NHL

«Eine hektische und lehrreiche Zeit»: Nino Niederreiter und Kevin Fiala blicken zurück

Kevin Fiala spielt nun im Trikot von Niederreiters vorherigem Klub, den Minnesota Wild.

Kevin Fiala spielt nun im Trikot von Niederreiters vorherigem Klub, den Minnesota Wild.

Wie die beiden Schweizer Eishockey-Stars Nino Niederreiter und Kevin Fiala mit ihren Transfers innerhalb der NHL umgegangen sind.

Ein kurzes Telefonat. Dann heisst es: Koffer packen. Zeit, sich von Freunden zu verabschieden, bleibt keine. Es wartet ein neues Leben an einem unbekannten Ort. Ein Szenario, wie es in der NHL zum Alltag gehört.

In der besten Eishockeyliga der Welt sind die Rechte der Spieler teilweise so eingeschränkt, dass sie über kein Mitspracherecht bei Transfers verfügen. Die Trades (siehe Kasten) machen es möglich. Zuletzt wurde auch das Leben der beiden Schweizer Nino Niederreiter und Kevin Fiala auf den Kopf gestellt.

Ihre Trades sind jetzt schon ein paar Wochen her. Wie blicken Sie mit etwas Abstand darauf zurück?

Kevin Fiala: Ich war schockiert, als mir mitgeteilt wurde, dass ich gehen muss. Wenn du getradet wirst, willst du ja nicht wechseln. Gleichzeitig habe ich mich aber auch gefreut, weil es eine neue Chance für mich war.

Nino Niederreiter: Die vergangenen Monate waren eine spannende – aber keine einfache Zeit. Es gab schon im Sommer das Gerücht, dass ich getradet werden könnte. Das hatte ich immer im Hinterkopf. Und plötzlich war der Tag da.

Wie lief dieser Tag ab?

Niederreiter: Ich ging am Morgen ganz normal ins Training und habe mit meinen Mitspielern zu Mittag gegessen. Als ich nach Hause kam, las meine Freundin, meine Mutter lag im Bett und mein Vater schaute Fernsehen. Sie waren alle bei mir zu Besuch. Dann klingelte das Telefon. Ich wollte zuerst gar nicht rangehen, sah aber, dass es der General Manager war. Das Gespräch dauerte zehn Sekunden. Es hiess: Danke für alles und viel Glück in Carolina. Danach sass meine Mutter sofort kerzengerade im Bett.

Nino Niederreiter im Dress der Carolina Hurricanes.

Nino Niederreiter im Dress der Carolina Hurricanes.

Und dann?

Niederreiter: Kurz darauf rief der General Manager von Carolina an und fragte, ob ich in ein paar Stunden den nächsten Flug nehmen könnte. Also hat meine Familie zu Hause meinen Koffer gepackt, während ich zur Eishalle fuhr und meinen Spind ausräumte.

Sie beide wurden von einer Sekunde auf die andere aus Ihrem Umfeld gerissen. Wie fühlt sich das an?

Fiala: Der Wechsel nach Minnesota war aus spielerischer Sicht das Beste für mich. Aber der Abschied fiel mir schwer. Ich hatte in Nashville mit Roman Josi und Yannick Weber zwei Schweizer Teamkollegen. Ich bin noch etwas traurig, dass ich nicht mehr mit ihnen zusammenspiele. Aber wer weiss, was die Zukunft bringt. Vielleicht stehen wir bald wieder gemeinsam auf dem Eis.

Niederreiter: Sportlich gesehen habe ich mich auf die neue Herausforderung gefreut. Am meisten geschmerzt hat mich, dass ich nach sechs Jahren in Minnesota nicht die Zeit hatte, mich von meinen Freunden und Teamkollegen zu verabschieden. Beispielsweise hat mich mein ehemaliger Teamkollege Zach Parise angerufen und erzählt, dass ihn seine Frau geweckt hätte, als sie aus den Nachrichten von meinem Trade erfuhr. Er sagte, dass er mich vermissen werde.

Wie sahen Ihre ersten Tage am neuen Ort aus?

Niederreiter: Als ich in Carolina ankam, hatten wir sofort ein Heimspiel und anschliessend eine Reihe von Auswärtspartien. Meine Freundin sah sich in der Zwischenzeit Wohnungen an. Eine davon hat mir gefallen, und da lebe ich jetzt.

Hatten Sie bereits Zeit, sich etwas einzurichten?

Niederreiter: Meine Wohnung ist noch etwas kahl. Ausser einem Tisch und ein paar Stühlen steht noch nicht viel im Wohnzimmer. Es war eine hektische und lehrreiche Zeit. Dafür haben meine Eltern jetzt sicherlich ein paar Geschichten mehr, die sie erzählen können.

Fiala: Auch bei mir ging alles sehr schnell. Ich musste am Tag nach meinem Trade ohne meine Freundin aus Nashville nach Minnesota reisen. Sie kam aber nach. Der Verein hat mir eine Wohnung und ein Auto organisiert und auch sonst alles für mich gemacht. Für diese Hilfe bin ich sehr dankbar. Die Franchise hat mir vieles abgenommen.

Was ist das Positive an einem Trade?

Niederreiter: Ich war in Minnesota in einer schwierigen Situation. Wenn du wenig spielst, ist es nicht einfach, deine volle Leistung abzurufen. Ich wollte aber aus jeder Minute das Beste herausholen. Ich habe mir bei jedem Spiel gedacht: «Hey, das könnte meine zukünftige Mannschaft sein.» Jetzt spiele ich mit Carolina für ein Team, das mich wirklich will. Ich spüre das Vertrauen des Trainers. Das hat mir zuvor in Minnesota gefehlt. So war es schwierig, erfolgreich zu sein.

Fiala: Der General Manager von Minnesotawollte mich im Team haben, den Assistenztrainer kenne ich aus meiner Zeit in der AHL und mit einigen meiner neuen Teamkollegen habe ich bereits in Nashville gespielt. Das alles hat mir geholfen. Jetzt, nach ein paar Wochen am neuen Ort, fühle ich mich bereits wie zu Hause.

Wie schnell fanden Sie Anschluss?

Niederreiter: Jeder Spieler weiss, wie das mit den Trades läuft, und kann sich in dich hineinversetzen. Daher haben sich meine neuen Teamkollegen sehr bemüht, mich schnell zu integrieren. Es sind die kleinen Dinge, die mir zeigen, dass ich willkommen bin. Ich sitze beispielsweise im Flieger bereits am Kartentisch. Es kam mir entgegen, dass wir zu Beginn gleich einen Roadtrip hatten. So war ich zwar nicht zu Hause, konnte aber alle Spieler kennen lernen.

Kevin Fiala, Sie sind in der Ostschweiz aufgewachsen, dann früh nach Schweden gegangen und leben jetzt seit einigen Jahren in den USA. Wo sind Sie wirklich zu Hause?

Fiala: Nach der Saison bin ich immer ein paar Wochen in der Schweiz. Das Sommertraining absolviere ich dann aber in Schweden, weil ich dort einen Trainer habe und es die Heimat meiner Freundin ist. Aber wo ich zu Hause bin? Keine Ahnung, das ist eine schwierige Frage. Ich habe noch nie irgendwo ein Haus oder eine Wohnung gekauft, weil ich nicht weiss, wo meine Heimat ist.

Und wo ist Ihre Heimat, Nino?

Niederreiter: Ich wohne in Raleigh, der Hauptstadt von North Carolina. Aber meine Heimat wird immer das Bündnerland bleiben. Meine Familie lebt in Chur, dort will ich irgendwann ein Haus bauen. Ich muss nur noch meine Freundin dazu bringen, in Chur zu wohnen. Sie kommt nämlich aus Zürich und lebt dort.

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