt. Der Zuger Rechtsanwalt und ehemalige Strafrichter kümmert sich ab sofort nicht mehr um die Bestrafung von Hockeyspielern.

Sondern um die Verteidigung der gesamten Palette von Sündern. Vom Falschparker bis zum Mörder. Er sagt: «Das ist sehr salopp formuliert, aber grundsätzlich richtig: Ich konzentriere mich in unserer Anwaltskanzlei nun noch mehr auf die Arbeit als Strafverteidiger. Aber Mörder verteidigen? Wir sind hier in Zug, nicht in Zürich und haben pro Jahr im ganzen Kanton vielleicht ein oder zwei Tötungsdelikte.»

Ist es ein Abgang von der Hockeybühne im Zorn? «Nein, überhaupt nicht. Ich habe meine Arbeit gerne gemacht und versucht, etwas zur Verbesserung des Produktes Schweizer Eishockey beizutragen.» Ist das die ganze Wahrheit? Er ist ja zuletzt immer unverblümter kritisiert worden.

Ist es vielleicht doch ein zorniger Abgang? «Nein. Die Kritik liegt in der Natur dieses Amtes. Es ist ja immer jemand unzufrieden. Aber es hätte mich schon gefreut, wenn bei gewissen Kritiken auch mal ein Vertrauensvotum vom Verbandspräsidenten oder vom Liga-Direktor gekommen wäre.»

Eine diplomatische Antwort

Das sei jedoch nicht ausschlaggebend gewesen. Er habe einfach eine gewisse Müdigkeit verspürt. «Ich habe seit 13 Jahren Karfreitag und Ostern vorwiegend im Büro verbracht und ich habe seit drei Jahren während der Saison, von September bis April, praktisch jedes Wochenende Fälle bearbeitet.»

Reto Steinmann hat in 13 Jahren ungefähr 800 Urteile gesprochen. Er sagt zwar: «Ich bin nicht unfehlbar. Es gibt Fälle, die ich im Nachhinein anders beurteilen würde.» Aber Fehlurteile sieht er keine. «Es geht eher darum, dass ich im Nachhinein in einzelnen Fällen weniger oder mehr Spielsperren aussprechen würde.»

Die grosse Frage, die zurzeit auch noch von einem ausserordentlichen Einzelrichter untersucht wird: War Reto Steinmann bei seiner Urteilsfindung stets frei, oder ist er immer wieder beeinflusst worden?

Er findet auf diese politisch und juristisch heikle Frage eine diplomatische Antwort: «Nicht mehr oder weniger, wie das in einer so kleinen Welt, in der jeder jeden kennt, üblich ist. Aber ich bin nie dazu genötigt worden, ein Urteil gegen meine Überzeugung zu fällen. Das hätte ich nicht verantworten können.»

Reto Steinmann wird dem Eishockey treu bleiben. «Dieser Sport fasziniert mich, und ich freue mich schon darauf, nächste Saison einfach Spiele geniessen zu können.» Es sei sehr gut möglich, dass er nun ein Saisonabi beim EV Zug kaufen werde.

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