Harri Syväsalmi ist ein ehrenwerter Mann. Deshalb geniesst er in Finnland auch höchsten Respekt. Als wir uns vor dem grossen Zielstadion in Lahti zum Gespräch treffen, kommen nacheinander die Langlauflegende Juha Mieto und Dopingsünder Harri Kirvesniemi zum Händeschütteln. Quasi Finnlands nordische Geschichte auf einem Quadratmeter vereint.

«Du musst Zeit haben, wenn du mit Harri sprichst», rät mir eine Landsfrau meines Rendezvous, «er kennt so viele Geschichten». Der 64-Jährige hat sein Leben dem Fairplay im Sport verschrieben. Deshalb kämpft er mit Herzblut und Ausdauer gegen Doping. Ende der Neunzigerjahre schrieb Syväsalmi das Konzept für eine Welt-Antidoping-Agentur. Danach war er bis 2003 erster Direktor der Wada.

Heute steht er «Finnlands Zentrum für Integrität im Sport» vor, der Antidoping-Agentur des Landes, die sich nach dem Langlauf-Skandal an der letzten WM in Lahti 2001 einen neuen, modernen Auftrag gegeben hat. «Ich muss unser Konzept überall in Europa an Vorlesungen präsentieren», sagt Syväsalmi in einer Tonlage, als wäre dies eine Bürde, und mit einem Gesichtsausdruck, als prassle der Stolz nur so aus ihm heraus.

Neben Doping stehen Spielmanipulationen, Zuschauerausschreitungen und Korruption im Fokus seiner Behörde. Kein Wunder, hat Harri so viel Zeit für ein Gespräch. Finnland steht in Sachen Korruption weltweit am besten da und nennenswerte Dopingfälle gab es seit einem Jahrzehnt auch keine mehr. Gelegenheit also, um anderen zu helfen.

Für die nächsten Olympischen Winterspiele in Südkorea unterstützt Finnland den Gastgeber beim Aufbau einer wirkungsvollen Behörde. Und jüngst haben sogar die ungeliebten Russen angeklopft und um Support beim Neuanfang ihrer Antidoping-Aktivitäten gebeten. Harri Syväsalmi hilft gerne. Selbst den Russen.

Fälle wie die der Russen Alexander Legkow (links) und Maxim Wylegschanin (Mitte) sollen sich nicht wiederholen.

Fälle wie die der Russen Alexander Legkow (links) und Maxim Wylegschanin (Mitte) sollen sich nicht wiederholen.

«Es muss doch auch bei ihnen weitergehen», sagt der Doping-Spezialist. «Wir können die Russen nicht auf Ewigkeiten verbannen.» Und man dürfe jetzt nicht den Fehler machen, jeden russischen Sportler unter Generalverdacht zu stellen. Wichtig sei, dass der Kampf gegen Doping unabhängig sei. «Unabhängiger als bei uns geht nicht», sagt Harri und beginnt mit einer neuen Geschichte.