Eishockey-WM 2017

Eine Schweizer Olympia-Medaille im Eishockey – mehr als ein verrückter Gedanke?

Hat dem Schweizer Eishockey-Nationalteam zu neuem Glanz verholfen: Nationaltrainer Patrick Fischer (hinter den Spielern in der Mitte).

Hat dem Schweizer Eishockey-Nationalteam zu neuem Glanz verholfen: Nationaltrainer Patrick Fischer (hinter den Spielern in der Mitte).

An der Eishockey-WM in Paris ist ein Traum geboren: Eine Olympiamedaille bei den Männern an den Olympischen Spielen in Pyeongchang 2018. Ist das ein realistisches Ziel?

Das bittere Viertelfinal-Aus schwebt in den Katakomben der Pariser AccorHotels-Arena nach der 1:3-Niederlage gegen Schweden wie eine dunkle Wolke über den Beteiligten. Spieler, Trainer, und Funktionäre der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft lassen in ihren Voten ihrer Unzufriedenheit freien Lauf. Von wegen ehrenvolles Ausscheiden. Alle hatten sie mehr gewollt. Alle hatten sie die Halbfinals erreichen wollen. «Die Mannschaft hätte sich dieses Final-Wochenende in Köln verdient. Es wäre für viele Spieler ein Karrierehighlight gewesen», bedauert etwa Nationaltrainer Patrick Fischer. «Dieses Spiel ist noch lange nicht verdaut. Wenn man gegen Schweden 0:5 verliert und chancenlos ist, dann hätte man sagen können: ‹Die waren einfach besser.› Dann hätte man das Spiel schnell abhaken können. Aber so? Es wäre schön gewesen für das Schweizer Eishockey, wenn wir diesen Schritt auch noch hätten machen können», befindet Nationalmannschafts-Direktor Raeto Raffainer.

«Es wäre schön gewesen für das Schweizer Eishockey, wenn wir diesen Schritt auch noch hätten machen können»

Raeto Raffainer:

«Es wäre schön gewesen für das Schweizer Eishockey, wenn wir diesen Schritt auch noch hätten machen können»

So gross der Groll nach dem plötzlich gebremsten WM-Steigerungslauf bei den Schweizern ist: Mit ein wenig Distanz wird man erkennen, dass diese Tage in Paris für das hiesige Eishockey so oder so Gold wert waren. Das Ansehen des Produkts Nationalmannschaft war seit dem Gewinn der Silbermedaille im Jahr 2013 einem schleichenden Wertverfall ausgesetzt. Die Skepsis punkto Leistungsfähigkeit bei den Medien und den Fans omnipräsent.

Das ging sogar so weit, dass man den Schweizern trotz einer gelungenen Vor-WM-Kampagne, in welcher man nur drei von 13 Spielen verloren hatte, in Paris eher den Abstieg als eine Viertelfinal-Qualifikation zugetraut hätte. «Trotz unserer Bilanz wurde von Anfang an auf uns geschossen. Das empfinde ich nicht als normal», beklagt sich der Nationaltrainer noch einmal über die negative Grundstimmung, die zu Beginn des Turniers geherrscht hatte, und fügt an: «Ich sage immer: Wir Schweizer sind gut, wir müssen an uns glauben. Den Kredit, den wir nicht hatten, haben wir uns hier in Paris hart erarbeitet.»

«Das empfinde ich nicht als normal.»

Patrick Fischer:

«Das empfinde ich nicht als normal.»

NLA-Cracks in der Hauptrolle

Womit er recht hat. Diese Mannschaft geniesst nach den couragierten und erfolgreichen WM-Auftritten wieder Kredit. Und das ist besonders im Hinblick auf den nächsten anstehenden Grossanlass, die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang im Februar 2018, von grosser Bedeutung. Vor allem dann, wenn die Absenz der NHL-Stars auf der grossen, olympischen Bühne wirklich Tatsache wird – wonach es momentan stark aussieht. Die Schweizer traten an der WM in Paris mit lediglich einem Spieler aus der besten Liga der Welt in den eigenen Reihen an: Denis Malgin. Der 20-jährige blieb als einziger Stürmer ohne Skorerpunkt und spielte nur eine Nebenrolle.

Denis Malgin (rechts) blieb wie in diesem Bild nur in einer Nebenrolle.

Denis Malgin (rechts) blieb wie in diesem Bild nur in einer Nebenrolle.

In der Hauptrolle agierten also alles Spieler, die in der NLA engagiert sind und somit sicher auch für ein Aufgebot für die Winterspiele infrage kommen. Patrick Fischer weiss also schon jetzt, dass er über eine funktionierende Mannschaft verfügt, während die Top-Favoriten wie Kanada (20 NHL-Spieler im WM-Team), Schweden (19) oder die USA (21) auf ihre Stars verzichten und sich auf den in Europa engagierten Spielerpool beschränken müssten. Plötzlich würde die Schweiz, nimmt man die Leistungen in Paris als Massstab, sogar zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten gehören.

Ein verrückter Gedanke. Oder doch näher an der Realität, als man glauben will? «Ich hoffe für das Olympia-Turnier, dass die NHL-Spieler nach Südkorea kommen. Auf dieser Bühne sollten wirklich die besten Spieler der Welt mitmachen dürfen. Falls nicht, dann ist klar, dass unsere Chancen steigen», wagt Patrick Fischer einen verhalten optimistischen Blick voraus. Raeto Raffainer äussert sich diesbezüglich etwas vorsichtiger. Er warnt davor, aufgrund der positiven WM-Resultate voreilige Schlüsse im Hinblick auf Olympia zu ziehen: «Die Mannschaft hat an der WM zusammen eine positive Erfahrung gemacht. Aber man darf nicht vergessen: Jedes Turnier hat seine eigenen Regeln.» Primär müsse der Verband alles daransetzen, dass die Schweizer Equipe «so gut wie möglich vorbereitet» nach Südkorea komme.

Mit zwei Turnieren in der Schweiz werden sich die «Eisgenossen» auf den Pyeongchang-Trip einstimmen: im November an der Swiss Ice Hockey Challenge in Biel. Und in der Altjahreswoche am Spengler Cup in Davos. Eine bessere Bühne, den Olympia-Medaillen-Traum zu lancieren, gibt es nicht.

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