Am 31. Oktober stehen sich in der Kontinental Hockey League KHL die Mannschaften aus Zagreb und Wladiwostok gegenüber. Gleichentags duellieren sich in der Schweiz im Tessiner Derby Lugano und Ambri-Piotta. Die Resega ist nur rund 60 Kilometer entfernt von der Valascia. Wenn Zagreb seinen Gast aus Wladiwostok empfängt, hat dieser eine Reise von 8280  Kilometern hinter sich – 138-mal die Strecke von Lugano nach Quinto. In keiner Liga der Welt sind die Reisewege derart extrem, auch wenn solche Spiele durch die verschiedenen Divisionen der Seltenheit entsprechen.

Zwar gilt die russischdominierte KHL als zweitbeste Liga der Welt, in der das Niveau und die Verdienstmöglichkeit der nordamerikanischen NHL ähneln. Doch die extremen Reisewege machen sie mehr und mehr unattraktiv. Dazu kommen Sicherheitsbedenken infolge politischer Unruhen. Das hat auch Auswirkungen auf die Schweizer NLA und deren Ausländer: In der laufenden Saison spielen so viele Schweden hier wie nie in den letzten zehn Jahren.

«Ähnlicher Lifestyle»

Einer von ihnen ist Linus Klasen vom HC Lugano. Er bestätigt, dass die kurzen Reisewege in der Schweiz von grossem Vorteil sind. Darüber hinaus gefalle ihm die Stadt und der Verein mache vieles sehr einfach. «Ich liebe das schnelle und offensive Eishockey in der Schweiz und die Art, wie die Leute miteinander umgehen», sagt Klasen über seine ersten Erfahrungen in der NLA. Der Stürmer ist einer von insgesamt 13 Schweden, die in dieser Saison in der Schweiz engagiert sind. Vier stehen alleine bei den Rapperswil-Jona Lakers unter Vertrag. Deren Sportchef Harry Rogenmoser spricht von der «gleichen Mentalität und dem ähnlichen Lifestyle», die Schweden und Schweizer verbinden. Zudem seien die Integration und die Verständigung einfacher, weil mit Trainer Anders Eldebrink eine Schlüsselperson aus Schweden stammt.

Ein Blick auf die aktuelle NLA-Skorerliste zeigt, dass sich die Schweden auf Schweizer Eis wohlfühlen. Auf den ersten zehn Positionen stehen sieben Schweden. Einer davon ist Niklas Persson von den Lakers. Er war im Jahr 2013 Assistenzcaptain der schwedischen Weltmeistermannschaft, die den Final gegen die Schweiz gewann. Mit 14 Punkten aus 11 Spielen ist er Teil des schwedischen Gerüsts, das bei den Lakers die Hoffnung aufrechterhält, den Anschluss an die Playoff-Plätze noch zu schaffen. Beim 3:1-Sieg vom vergangenen Dienstag gegen Ambri erzielte Persson das Game Winning Goal zum 2:1, Rapperswil-Jona gab daraufhin die rote Laterne an Fribourg ab. Das dritte Tor der Lakers erzielte mit Nicklas Danielsson ein Landsmann Perssons. Er ist gegenwärtig mit 17 Punkten aus 13 Spielen zweitbester Skorer der Liga hinter Luganos Frederick Pettersson – auch er ein Schwede.

Einbussen in Schweden

Ein weiterer Grund für die vielen schwedischen Akteure in der Schweiz ist ein neuer TV-Vertrag in deren Heimatland. Dieser bringt den Klubs wesentlich weniger Einnahmen als vorher, womit auch die Salärzahlungen nicht mehr so üppig ausfallen. Die Schweiz ist nicht nur spielerisch, sondern auch finanziell attraktiv. Neun Spieler aus der schwedischen Liga SHL wechselten auf diese Saison hin in die NLA. Nur vier Vereine haben momentan keinen skandinavischen Spieler in ihren Reihen. Dieser Trend könnte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Schliesslich handelt es sich um eine klassische Win-win-Situation.