Der Frühling tut sich dieser Tage schwer, sich im Tessin so wirklich zu entfalten. Zum Auftakt der Playoff-Finalserie zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions herrschten im Sottoceneri für die Jahreszeit kühle Temperaturen. Dazu goss es auch noch wie aus Kübeln. Es schien fast so, als ob sich das Wetter dem Niveau der ersten Finalpartie angepasst hatte. Denn der HC Lugano und die ZSC Lions lieferten sich ein leicht unterkühltes Duell.

Unterkühlt, weil die Emotionen, die, wenn diese beiden Mannschaften im Verlauf der Playoff-Geschichte bisher aufeinandergetroffen sind, stets eine wichtige Rolle spielten, für einmal kein Faktor waren in der Resega. Es war über weite Strecken ein vorsichtiges Abtasten, in welchem keines der beiden Teams grosse Risiken eingehen wollte. Und so hielten sich auch die wirklich spektakulären Szenen in engen Grenzen.

Die ZSC Lions führten in diesem ersten Finalspiel aber die etwas feinere Klinge und erspielten sich dementsprechend auch deutlich mehr vielversprechende Abschlussversuche. Die Zürcher schafften es aber nicht, diese visuelle Überlegenheit in ein beruhigendes Polster umzuwandeln. Mike Künzles Treffer in der 35. Minute – ein richtiges, im Nachstochern erzieltes «Mülltor» – blieb der einzige offensive Ertrag für die Löwen.

Die beste Offensive ohne Tor

Und so blieb die Partie bis ganz zum Schluss spannend, obwohl sie eigentlich nur einen Sieger verdient hatte: Die ZSC Lions. Der durchaus mögliche «Lucky-Punch» der Luganesi blieb aber aus. Der Ausgleich wäre aber ein zu guter Lohn gewesen für die Tessiner, die in der Offensive ganz einfach zu wenig Durchschlagskraft hatten.

Die 46 Tore, die der HC Lugano in ihren vorhergegangenen elf Spielen der laufenden Playoffs erzielt hatten, waren letztlich wertlos. «Es war eine sehr solide, defensive Leistung von uns. Wir hatten kaum Puckverluste und gaben ihnen kaum Raum für ihre schnelle Konter», zeigte sich Siegtorschütze Mike Künzle zufrieden.

Denn dieses erste Finalspiel zeigte eindrücklich, dass die Zürcher für die Luganesi eine wesentlich härtere Knacknuss darstellen als die ersten beiden Playoffgegner Fribourg (Viertelfinal) und Biel (Halbfinal).

Die Lions sorgten mit ihrer hartnäckigen Störarbeit dafür, dass die Tessiner kaum einmal in gute Abschlusspositionen kamen. Die beste Chance auf einen Treffer vergab Verteidiger Bobby Sanguinetti, als er kurz vor dem Ende des zweiten Drittels über den Puck schlug.

Schon jetzt ist klar, dass der HC Lugano sich einiges überlegen muss, wenn er sich auf Augenhöhe mit den Zürchern bewegen möchte. «Wir müssen offensiv sicher mehr kreieren», forderte HCL-Stürmer Luca Cunti, der ebenso wie seine Angriffskollegen mehrheitlich harmlos war. Ob Kreativität alleine allerdings reicht, ist fraglich.

So hart wie die Tessiner in der Defensive gearbeitet und somit eine höhere Niederlage verhindert haben, so hart müssen sie auch im gegnerischen Drittel agieren, wenn sie in dieser Finalserie eine Chance haben wollen. Mit schönen Passstafetten und Sololäufen sind die Zürcher kaum in Bedrängnis zu bringen.

Die ZSC Lions dürfen dem weiteren Verlauf der Finalserie nach diesem Break jedenfalls optimistisch entgegenblicken. Sie sind das bessere der beiden Teams. Und sogar das Wetter war wieder besser, als die Löwen aus dem Gotthard-Tunnel herausfuhren. Wenn das mal kein gutes Omen ist?