Sport

Ein Markt mit schwindelerregenden Umsätzen

Der weltweite Umsatz mit Sportwetten bewegt sich längst im unbezifferbaren dreistelligen Milliardenbereich.

Der weltweite Umsatz mit Sportwetten bewegt sich längst im unbezifferbaren dreistelligen Milliardenbereich.

Das neue Geldspielgesetz erlaubt nur Wettanbieter mit Sitz in der Schweiz. Gegner des Gesetzes befürchten deshalb einen Schwarzmarkt. Derweil schnellen die Umsätze durch Sportwetten in die Höhe.

Wer seit dem 1. Juli 2019 in der Schweiz via Internet bei seinem gewohnten Anbieter Sportwetten ­platzieren will, muss damit rechnen, dass das Angebot nicht mehr zugänglich ist. Die Netzsperre ist eine Folge des neuen Geldspielgesetzes, über ­dessen Änderung das Stimmvolk im Sommer 2018 entschieden und den veränderten Passus mit einer Mehrheit von fast 73 Prozent angenommen hat. Die Änderung verlangt, dass Online-Geldspiele und -Wettangebote nur noch mit Bewilligung zulässig sind – und von Anbietern mit Sitz in der Schweiz.

Populäre Anbieter aus dem Ausland sind ohne verschlüsselte Verbindungen wie VPN aus der Schweiz nicht mehr erreichbar, über 60 ausländische An­bieter sowie zahlreiche Online-Casinos sind auf der Sperrliste des Bundes.

Was bleibt, ist eine Art Monopol. In der Schweiz dürfen Lotterien, Glücksspiellose und Sportwetten nur von Swisslos und der Loterie Romande angeboten werden. Liberale Politiker kritisieren deshalb das neue Geldspielgesetz ­vehement. Es sei löchrig und nicht geeignet für die unübersichtlichen Auswüchse des Internets. Vor der Gesetzesänderung sei es mit den diversen Anbietern ein Graumarkt gewesen, jetzt gleiche die Situation einem Schwarzmarkt, monieren etwa die Jungfrei­sinnigen.

Der weltweite Umsatz mit Sportwetten bewegt sich längst im unbezifferbaren dreistelligen Milliardenbereich. 2012 sprach der Europarat noch von 300 Milliarden Euro, 2017 waren es 500 Milliarden, bald dürfte es eine Billion Euro sein. Längst hat die Szene ein Problem: Ein Grossteil des Geldes wird auf abgekartete Spiele gesetzt. Vor allem Fussball und Tennis sind bei Betrügern beliebt.

Auch in der Schweiz. 2010 wurden in der Challenge League Fussballer des FC Thun und Gossau mit je 5000 Euro bestochen. Verurteilt wurden sie damals nicht, weil der Straftatbestand Spielmanipulation fehlte – heute gibt es ­diesen. Ob das als Abschreckung reicht, ist fraglich. (mrm)

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