Schweiz gegen Georgien

Ein Sieg macht die EM-Teilnahme klar: «Auf dem Papier sieht es einfach aus, aber solche Spiele sind sehr gefährlich»

Nationaltrainer Vladimir Petkovic beim Abschlusstraining im Kybunpark. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (St.Gallen, 14. November 2019)

Nationaltrainer Vladimir Petkovic beim Abschlusstraining im Kybunpark. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (St.Gallen, 14. November 2019)

In St.Gallen ist der Schweiz heute bei einem Sieg gegen Georgien (20.45 Uhr) die nächste EM-Teilnahme kaum noch zu nehmen.

In den Stühlen auf der Empore nehmen sie Platz, vor sich eine Pultreihe, ein paar Journalisten und das EM-Qualifikationsspiel gegen Georgien. Links Dennis Zakaria, in der Mitte Nationaltrainer Vladimir Petkovic, rechts Captain Stephan Lichtsteiner. Hier an der offiziellen Pressekonferenz vor einem Spieltag sitzt Petkovic seit fünfeinhalb Jahren, für Zakaria ist es in St.Gallen eine Premiere. Der Mittelfeldspieler stand jede Minute der laufenden Kampagne auf dem Rasen, wird mehr und mehr ein Leitwolf des Teams, rückt in seine Mitte. Während Defensivspieler Lichtsteiner nach einer Quasi-Auszeit nochmals dorthin zurückgekehrt ist.

Richtig wohl scheint sich in diesem Moment aber nur der 35-jährige Lichtsteiner zu fühlen, der schon so viel gesehen und erlebt hat in seiner Karriere. Er sagt: «Es sieht auf dem Papier einfach aus gegen Georgien, aber so einfach ist es im Sport nicht. Solche Spiele sind stets sehr gefährlich, wir müssen total fokussiert sein.»

Bisher fehlt die Überleistung

Bislang hat die Schweiz einen soliden EM-Qualifikationsparcours gespielt. Es war in den sechs Spielen nichts Ausserordentliches dabei, keine Überleistung, aber sie liess sich zum Auftakt im März bei ebendiesem Georgien keinen Tolggen im Reinheft notieren wie später die Mitstreiter aus Dänemark und Irland. Weshalb die Schweiz nun die beste Ausgangslage vorweist für das Erreichen der EM-Endrunde mit 24 Mannschaften im nächsten Sommer. Vier Punkte aus den Partien heute gegen Georgien und drei Tage später in Gibraltar reichen sicher. Es wäre nach 2014, 2016 und 2018 auf sportlichem Weg die vierte Teilnahme an einem Grossanlass in Folge und damit: historisch, da eine Premiere.

Am Montag besammelten sich die Schweizer um die Mittagszeit in einem Nobelhotel am Fuss des Uetlibergs in Zürich, unter anderen rückten Xherdan Shaqiri, Breel Embolo, Admir Mehmedi oder Fabian Schär verletzungsbedingt nicht ein. Noch am Abend nach dem ersten von zwei öffentlichen Trainings musste auch Remo Freuler Forfait erklären. Entsprechend beinhaltet Petkovics Aufgebot einige Spieler, die ganz grundsätzlich nicht seine erste Wahl sind. Oder die sich im Club in der Wartezone befinden – was ganz und gar entgegen den Überzeugungen des Nationaltrainers ist. Weshalb er vor einer Woche schon mit Blick auf eine mögliche EM sagte: «Es kann für ­einige Akteure nicht immer so weitergehen. Ich möchte für sie eine Situation, von der auch ich als Nationaltrainer profitieren kann.»

Die Schweizer sind gegen Georgien Favorit

Die Schweizer haben nach dem Sieg gegen Irland wieder alle Fäden selber in der Hand. Egal wer hinter Stürmer Haris Seferovic spielt, egal ob Petkovic mit Dreier- oder Viererkette verteidigen lässt, sie sind gegen Georgien im Kybunpark vor ausverkauftem Haus der Favorit. Und in der Tat wirkt die Aufgabe gegen die Weltnummer 90, die mit einer Serie von vier Spielen ohne Niederlage in die Schweiz kommt, auf dem Papier zwar heikel, aber eher einfach.

Wie sein Captain hebt aber auch Petkovic den Mahnfinger und sagt: «Für mich ist der Druck gleich gross wie gegen die Iren.» Im März seien die Georgier beim 2:0-Sieg der Schweiz noch klein und unbedeutend gewesen. Heute sieht der Nationaltrainer beim Gegner gute stehende Bälle, gefährliche Konter, gepflegten Fussball, auch aus der eigenen Gefahrenzone heraus. «Wir erwarten dennoch, dass wir das positiv nach Hause bringen.» Und auch wenn die Georgier ersatzgeschwächt aus ihrem Trainingslager im schwäbischen Bad Wörishofen angereist sind und auf Grigori Tschakwetadse von Gent sowie Jano Ananidse von Spartak Moskau verzichten müssen, sagt ­Zakaria vorsichtig: «Im ersten Spiel war es kompliziert, wir müssen nun beweisen, dass wir die bessere Mannschaft sind.»

Im Vorfeld der Partie hatte Granit Xhaka gesagt, dieses Schweizer Team könne auch Weltmeister werden, wie damals die U17. Und Petkovic betont wie gestern immer wieder, dass seine Ambitionen und jene seines Teams unbegrenzt seien. Diese Attitüde ist insofern gut, weil die letzten beiden Spiele des Jahres eine gewisse Relevanz haben – es geht schliesslich auch um die Einteilung in die vier EM-Lostöpfe. Wobei es die Schweiz nicht mehr in Lostopf eins schaffen dürfte, sofern sie sich qualifiziert.

Behrami und Fernandes werden verabschiedet

In St.Gallen werden die Schweizer im neuen weissen Auswärtsdress antreten, das sie an der EM begleiten soll. Zudem verabschiedet der Verband Valon Behrami und Gelson Fernandes offiziell. Behrami, der zwar verhindert ist, hat viele Verdienste für das Land vorzuweisen, sechs Endrundenteilnahmen und 83 Länderspiele. Der Verband hat seine Lehren gezogen, will sich fortan gebührend bei renommierten Schweizer Nationalspielern bedanken, die mindestens 50 Länderspiele sowie eine Endrundenteilnahme auf dem Buckel haben. Blerim Dzemaili wäre ebenfalls ein Kandidat, doch der Offensivspieler ist nie offiziell aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

Es ist immer noch Lichtsteiners Traum, ein letztes Mal eine Endrunde zu spielen. Wenn stets alles so einfach wäre.

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