Kolumne

Eine Karriere wie eine Seifenoper: Töfffahrer Dominique Aegerter hört auf

Dominique Aegerter beim Moto2-Rennen in Jerez.

Dominique Aegerter beim Moto2-Rennen in Jerez.

Dominique Aegerter beendet am kommenden Wochenende seine Töff-Laufbahn. Die «totale» Konzentration auf das Fahren gelang ihm schon länger nicht mehr.

Das frühzeitige, auch selbst verschuldete Ende einer grossen Töff-Karriere. Und ein Lehrstück über den Umgang mit sozialen Medien. Im besten Alter von 29 Jahren fährt Dominique Aegerter am Wochenende in Valencia seinen 216. und letzten GP. Um die Karriere fortsetzen zu können, hätte er über eine halbe Million in die Teamkasse bringen müssen. So viel Geld für eine sportlich aussichtslose Sache macht nach seiner schwächsten Moto2-Saison keinen Sinn.

Es war eine grosse Karriere. Der Sohn eines Garagisten aus Rohrbach kletterte auf die grosse GP-Bühne. Dort hinauf, wo Hunderte von Fahrern aus der ganzen Welt mit viel besseren Voraussetzungen drängen und doch nie hinkommen. Der freundliche Rock’n’Roller verdankt den Aufstieg in die Weltklasse mit dem GP-Sieg 2014 auf dem Sachsenring und zwei 5. WM-Schlussrängen (2013 und 2014) nicht zuletzt seiner eigenwilligen Persönlichkeit. Aber das vorzeitige «Aus» halt auch.

Er hat seine Karriere in den sozialen Medien wie eine endlose Seifenoper inszeniert. Seine Startnummer 77 ist Kult geworden und jahrelang hatte er mindestens so viel Medienpräsenz wie der ungleich erfolgreichere Tom Lüthi. Selten hat sich ein Sportler so gut vermarktet. Aber dafür zahlt Aegerter auch einen Preis: es war nicht möglich, ihn dazu zu bewegen, von Donnerstag bis nach dem Rennen am Sonntag Smartphone und Computer abzuschalten. So brachte er die «totale» Konzentration auf das Fahren je länger desto weniger auf. Aber sie ist die unabdingbare Voraussetzung in einem Sport, in dem ein einziger Konzentrationsfehler alles ruinieren kann.

Gibt es die Möglichkeit einer Rückkehr? Ja, eine kleine, wenn er weiterhin im Fahrerlager präsent bleibt, indem er die WM mit den elektrischen Maschinen bestreitet. Beispielsweise im Team von Tom Lüthi. Dann hat er auch eine gewisse Chance, im Laufe der Saison als Ersatzfahrer einspringen zu können. Aber wenn diese Chance kommt, muss Dominique Aegerter fahrerisch «zwäg» sein. Und das ist er schon seit zwei Jahren nicht mehr. Deshalb ist er ja vom bezahlten zum zahlenden Fahrer geworden und in diese Situation geraten. Und so ist der Grund für das Karriereende ganz banal: ganz einfach zu wenig schnell.

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