Hunderte haben es morgens um 7 Uhr schon in die Sporthalle geschafft. Aber nicht etwa für die Morgengymnastik. Die Halle wurde umfunktioniert zum Speisesaal. So geniessen wir unser ‹Zmorge›, während andere noch tief und fest in den warmen, aber etwas harten Betten schlafen. Die harten Matratzen – das hat man ja von den Schweizer Eishockeyanern gehört. Auch unsere Betten dürften weicher sein. Extra einkaufen gehen wir dafür aber nicht.

Wir Schweizer in Pyeongchang sind alle im selben Hotel in einem der Hochhäuser, wo sich je sechs Personen ein Apartment teilen. Da trifft man sich schon ab und zu mal im Lift und lernt neue Leute kennen. Ausserdem gibt es im Hotel ein ‹Schwizer Kafi›. Das ist ein Aufenthaltsraum für uns Sportler mit einer Kaffeemaschine und zwei Fernsehern. Dort verfolgen wir die Olympischen Spiele, fiebern mit unseren Schweizer Kollegen mit und halten das eine oder andere Schwätzchen.

Koreanische Küche

Am Morgen trainieren wir immer ausserhalb des olympischen Dorfes. Es gibt dort zwar einen Fitnessraum, doch den nutzen wir nie. Mit 3894 Athleten im Olympia-Dorf ist er eigentlich immer überfüllt. Dass man bei so vielen Sportlern auch internationale Kontakte knüpft, ist ja wohl klar. Vor allem mit den bekannten Gesichtern unserer Konkurrenz sind wir immer mal wieder unterwegs. Trotzdem verbringen wir die meiste Zeit mit Schweizern. Ausser mit den Freestyle-Skifahrern und den Snowboardern, sie hausen ausserhalb der olympischen Dörfer. Ihr grösstes Problem war es angeblich, eine geeignete Küche für ihren mitgebrachten Koch zu finden.

Solche Probleme hatten wir nicht. In der Dining Hall gibt es nämlich Koreanisch, Italienisch, Vegetarisch, ohne Gluten bis zu speziellen Extra-Wünschen. Es ist für jeden was dabei – und dann noch fein gekocht. Am Mittag stärken wir uns erneut in der Dining Hall und probieren auch mal das koreanische Essen. Dieses stellt sich jedoch als scharfer Fehler heraus.
Auf der Suche nach weiterem koreanischem Flair, im sonst international geprägten Olympia-Dorf, treffen wir auf die traditionelle koreanische Tracht Hanbok. Begeistert ziehen wir die leuchtende, wenn auch etwas aussergewöhnliche Farbenpracht an und schiessen das obligate Foto.

Koreanische Föhnfrisur

Weitere koreanische Details finden wir schliesslich im Souvenirshop. Neben diesem von Soohorang- und Bandabi-Maskottchen überfüllten Laden gibt es ausserdem noch ein kleines ‹Lädeli› und einen Swisscom-Stand. Wir sind aber mehr an einem anderen Zelt interessiert. Gratis-Haarschnitte gibt es dort und Nagelpflege noch dazu. Klar, dass wir nicht zögern und unsere Haare einem koreanischen Haarkünstler überlassen. Gewaschen, geschnitten und geföhnt verlassen wir den Haarsalon, überzeugt, dass wir unsere Haare ganz bestimmt nie wieder so föhnen werden.

Zum Schluss machen wir noch einen Abstecher in die Spielhalle. Dort messen sich die Sportler im Billard, Airhockey oder mit der Playstation. Wir ziehen es vor, uns im Nebenraum auf den Massagestühlen zu entspannen. Viele Sportler hat es hier nicht, die meisten verbringen den Tag im Training oder im Zimmer.

Solange nicht alle Wettkämpfe absolviert sind, sind Ausgang und Party ein absolutes Tabu. Auch an Medaillenfeiern der Schweizer zu gehen, ist keine gute Idee. Das Schweizer Haus ist nur mit dem Bus erreichbar, und draussen ist es ‹arschkalt›. Wir verfolgen Olympia also besser im warmen ‹Schwizer Kafi›. Nach unserem Start werden wir aber bestimmt mit dem einen oder anderen Wettkampf live vor Ort mitfiebern. Auch die Medaillenfeier und der wohlbekannte, berüchtigte Ausgang werden nicht zu kurz kommen. Jetzt geht es aber ab ins Bett – die harte Matratze wartet schon.»