Apropos
Eine Anekdote von Pläuschlern und Schöggeler-Journis

Silvan Hartmann
Silvan Hartmann
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Doch nicht so daneben: Schöggeler-Journis.

Doch nicht so daneben: Schöggeler-Journis.

Keystone

«Sind Sie Journalist?», fragt mich ein älterer Herr vor dem Eingang zu Court zwei und schaut auf meine Akkreditierung, die ich um meinen Hals trage, während ich auf die 90-Sekunden-Pause des andauernden Spiels warte. Ich bestätige ihm, worauf er mir schmunzelnd entgegnet: «Schöner Job!»

Er hat natürlich recht. Aber damit wollte er zwischen den Zeilen ausdrücken, was ich sonst schon genug oft von Freunden «fadegrad» zu hören bekam: Als Sportjournalist schaut man sich an den Swiss Indoors doch ohnehin nur ein bisschen die Tennisspiele an, palavert hin und wieder mit Roger, Stan und Co. und schreibt dann schliesslich ein paar Zeilen darüber.

Auch die Organisatoren bekommen diese Klischees unweigerlich Jahr für Jahr zu spüren. Viele Blogger oder Hobby-Fotografen ohne ersichtlichen journalistischen Hintergrund versuchen sich eine Akkreditierung zu erhaschen, um möglichst nahe an Roger und Co. zu sein. Doch diesen «Pläuschlern», wie sie gerne genannt werden, wird eine Zulassung selbstredend verwehrt. Und schafft es doch einer mal mit einem Badge ins Mediencenter, wird diesem unmissverständlich klargemacht, dass etwa Selfies mit den Superstars nicht nur verpönt sind, sondern auch nicht geduldet werden.

So entspannt, wie es die Klischees also vorgeben, lebt es sich im Medienraum der Swiss Indoors nicht. Die einzelnen Tage sind lang, die Turnierwoche erfordert viel Ausdauer. Kein Wunder, dass dabei die Sportjournalisten von einem Marathon sprechen.

Wobei: Die Ausübung des Berufs hat freilich wenig mit der persönlichen, sportlichen Betätigung zu tun. Und zu dem stressigen Marathonlauf kommt schliesslich eine zweifelhafte Ernährung dazu: Sandwiches, Wähen, Kuchen, Linzertorte, Basler Läckerli oder Schoggigipfel liegen jederzeit griffbereit.

Irgendwie stimmt es ja doch:
Schöggeler-Journalisten!