Reto Berra hat die Postur (194 cm/95 kg), das Talent und die Berufseinstellung für eine NHL-Karriere. Aber er hat es in vier Jahren in der wichtigsten Liga der Welt lediglich auf 64 Partien für Calgary, Colorado und Florida gebracht.

In den entscheidenden Momenten stoppte ihn immer wieder Verletzungspech und er hatte auch nie das Glück, zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Klub zu sein. Die Nummer 1 war er nie für eine ganze Saison und zu einem Multimillionen-Mehrjahresvertrag reichte es nicht. Sein aktueller Einjahresvertrag mit Florida, dotiert mit 1,5 Millionen Dollar brutto, läuft im Frühjahr aus.

Von diesem Gehalt geht die Hälfte durch Steuern drauf. Nun ist er 30 und es ist an der Zeit, sein Talent zu kapitalisieren. Sein Agent André Rufener bestätigt auf Anfrage: «Ja, es stimmt, Reto Berra wird nächste Saison wieder in der NLA spielen.» Was er nicht sagt, weil es selbstverständlich ist: Sein Klient wird dort spielen, wo er einen hochdotierten Mehrjahresvertrag bekommt. Zwei Klubs sind bereit, die Tresortüre zu öffnen: Lausanne und Fribourg-Gottéron.

Reto Berra kehrt sehr wahrscheinlich in die Schweiz zurück.

Reto Berra kehrt sehr wahrscheinlich in die Schweiz zurück.

Mit Berra zum Titelanwärter

Lausannes Sportdirektor Jan Alston wollte eigentlich nächste Saison auf das Duo Sandro Zurkirchen/Cristobal Huet setzen. Inzwischen hat er sich noch einmal mit seinen neuen kanadischen Besitzern beraten und die sind der Meinung, man müsse Reto Berra holen, wenn er zu haben ist. Denn der WM-Silberheld ist der einzige Schweizer Spieler, der aus einem guten Team wie Lausanne einen Meisterschaftsanwärter machen kann.

Wer die Schweiz zur ersten WM-Medaille seit 1953 zu hexen vermag, der ist auch dazu in der Lage, erstmals seit Gérald Rigolet (1973 La Chaux-de-Fonds) einen rein welschen Klub zur Meisterschaft zu führen. Reto Berra war schon in Davos Meistergoalie (2009) und schon zweimal NLA-Torhüter des Jahres (2011/12 und 2012/13).

Aber was wird aus Sandro Zurkirchen (26), wenn Reto Berra nach Lausanne wechselt? Lausannes Management sieht diese Angelegenheit ganz pragmatisch: Wenn wir Reto Berra haben können, dann lösen wir die «Causa Sandro Zurkirchen» später.

Falls Berra kommt steht es um Sandro Zurkirchen schlecht.

Falls Berra kommt steht es um Sandro Zurkirchen schlecht.

Sollte die Verpflichtung des ehemaligen ZSC-Juniors gelingen, wird Lausanne Ambris Nationaltorhüter – er war bei der letzten WM hinter Reto Berra und Leonardo Genoni unsere Nummer drei - entweder auszahlen oder leihweise zu einem anderen Klub transferieren. Beispielsweise zu Fribourg-Gottéron.

Sandro Zurkirchens Agent Gaëtan Voisard ist von der ganzen Entwicklung überrascht worden. «Damit haben wir wirklich nicht gerechnet. Wir haben ganz auf die Karte Lausanne gesetzt. Wir haben keine Ausstiegsklausel und keinen Plan B.» Tja, wer zu früh unterschreibt, den bestraft das Leben.

Aber Gaëtan Voisard bleibt nicht untätig. Er ist nicht nur Sandro Zurkirchens Agent. Wenn sich eine Tür schliesst, dann geht eine andere auf: der ehemalige Verteidiger kümmert sich auch um Benjamin Conz (25), der bei Gottéron einen Vertrag bis Ende der nächsten Saison hat, aber nicht mehr erwünscht ist.

Benjamin Conz ist bei Fribourg nicht mehr erwünscht.

Benjamin Conz ist bei Fribourg nicht mehr erwünscht.

Und so schliesst Gaëtan Voisard nicht aus, dass nun gleich an mehreren Orten die Torhüter-Positionen neu besetzt werden. «Wenn Reto Berra zu Lausanne wechselt, kann es sein, dass Sandro Zurkirchen in Ambri bleibt oder Fribourg landet und Benjamin Conz dann nach Ambri wechselt.»

Vielleicht wird es ja sogar noch komplizierter. Gaëtan Voisard sagt, inzwischen habe sich auch noch Kloten gemeldet. Sollte dort Martin Gerber (42) nicht mehr weitermachen, ist Sportchef Pascal Müller an Sandro Zurkirchen oder Benjamin Conz interessiert.