Swiss Olympic

Der Schweizer Sport gibt sich eine neue Strategie und heisst Gianni Infantino willkommen

Fifa-Präsident Gianni Infantino will sich auch bei der Ausrichtung des Schweizer Sports einbringen.

Fifa-Präsident Gianni Infantino will sich auch bei der Ausrichtung des Schweizer Sports einbringen.

Mit einem zweitägigen Workshop in Tenero hat die Führung von Swiss Olympic einen Strategieprozess lanciert. Dabei wurden die Ausrichtung und die Kernbereiche formuliert. Zugleich hat der Dachverband des Schweizer Sports ein prominentes Neumitglied. Gianni Infantino nimmt Einsitz im Exekutivrat. Der Fifa-Präsident will eine aktive Rolle spielen.

Der Exekutivrat von Swiss Olympic bestimmt die Strategie des Schweizer Sports. 18 Personen umfasst das Gremium, zu einem grossen Teil gewählt aus den Sportverbänden, einige aber auch von Amtes wegen oder statutarisch so vorgesehen. Wie zum Beispiel die Schweizer Vertreter im Internationalen Olympischen Komitee. Neuerdings ist deshalb auch Fifa-Präsident Gianni Infantino Teil der strategischen Führung. Ein Mitglied auf Papier?

Keineswegs, wie Infantino betont. Bislang hat er zwar aus Termingründen noch an keiner Sitzung teilnehmen können, aber das wolle er schnellstmöglich ändern. Er freue sich darauf, an solchen Besprechungen dabei zu sein, wenn es die Gelegenheit ergibt. Und er sei stark interessiert daran, sich auch bei strategischen Fragen einzubringen. «Als Präsident der Fifa freue ich mich sehr, innerhalb von Swiss Olympic zur Entwicklung des Sports auf der ganzen Welt und insbesondere in der Schweiz beitragen zu können», sagt Infantino.

Jürg Stahl trifft sich mit Gianni Infantino

Diese Bereitschaft signalisiert der Walliser auch in einem Brief, den er Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl geschrieben hat. Ein präsidiales Treffen war bereits angesetzt, musste aber kurzfristig verschoben werden. Derzeit sucht man einen neuen Termin, denn Jürg Stahl ist es wichtig, auch die drei IOC-Mitglieder Gianni Infantino, René Fasel und Denis Oswald im Exekutivrat mit in die aktuellen Themen einzubinden. Zuletzt hat er sie über den zweitägigen Strategieworkshop in Tenero informiert.

Während ein verstärktes Engagement im Schweizer Sport bei Gianni Infantino Teil seiner persönlichen Strategie ist, auf dem Heimmarkt auf eine positive Art und Weise präsenter aufzutreten, will sich Swiss Olympic im Angesicht der Coronapandemie für die Zukunft rüsten und teilweise neu positionieren.

Einfachere Strukturen und geschärfte Kernkompetenz

Unter Leitung von Exekutivmitglied Andreas Csonka und mit Unterstützung von externen Beratern hat die gesamte strategische und operative Führung des Schweizer Sports vor wenigen Tagen mit dem Workshop im Tessin einen Prozess der Erneuerung gestartet. 24 Personen definierten in Tenero auf Basis von verschiedenen Analysen zukünftige Schwerpunkte in der Ausrichtung.

«Wir sind der Meinung, dass wir jetzt die Voraussetzungen für die Zukunft schaffen müssen», sagt Präsident Jürg Stahl. Corona stelle den Sport vor völlig neue Herausforderungen und initiiere auch neue Entwicklungen. Unabhängig davon ist es Stahl ein Anliegen, dass «die Prozesse bei Swiss Olympic trotz immer komplexer werdenden Anforderungen von Seiten der Gesellschaft und der Politik einfacher werden».

Neue Player im Schweizer Sport stärker einbinden

Durch das Coronavirus sind auch Schwächen des aktuellen Systems zum Vorschein gekommen. Auf Basis der Analysen wurden in sechs Bereichen Hypothesen erarbeitet, wie die Situation in 20 und 30 Jahren aussehen wird. Daraus wurde ein mögliches Betriebsmodell erarbeitet. In welchen Bereichen und wie muss man den Sport entwickeln? Swiss Olympic möchte als Organisation vorausschauender wirken und Lücken in der Ausrichtung schliessen, ohne dabei die Kernkompetenzen zu vernachlässigen.

Als zukünftigen Kerngefässe des Dachverbandes hat man die Bereiche «Athleten», «Innovation» sowie «Umgang mit neuen sportrelevanten Playern» definiert. Bis Ende Jahr will man Szenarien ausarbeiten und ab Januar mit allen Entscheidungsträgern eine klare Stossrichtung finden und ein Leitbild für die zukünftige Strategie definieren.

Ein Eckpfeiler soll die Ehrenamtlichkeit bleiben. Dies sei das Erfolgsrezept des Schweizer Sports. Doch mit dem Trend zur Professionalisierung des Sports würge man das Ehrenamt ab, sagt Csonka. Wolle man sich aber die aktuelle Vielfalt der Schweizer Sportlandschaft bewahren und nicht nach dem Beispiel von anderen Ländern auf einige wenige Kernsportarten fokussieren, dann gehe dies nur über das Ehrenamt. «Sonst ist das Modell nicht finanzierbar.»

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