Langlauf
Eine Premiere und ein gelbes Déjà-vu

Dario Cologna läuft in Davos als Dritter erstmals aufs Podest und ist jetzt Weltcupleader.

Simon Steiner, Davos
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Im Rennen noch in Schwarz – Dario Cologna in Davos.

Im Rennen noch in Schwarz – Dario Cologna in Davos.

Um einen Hauch hatte Dario Cologna das Treppchen am Samstag im 15-km-Rennen verpasst. Gestern wetzte der Olympiasieger diese kleine Scharte nun als Dritter im Sprintrennen aus. Der Wahl-Davoser musste im Final einzig Emil Jönsson (Schweden) und Alexej Petuchow (Russland) den Vortritt lassen und erreichte bei seinem Heimspiel zum ersten Mal einen Podestplatz.

Dabei hatte der Wettkampf nicht nach Colognas Vorstellungen begonnen. In der Qualifikation hatte der 24-Jährige nur Rang 19 erreicht und war entsprechend unzufrieden gewesen. Nach Anpassungen im Materialbereich kam Cologna dann in den Finals aber immer besser in Fahrt und startete vor rund 6000 Zuschauern richtiggehend durch. Seine Taktik, sich jeweils von Beginn weg in den vordersten Positionen im Feld aufzuhalten und Tempo zu machen, ging voll auf.

Dabei gab es für den Münstertaler im direkten Gegnerkontakt einige heikle Momente zu überstehen. So überstand er den Viertelfinal doch noch, obwohl er die letzte Kurvenkombination nicht ideal erwischt hatte. Im Halbfinal profitierte er dann als Vierter in seinem Feld von der Lucky-Loser-Regel, welche zusätzlich zu den beiden Direktqualifizierten auch die zwei zeitschnellsten Verlierer eine Runde weiterkommen lässt.

Helikopterflug als Bonus

«Ich habe mich heute selber überrascht», sagte Cologna, der sich im Vorfeld am Samstag die besseren Chancen auf einen Podestplatz ausgerechnet hatte, wo ihm letztlich auch nur 4,3 Sekunden zum Sieg fehlten. Dass er im Final bei der vorentscheidenden Szene in der Haarnadelkurve nach zwei Dritteln eine mögliche noch bessere Klassierung vergeben hatte, mochte seine Freude nicht zu trüben. «Ich bin überglücklich, dass es heute aufs Podest gereicht hat und dass ich an diesem Wochenende an den gelungenen Saisonauftakt anknüpfen konnte.»

Als Lohn durfte sich Cologna im Ziel das gelbe Trikot des Weltcupleaders überstreifen lassen. Bereits vor zwei Jahren hatte er in Davos die Weltcupführung übernommen und die Gesamtwertung in der Folge auch gewonnen. «Ich hoffe, das ist ein gutes Omen», sagte er. Einen Bonus verdiente sich Cologna zudem in Form eines Helikopterfluges nach Zürich. Wäre er frühzeitig ausgeschieden, hätte er die Reise an die Gala zur Verleihung der Sports Awards im Auto antreten müssen.

Gerade umgekehrt war es Emil Jönsson bei der Anreise nach Davos ergangen. Der 25-Jährige konnte nach seinem Sieg im Sprint von Düsseldorf nicht wie vorgesehen in die Schweiz fliegen, weil er seinen Reisepass zu Hause in Schweden vergessen hatte und ihn die Airline aufgrund interner Bestimmungen nicht mitnehmen wollte. Also reiste Jönsson in zwölfstündiger Fahrt mit dem Wachstruck an und überquerte die Schweizer Grenze passlos. Im gestrigen Final schmuggelte sich der gegenwärtig stärkste Sprintspezialist in der Kurve nach zwei Dritteln der Strecke auf der Innenseite an seinen Konkurrenten vorbei und liess sich den Sieg nicht mehr nehmen.

Kindschis Sturz

Zweitbester Schweizer war Jöri Kindschi als 21. Der Davoser, der als Zehnter als einziger Swiss-Ski-Athlet neben Cologna die Qualifikation überstanden hatte, vergab eine noch bessere Klassierung durch ein Missgeschick im Viertelfinal. Kurz nach dem Start stolperte der 24-Jährige über seinen eigenen Stock und kam zu Fall. Obwohl er sich wieder ans Feld herankämpfte, blieb er nach diesem Effort im Finish chancenlos. «Schade, heute wäre mein erster Halbfinal dringelegen», kommentierte Kindschi sein Malheur. Trösten darf er sich damit, dass er die Kriterien für die WM-Selektion nun trotzdem bereits erfüllt hat.

Bei den Frauen setzte die in diesem Winter noch ungeschlagene Norwegerin Marit Björgen ihre beeindruckende Serie fort und lief überlegen zu ihrem 41. Weltcupsieg.