Kolumne

Einen Blumenstrauss für Nati-Coach Vladimir Petkovic, bitte!

Vladimir Petkovic, Schweizer Nati-Trainer.

Vladimir Petkovic, Schweizer Nati-Trainer.

Dass wir uns nerven dürfen, wenn die Schweiz gegen Deutschland «nur» Remis spielt und Exploits wie das 5:2 über Belgien fast schon normal sind, haben wir auch unserem Nati-Trainer zu verdanken. Das schreibt Sportredaktorin Céline Feller, und fordert Blumen für den Tessiner.

2:0 gegen Deutschland. 2:0! Nach 26 Minuten. Auswärts. Verdient! Da bin ich geflasht, das muss ich zugeben. Mir entfährt ein «Yes!», die Faust ist geballt. Und im Kopf sagts: «Diese Nati macht Spass!»

Céline Feller, Sportredaktorin.

Céline Feller, Sportredaktorin.

So lief mein Dienstagabend. Zumindest bis die Schweiz den 2:0-Vorsprung und jenen von 3:2 über die Fussball-Grossmacht Deutschland verspielt hat und fast ohne Lohn für eine starke Leistung da stand. Die Kritik in der Folge war laut. Ein solches Spiel dürfe man nicht verlieren. Nicht so. Klar, dieser Meinung bin ich auch. Ich bin ja nicht blind vor Begeisterung. Mitnichten.

Aber was mir ab und an zu kurz kommt, ist Folgendes: Wir sind die Schweiz. Eine kleine Fussballnation, mit einem Zehntel der Einwohner Deutschlands. Wir gehörten nie zur Elite, aber zuletzt immerhin zum erweiterten Kreis der Grossen. Dass wir dort stehen, dass wir uns über ein 3:3 gegen Deutschland nerven und nicht grenzenlos freuen dürfen, das alleine ist für mich schon ein Sieg. Weil es zeigt, was die Schweiz geworden ist.

Sie ist ein Team geworden, das meist mutig und oft begeisternd agiert. Man denke an das 5:2 über Belgien, das 2:0 über Portugal. Ja, es gibt Spiele wie das 0:1 gegen Spanien, das man dumm verliert. Oder das 1:2 gegen die Ukraine, das man unnötig vergeigt. Aber die Schweiz ist in vielen Bereichen weiter, als ich mir das vor Jahren hätte vorstellen können. Damals, 2010, als das 1:0 über Spanien eine Sensation und nicht im Bereich des Erwartbaren war. Damals, als diese Entwicklung so unabsehbar wie heute das Ende von Corona.

Aus der kleinen Nati ist ein begeisterndes Team geworden. Einerseits aufgrund eines aktuellen Kaders, das qualitativ mit das Beste ist, was wir je hatten. Andererseits wegen des Mannes, der die Spieler zu dieser offensiven, pressenden, nach Lösungen suchenden Spielweise treibt: Vladimir Petkovic. Er hat der Schweiz die Mentalität des «Wir können alles» eingeimpft. Glaubhaft. Für alle.

Ich mag nicht immer seiner Meinung sein. Stichwort Analyse nach dem Spanien-Spiel. Aber er hat aus der Nati etwas geformt, das es einem erlaubt, sich zu nerven, wenn man gegen Spanien verliert oder gegen Deutschland Remis spielt. Dafür hätte er meines Erachtens einen Blumenstrauss verdient. Mindestens.

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