Tobias: Habt ihr das auch mitgekriegt? Im iranischen Fernsehen wird die Bundesliga-Partie Köln gegen Bayern München gezeigt, doch die Zuschauer erfahren nicht, wer das Spiel leitet. Wenn Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus in Nahaufnahme gezeigt wird, sehen die iranischen Fernsehzuschauer Bilder von den Tribünen.

David: Frauen und Fussball – das kriegen die religiösen Führer nicht unter einen Hut. In den sozialen Netzwerken wird immer wieder berichtet, dass iranische Frauen sich als Männer verkleiden, um ins Stadion zu gelangen. Dabei kommt es häufig zu Verhaftungen. Wobei es von offizieller Seite jeweils heisst, dass die Frauen «lediglich an einen geeigneten Ort» gebracht würden.

François: Ich will mir nicht vorstellen, wie dieser geeignete Ort aussieht. Rüsten in der Uran-Küche?

Flavio: Natürlich ist das himmeltraurig. Aber es gibt durchaus gute Gründe – allein der Psychohygiene wegen –, gewisse Dinge am Fernsehen zu zensurieren.

Tobias: Einverstanden. SRF sollte künftig den Schweizer Beitrag beim Eurovision Song Contest mit einem Werbefenster verhüllen und spätestens zu Beginn der Punktevergabe die Sendung beenden. Oder das italienische Fernsehen sollte diesen Sommer auf die teure Übertragung der Fussball-WM verzichten und stattdessen die Spiele der WM 2006 recyceln.

Flavio: Non mi rompete i coglioni. Ihr elenden Wichte.

Pius: Ruhig Blut! Da reden wir über ernsthafte Probleme wie iranische Frauen, die nicht zum Fussball dürfen. Und ihr kriegt euch wegen eines platten Running Gags in die Haare?

David: Apropos Iran, ich hätte da eine Idee. Letzthin habe ich den Dok-Film über Mathias Seger gesehen.

Pius: Hä? Seger, Iran? Ich krieg das nicht zusammen. Nichts gegen Seger. Er ist eine der prägendsten Figuren unseres Sports.

Tobias: Nicht der talentierteste, aber wohl jener Eishockeyspieler mit der grössten Persönlichkeit.

François: Mich beeindruckt, wie geerdet, wie demütig Seger trotz aller Erfolge geblieben ist. Sechsmal Meister, über 1000 Spiele für die ZSC Lions, WM-Silbermedaillengewinner. Kein Status-Protz, aber auch kein Intelligenzija-Dünkel. Er offenbart einfach nur eine unglaubliche Freude und Dankbarkeit für das, was er machen durfte: nämlich die Leidenschaft als Beruf auszuüben. Umso trauriger ist es, dass auch er altert und nun zurückgetreten ist.

Flavio: Vor allem, und das wird im Dok-Film eindrücklich gezeigt: Seger hat sich immer, im Guten wie im Schlechten, als Teil des Teams gesehen. Unabhängig seines Standings. Man könnte ihn auch als Mentalitätsmonster bezeichnen.

Pius: Absolut. Aber ich weiss noch immer nicht, was Seger und der Iran gemein haben.

David: Nun, man sollte den Seger-Film im Iran zeigen.

Pius: Kommen keine Frauen drin vor?

David: Doch. Aber nur eine – Segers Frau. Ich glaube, das kann man den Sittenwächtern zumuten. Aber es geht mir um die Botschaft, die der Film vermittelt.

Pius: Und die wäre?

David: Seger sagt im Film: «Der grösste Muskel ist das Herz.» Daran sollten die religiösen Führer denken, wenn sie das nächste Mal die Muskeln spielen lassen.