Steuerbetrug
Ein Mega-Star im Mega-Steuer-Schlamassel

Lionel Messi muss wegen Steuerhinterziehung vor dem Richter antraben. Er hoffte, mit einem blauen Auge davonzukommen. Das war vor der Veröffentlichung der Panama-Papiere.

Sébastian Lavoyer
Drucken
Lionel Messi: «Wenn mein Papa sagt, dass ich irgendwo unterschreiben soll, mache ich das mit geschlossenen Augen.»

Lionel Messi: «Wenn mein Papa sagt, dass ich irgendwo unterschreiben soll, mache ich das mit geschlossenen Augen.»

KEYSTONE

Ist er wirklich so dreist oder ist alles nur ein ausgesprochen unglücklicher Zufall? Nur wenige Stunden nachdem bekannt wurde, dass Lionel Messi rund 4,1 Millionen Euro am spanischen Fiskus vorbeigelotst haben soll, habe dieser schon zum nächsten fiskalischen Dribbling angesetzt. Aalglatt, kaum zu halten – wie auf dem Platz so im weltweiten Steuerwettbewerb? Es besteht der dringende Verdacht, so schreibt es das spanische Investigativ-Blatt «El Confidencíal» das im Verbund mit zahlreichen anderen Zeitungen aus aller Herren Ländern und auf Initiative der «Süddeutschen Zeitung» die Daten-Lawine aus Zentralamerika untersuchte.

Das Muster der Geldwäscher

Es geht um Millionen. Alleine zwischen 2007 und 2009 sollen dem spanischen Staat durch Messis Steuer-Dribbling 4,1 Millionen Euro entgangen sein. Diese hat Messi unterdessen nachbezahlt. Zudem versuchte sein Vater, die ganze Schuld auf sich zu laden, sagte: «Lionel hatte nie Zugang zu all diesen Verträgen.» Sein Sohn ergänzte: «Wenn mein Papa sagt, dass ich irgendwo unterschreiben soll, mache ich das mit geschlossenen Augen.»

Die Staatsanwaltschaft wollte ihn folglich verschonen. Doch die Anwälte des Finanzamts waren unerbittlich. Nun muss die Nummer 10 der Katalanen am 31. Mai vor dem Richter antraben. Wegen Steuerhinterziehung. Der Prozess dürfte eine ganze Woche dauern. Schon jetzt ist klar, dass man in einem grösseren Saal verhandeln wird als sonst üblich. Die ganze Welt will wissen, ob es dem Superstar an den Kragen geht. 22 Monate Haft drohen Vater und Sohn. Plus eine saftige Busse von weiteren 4,1 Millionen Euro.

Vater Messi: «Eine einzige Lüge»

So schmerzhaft dies alles ist und so sehr es am Image zehrt, es wäre verkraftbar für den Super-Dribbler. Denn in Spanien sind Haftstrafen unter zwei Jahren üblicherweise zur Bewährung ausgesetzt. Doch «La Pulga» droht wegen der neuen Enthüllungen neues Ungemach. «Die Steuerbehörde wird untersuchen, ob alles legal ist oder ob irgendein spanisches Gesetz verletzt wurde», sagte der spanische Justizminister Rafael Catalá gestern vor den Medien.

Und was macht Messi? Frei nach dem Motto «Angriff ist die beste Verteidigung» kündeten er und sein Clan an, dass man gegen alle in die Recherche involvierten Parteien Anzeige erstatten werde. Vater Jorge polterte, dass all die Vorwürfe «eine einzige Lüge» seien. Und Messis Anwälte teilten mit, dass die fragliche Firma nie aktiv gewesen sei und «weder über Geldmittel noch über eine laufende Rechnung» verfügt habe. Ausserdem seien «alle Einnahmen aus der Verwertung der Bildrechte» vollständig der Steuerbehörde offengelegt worden.

«Die Wahrheit liegt auf dem Platz», sagte Otto Rehhagel einst. Längst eine Weisheit im Fussball. Sollte sie auch in diesem Fall ihre Gültigkeit haben, könnte es eng werden für Messi. Denn auf dem Platz ist er so dreist, wie man es ihm in Steuerfragen nicht zutrauen will.

Aktuelle Nachrichten