Fussball
Ein Vorbild für den FCB? Wie Rumäniens Legende Gheorghe Hagi mit dem «FC Zukunft» ein Meisterwerk gelingt

Der rumänische Ex-Fussballer Gheorghe Hagi hat als Besitzer, Trainer und Präsident seinen Fussballklub an die Spitze gebracht, indem er auf die Jugend setzte. Die Erfolgsgeschichte eines kleinen Fussballklubs am Schwarzen Meer.

Markus Brütsch
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Gheorghe Hagi auf dem Fussballplatz des FC Viitorul

Gheorghe Hagi auf dem Fussballplatz des FC Viitorul

Markus Brütsch

Vielleicht würde es den Basler Nachwuchschef Massimo Ceccaroni inspirieren, einmal bei Gheorghe Hagi vorbeizuschauen. In der Nachwuchsabteilung des FC Basel wird zwar unbestritten gut gearbeitet, doch ein Blick über den Tellerrand ist ja immer gut. Vor allem dann, wenn er auf eines der aufregendsten Projekte im europäischen Fussball fällt. Eines, das der neuen FCB-Philosophie, vermehrt auf junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen, nicht unähnlich ist, aber ungleich radikaler vorangetrieben wird.

Weil dies jedoch weit im Osten Europas geschieht, bleibt verborgen, was der frühere Weltklassespieler Hagi in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat. Wer weiss denn schon, dass der 52-Jährige den FC Viitorul als Besitzer, Präsident und Trainer im vergangenen Mai sensationell zum rumänischen Meistertitel geführt hat? Notabene mit dem tiefsten Durchschnittsalter (23,7 Jahre) aller europäischen Champions.

Das Besondere: Er hat dies mit einem der kleinsten Budgets der Liga geschafft. Mit einer Mannschaft, deren Spieler zu einem guten Teil in der klubeigenen Akademie ausgebildet worden waren.

Zwei Drittel aus der Akademie

Nach seiner schillernden Spielerkarriere bei Barcelona und Real Madrid hatte sich Hagi zunächst mit mässigem Erfolg als Trainer Rumäniens, von Bursaspor, Galatasaray, Timisoara und Steaua Bukarest versucht. Aufgeben kam für den Workaholic aber nicht infrage. In seiner Heimatstadt Constanta am Schwarzen Meer liess er eine Nachwuchsakademie bauen und gründete 2009 den Verein FC Viitorul; übersetzt: Zukunft. «Wir bilden junge Rumänen für eine grosse Karriere aus», sagt Hagi.

Gheorghe Hagi zelebriert 1994 sein Tor gegen die Schweiz, als er für die rumänische Nationalmannschaft spielte.

Gheorghe Hagi zelebriert 1994 sein Tor gegen die Schweiz, als er für die rumänische Nationalmannschaft spielte.

KEYSTONE

Über zehn Millionen investierte er aus dem eigenen Sack in die Anlage mit einem schmucken Kleinstadion, einer imposanten Trainingsinfrastruktur, einem Hotel und allem, was für eine professionelle Ausbildung erforderlich ist. Heute sind es 300 Talente, die in Ovidiu, zehn Kilometer vor den Toren Constantas, gefördert werden und alle das Ziel haben, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen.

«In diesem Sommer haben wir nicht weniger als sieben Spieler hochgezogen», sagt Hagi stolz. «Normalerweise sind es pro Jahr drei oder vier.» Das Ziel: Zwei Drittel des Kaders sollen aus der Akademie stammen. Sein Sohn Ianis, der schon als 16-Jähriger Captain der ersten Mannschaft war, wurde vor einem Jahr zur Fiorentina nach Italien transferiert.

Alle Neuen zum Nulltarif

Nachdem er sich zuerst um die Nachwuchsausbildung gekümmert hatte, trainiert Hagi seit September 2014 auch die erste Mannschaft. Diese war 2010 in die zweite und 2012 in die erste Liga aufgestiegen. Im vergangenen Jahr schaffte es Viitorul auf den vierten Rang und erstmals in den Europacup, zahlte gegen Gent (0:5, 0:0) aber Lehrgeld.

Um nun in der Qualifikation zur Champions League nicht chancenlos zu sein, engagierte Hagi mit dem früheren Sittener Nicolae Herea (32) und Marius Contantin (32) zwei Routiniers. Dabei kamen alle Neuen zum Nulltarif. Ausländer stehen mit Kévin Boli und dem Spanier Dani Lopez nur zwei im Kader. Aber bloss der Franzose spielt eine wichtige Rolle.

Viele Nachwuchsspieler kommen in die Natiteams

Dank einem ausgeklügelten System im Scouting tummeln sich die grössten Talente Rumäniens mittlerweile am Schwarzen Meer. 30 bis 50 Prozent der U-Nationalteams sind mit Spielern des FC Viitorul bestückt. Vier Akteure haben es auch schon in das von Christoph Daum trainierte A-Team geschafft.

Heute Abend nun geht es im Stadion der Academy für Hagis Team gegen den zypriotischen Meister Apoel um den Einzug in die Champions-League-Playoffs − und damit ans Eingemachte. Was wäre das für ein Triumph, auf diesem Weg, mit harter Arbeit und Konstanz, die Königsklasse zu erreichen.