Ein Trick für die Ewigkeit

Pedro Lenz
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Vor wenigen Tagen feierten die Fans von Real Madrid den 20. Jahrestag von Fernando Redondos Zaubertrick im Old Trafford. Real Madrid spielte am 19.  April 2000 gegen Manchester United, den Champions-League-Gewinner des Vorjahrs. Es ging um den Einzug in den Halbfinal. In Madrid hatten sich die beiden Teams 0:0 getrennt. Nun führte Real in Manchester 2:0. Die Engländer waren gezwungen, mehr Druck zu machen.

Es lief die 53. Minute, als der Madrilene Savio den Ball aus der eigenen Gefahrenzone brachte. Im Mittelfeld passte Savio zu Redondo. Der Argentinier, der sich selten nach vorne orientierte, galoppierte mit dem Ball auf der linken Seite in Richtung Grundlinie. Der Verteidiger Henning Berg war ganz nahe bei ihm, sodass aus Manchester Sicht nichts passieren konnte.

Doch dann verblüffte Redondo seinen Gegenspieler und die ganze Fussballwelt mit einem Schulhoftrick. Mit dem Absatz spielte er den Ball rückwärts Richtung Fünfmeterraum, blitzschnell wechselte er seine Laufrichtung und während er auf den verwaisten Ball zulief, hob er den Kopf um festzustellen, wo sein Mitspieler in die Lücke sprintete. Dann passte er das Leder kurz vor dem heranbrausenden Jaap Stam millimetergenau in die Füsse Raúls, der nur noch einnetzen musste.

Der Spielzug war von einer derartigen Schönheit und Dynamik, dass er im kollektiven Gedächtnis von Real für immer einen Ehrenplatz hat. Selbst die Fans des unterlegenen Teams ehrten Redondo mit Standing Ovations. Auf die Frage, ob er diesen Trick schon jemals angewendet habe, antwortete Redondo damals, er habe es als Bub mit dem Tennisball oft versucht, es sei aber meistens missglückt.

Dass ihm ausgerechnet im Viertelfinal einer Champions League und eingekesselt von drei Weltklasseverteidigern dieser Entfesselungskniff aus der Kinderzeit einfiel, sagt viel über Redondo, der seine technische Beschlagenheit sonst meist in Defensivaktionen einsetzte. Redondo war eine klassische Nummer 6 mit der Fähigkeit, den Rhythmus des Spiels nach Belieben zu variieren. Wenn der Fussball seit Redondos Rücktritt eine ähnlich spektakuläre Nummer 6 gesehen hat, dann ist es am ehesten der Genfer Denis Zakaria von Mönchengladbach.