Die WM ist das Klassentreffen des internationalen Eishockeys. Jahr für Jahr treffen sich in Mittel-, Ost- oder Nordeuropa immer wieder die gleichen Funktionäre, Trainer, Spieler, Chronistinnen und Chronisten. Der «Planet Hockey» ist eine überschaubare Welt mit einer an der Spitze seit 50 Jahren nahezu unveränderten Hierarchie.

Seit 1998 ist die WM auf 16 Nationen ausgeweitet worden und bis auf den Auf- und Absteiger gibt es keine Wechsel. In der Regel ist der Aufsteiger der Absteiger des folgenden Jahres und ohne die Auflösung der Sowjetunion hätte es seit Paris 1951 keine neuen Hockeyländer gegeben. 2018 wird mit Südkorea erstmals seit der Ausweitung des WM-Teilnehmerfeldes auf 16 Nationen eine neue Nation dabei sein.

Rückblick IIHF Frankreich 1951

Sehenswerter Rückblick: So sah Eishockey an der WM 1951 aus.

Eishockey-WM als lokales Ereignis

Kein Vergleich also zur bunten, globalen Welt des Fussballs. Die Titelkämpfe im Eishockey sind, gemessen an der Bedeutung einer Fussball-WM, ein lokales Ereignis und bekäme auch dann keine grössere Beachtung, wenn sie nur alle drei oder vier Jahre ausgetragen würden. Zumal es wegen des kleinen Teilnehmerfeldes auch gar nicht möglich wäre, eine echte WM-Qualifikation zu veranstalten.

Und nun also Eishockey in Paris. Die WM-Reise nach Paris ist ein Ausbruch aus dem kleinen Kreis der ewig gleichen WM-Städte. 1951 ist die WM letztmals in der französischen Hauptstadt ausgespielt worden. Als Eishockey in Frankreich recht populär war und eine Mannschaft aus Paris (ACBB Paris) sogar den Spengler Cup gewann (1959, 1960, 1961). Die Schweizer verpassten 1951 die Verteidigung des EM-Titels nur wegen der schlechteren Tordifferenz an Schweden und wurden WM-Dritte.

Frankreich hat durchaus Hockey-Potenzial und die WM in Paris soll dem französischen Hockey helfen. Das Turnier beschert dem Veranstalter einen schönen siebenstelligen Gewinn, den der nationale Verband in die Entwicklung des Hockeys investieren kann. Die WM-Vergabe an Paris und Köln zeigt die Bemühungen, das «Produkt WM» zu entwickeln und auf der grossen internationalen Sport-Bühne besser zu platzieren.

Die Franzosen haben grosses «Hockey-Potenzial».

Die Franzosen haben grosses «Hockey-Potenzial».

Zwei Austragungsländer als Vorteil

Die Organisation von Titelkämpfen in zwei verschiedenen Ländern gibt es im Zuge der Globalisierung auch im Fussball und hat sich im Eishockey bereits bewährt. 2011 und 2012 organisierten Stockholm und Helsinki die WM. Paris und Köln passen nur auf den ersten Blick nicht zusammen.

Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Doppel-Organisation durch die schnelle Bahnverbindung zwischen den zwei Städten im vereinten Europa grosse Vorteile bringt. Zwar muss in zwei Städten und Ländern eine komplette Infrastruktur aufgebaut werden. Aber dafür sind die Titelkämpfe in zwei verschiedenen Ländern und Märkten präsent, die im Eishockey ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial haben.

Auch Deutschland kann Weltmeisterschaften hervorragend organisieren.

Auch Deutschland kann Weltmeisterschaften hervorragend organisieren.

Die WM kümmert die NHL nicht

Weil die besten Spieler der Welt in der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) spielen, ist eine WM nur ab Mitte April möglich. Die NHL ist nicht Mitglied des internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF) und kümmert sich nicht um die Bedürfnisse eines Titelkampfes. So wäre es im Fussball, wenn die wichtigsten Ligen ihren Spielbetrieb für eine WM nicht unterbrechen und die Stars für die Titelkämpfe nicht freigeben würden.

 

Damit wenigstens ein Teil der NHL-Stars bei der WM auftreten kann, wird die WM so spät angesetzt, dass aus der NHL wenigstens die Spieler aus den Teams zur WM fahren können, die sich nicht für die Stanley Cup-Playoffs qualifiziert haben oder in den ersten beiden Runden ausgeschieden sind. Deshalb wird im Eishockey um den WM-Titel gespielt, wenn die Schwimmbäder in Mitteleuropa bereits offen sind.