Apropos
Ein Verhältnis wie ein altes Ehepaar

Rainer Sommerhalder ist nach PyeongChang gereist und berichtet über die sportlichen und unsportlichen Ereignisse im Olympiadorf. Heute über Arbeitsverhältnisse, «Goldener Hochzeiter» und Valentinstag...

Rainer Sommerhalder, PyeongChang
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Das Journalismus-Leben in PyeongChang, ein kleiner Ausschnitt aus dem gemeinsamen Hotelzimmer.

Das Journalismus-Leben in PyeongChang, ein kleiner Ausschnitt aus dem gemeinsamen Hotelzimmer.

Keystone

Mein geschätzter Redaktionskollege und ich teilen uns bei Olympia das Einzelzimmer. Preise von 380 Franken pro Nacht für Zwei-Sterne-Qualität drücken nun mal aufs Gesamtbudget. 18 Nächte auf derart engem Raum – ob wir es auch am Schluss der Winterspiele noch gut miteinander haben werden? Ich tendiere fern von jeglichem übertriebenen Optimismus zu einem überzeugten «Ja!». Denn wir wandeln mit Erfolg auf den Spuren vieler «Goldener Hochzeiter». Miteinander wohnen, aber kaum miteinander reden.

Dabei hätten wir uns doch so viel zu sagen. Immerhin müssen wir die Olympia-Berichterstattung koordinieren, Ideen generieren, Absprachen treffen, auf ungeplante Ereignisse reagieren. Das tun wir zwar, aber praktisch vollumfänglich per Telefon. Ab und zu frage ich auch den diensthabenden Journalisten in der Schweiz, ob er wisse, wo Martin gerade stecke und was er vorhabe. Seit Tagen sehen wir uns nur noch flüchtig.

Ich bin mir nicht einmal ganz sicher, ob er überhaupt noch da ist. Die frühmorgens durch den Raum huschende Gestalt könnte auch die Putzfrau sein. Gestern zum Beispiel war sie es. Sie weckte mich aus meinen süssen olympischen Illusionen von gewonnenen Goldmedaillen, korrupten Funktionären und gedopten Favoriten. Was man nicht alles träumt, wenn man am Boden schläft.

Der Zufall will es, dass Martins Einsätze meistens um 7 Uhr morgens beginnen und meine um 3 Uhr nachts enden. Wie lange so ein olympischer Arbeitstag dauert, dürfen wir aus arbeitsrechtlichen Gründen hier leider nicht verraten. Ich muss aber zugeben: Ich war schon ein wenig enttäuscht, meinen temporären Lebensabschnittspartner nicht zu sehen. Immerhin war Valentinstag.